Mit schwerem Gerät wird der Sicherheitsweg auf der Trasse der A49 befestigt. Polizisten räumten auf der Trasse der A49 im Dannenröder Forst das letzte Baumhausdorf.
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Mit schwerem Gerät wird der Sicherheitsweg auf der Trasse der A49 befestigt. Polizisten räumten auf der Trasse der A49 im Dannenröder Forst das letzte Baumhausdorf.

Vierwöchiger Einsatz

Dannenröder Forst: Aktivisten wollen weiter gegen A49 kämpfen - Polizei zieht nach Einsatz positive Bilanz

Auch nach Abschluss der Rodungen auf der Trasse für die Autobahn 49 im Dannenröder Forst wollen Umwelt- und Klimaschützer weiter gegen das Projekt - und den Bau weiterer Autobahnen in Deutschland kämpfen. Dies berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Derweil zieht die Polizei ein positives Fazit des Einsatzes.

Homberg/Gießen- „Der Protest im Danni hört nicht auf. 2021 wird auch hier ein Klima-Camp stehen und Menschen werden weiter sich dem Irrsinn des Weiterbaus der A49 und längst überholten Autobahn-Projekten entgegenstellen“, sagte Aktivisten-Sprecherin Charlie Linde am Mittwoch bei einer via Twitter übertragenen Pressekonferenz an der Rodungsschneise in dem Waldstück bei Homberg/Ohm (Vogelsbergkreis). „Wir hören erst auf, wenn die letzte Autobahn verhindert ist und kein Wald mehr von der Abholzung bedroht ist.“

Im Dannenröder Forst sollten auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume für den Weiterbau der A49 gerodet werden, die nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden soll. Umweltschützer stemmen sich gegen das Projekt, weil sie darin einen Widerspruch zu einer klimagerechten Verkehrswende sehen, die Befürworter versprechen sich davon weniger Verkehrsbelastung in den Dörfern der Region und kürzere Wege für Pendler und Unternehmen.

Dannenröder Forst: Aktivisten wollen weiterkämpfen - Polizei zieht positive Bilanz nach Einsatz

Derweil hat die hessische Polizei im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch eine vorläufige Bilanz anlässlich des Einsatzes zum Weiterbau der Autobahn 49 gezogen. Von einem erfolgreichen Einsatzkonzept, Rettungsaktionen in schwindelerregenden Höhen, aber auch von gewalttätigen Angriffen auf Einsatzkräfte, zahlreichen Strafverfahren sowie auch von eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen Beamtinnen und Beamte berichteten die beiden Polizeisprecher Sylvia Frech und Jochen Wegmann.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) resümierte Thomas Seidel (Direktor des Abteilungsstabes im Polizeipräsidium Frankfurt am Main und Einsatzleiter): „Unsere Einsatzstrategie ist aufgegangen. Wir hatten sie bewusst nach den Regeln der Deeskalation ausgerichtet. Die Polizei konnte das Recht in der heiklen Rodungsphase sicher durchsetzen und dabei die freie Meinungsäußerung, die Versammlungsfreiheit und die freie Berichterstattung gewährleisten.“

Hessische Polizei: „Erfolgreicher Einsatzverlauf“ im Dannenröder Forst - Jedoch über 450 Straftaten

„Wir können nach vier Wochen im Dannenröder Forst von einem erfolgreichen Einsatzverlauf sprechen“, bilanzierte Kriminaldirektor Wegmann. „Neben friedlichem Protest mussten wir auch im Vorfeld mit Sabotageaktionen und gewalttätigen Angriffen auf die Einsatzkräfte rechnen. Diese Prognose bewahrheitete sich leider. Wir mussten beispielweise miterleben, wie Fäkalien und Steine auf Einsatzkräfte geworfen wurden und Pyrotechnik auf die Kolleginnen und Kollegen gerichtet gezündet wurde. Darüber hinaus wurden Einsatzkräfte mittels Zwillen beschossen, was eine erhebliche Gefährdung darstellte. Mehrere hundert Ermittlungsverfahren, darunter wegen Verdachts der versuchten Tötung zum Nachteil von Polizeibeamten, wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, Nötigung und Sachbeschädigung, wurden gegen Ausbaugegnerinnen und Ausbaugegner eingeleitet.“

Insgesamt hat die Polizei im Zusammenhang mit Protesten gegen den Lückenschluss der A49 über 450 Straftaten und rund 1550 Ordnungswidrigkeiten festgestellt.

Proteste im Dannenröder Forst: Mehr als 1000 Personen bei vierwöchigem Einsatz in Gewahrsam genommen

Dazu zählen beispielsweise 46 Fälle von Landfriedensbruch, 41 Fälle von Sachbeschädigungen - unter anderem durch Brandstiftung, sechs Fälle von Zerstörungen wichtiger Arbeitsmittel (Sabotage) und 39 Fälle von gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr. Zudem wurden 65 Widerstandshandlungen gegen Polizistinnen und Polizisten und vier tätliche Angriffe auf Polizeibeamte registriert. Zusätzlich besteht in zwei Fällen der Verdacht wegen der versuchten Tötung zum Nachteil von Polizeibeamten.

„Unsere Einsatzkräfte haben in den letzten vier Wochen über 500 Barrikaden, Baumhäuser und Strukturen geräumt. Mehr als 1000 Personen wurden in Gewahrsam genommen, entsprechende Platzverweise ausgesprochen und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet“, summierte Sylvia Frech. (dpa,akh)

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