Sechs Mitglieder der Bergwacht auf dem Großen Feldberg sind auch ausgebildete Luftretter. 
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Sechs Mitglieder der Bergwacht auf dem Großen Feldberg sind auch ausgebildete Luftretter. 

Hochtaunus

Massiver Besucheransturm am Feldberg: Bergwacht im Dauereinsatz

Am Feldberg im Taunus ist derzeit viel los. Die Bergwacht muss häufiger zu Unfällen ausrücken. Besonders eine Gruppe ist immer wieder betroffen. 

Feldberg – Nach dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise und der damit einhergehenden Schließung seines Ladengeschäftes in Oberursel hatte Jürgen Windecker deutlich mehr Zeit. Zeit, die er gerne mit seiner Familie verbrachte. Oft zog es ihn aber auch mit seinem Mountainbike aus der Brunnenstadt hinauf in die Feldbergregion.

"Das Herunterfahren des öffentlichen Lebens und die Kontaktsperren infolge der Corona-Pandemie haben im Frühjahr viel mehr Menschen als in Vorjahren in den Naturpark Taunus gelockt", berichtet der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht auf dem Großen Feldberg, die es seit mittlerweile 60 Jahren gibt. "Vielen Menschen war es offensichtlich sehr wichtig, in der Krise raus in die Natur zu gehen und dort Sport zu treiben - zumeist alleine."

Feldberg (Taunus): 21 Alarmierungen und 30 Einsätze für Bergwacht

Eigentlich jeden Tag waren ab April, spätestens aber ab Mai die Naturpark-Wanderparkplätze und die Parkstreifen entlang der Landstraßen in der Feldberg-Region gut belegt - und das nicht nur an den langen Wochenenden der vergangenen Feiertage. "Unterwegs bin ich eigentlich nirgendwo Gruppen begegnet. Wer zu zweit mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs war, hat die Abstandsregeln eingehalten", so Windecker.

Der enorme Besucheransturm, gerade an jenen langen Wochenenden, hat zu außergewöhnlich vielen Unfällen und Verletzungen der Erholungssuchenden geführt. "Obwohl in diesem milden Winter eigentlich kein Schnee gefallen ist und fast kein Wintersport möglich war, haben wir bislang in diesem Jahr mit 21 Alarmierungen unserer Bergrettung eine hohe Zahl an Einsätzen - die meisten davon gingen in den zurückliegenden drei Monaten ein", sagt der Bergwacht-Einsatzleiter.

Hinzu kamen bislang 30 "normale" Rettungsdienst-Einsätze in diesem Jahr, zu denen die Bergwacht gerufen wurde. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 38 Alarmierungen.

Taunus: Unfallorte liegen rund um Feldberg verteilt

In früheren Jahren rückten die Bergwacht-Mitglieder zumeist im Winter aus, um verunglückte Personen aus unwegsamem Gelände zu bergen, erste medizinische Versorgungen zu leisten und die Verunfallten dann an die Landstraßen zu bringen, wo ein Rettungswagen zum Weitertransport ins Krankenhaus wartet.

"Dass sich der Einsatz-Schwerpunkt vom Winter in das Frühjahr und in die Sommermonate verschoben hat, zeigt sich auch daran, dass zunehmend Mountainbiker verunglücken", erläutert Windecker. "Die Unfallorte sind überall im Wald verteilt und keinesfalls nur an den Flowtrail-Strecken am südlichen Taunushang oder auf den Downhill-Pisten am Nordhang. Die Radfahrer verunglücken auf Pfaden ebenso wie auf den breiten Forstwegen."

Taunus: Bergwacht am Feldberg rechnet mit viel Betrieb in den Sommerferien

Für die nun anstehende Sommersaison erwartet der 47-Jährige ebenfalls einen höheren Besucherdruck im Naturpark Taunus, weil infolge der Corona-Pandemie wohl deutlich mehr Menschen zu Hause bleiben. "In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind ganz viele, die in diesem Jahr nicht verreisen", sagt Windecker. "Die Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet zieht es dann garantiert in den Taunus." 

Ärgerlich: In der jüngsten Vergangenheit entwickelte sich durch den Besucheransturm ein Müll-Problem am Feldberg, wie fnp.de berichtet.*

Taunus: Bergretter am Feldberg sehen sich gut vorbereitet 

Die Bergretter sehen sich für die dann anstehende Einsatzlage personell gut aufgestellt. Ebenso gibt es bei der technischen Ausstattung derzeit keinen zwingenden Neuanschaffungsbedarf. Neben allradgetriebenen Rettungswagen und Krankentransportwagen hat sich gerade das geländegängige Quad für den Einsatz in unwegsamem Gelände bewährt.

"Wir kommen mit der Gebirgstrage überall hin. Auch sind wir mit sechs ausgebildeten Luftrettern bestens aufgestellt. Sie können sich im Bedarfsfall vom hinzugerufenen Rettungshubschrauber der Hubschrauber-Staffel der Polizei abseilen lassen."

Dadurch, dass auch deutlich mehr Bergwacht-Mitglieder in diesem Sommer keine Urlaubsreise machen, ist es für die Bereitschaftsleitung um Jens Werner kein Problem, die Dienstpläne für die Wochenenden zu erstellen. Unter der Woche ist die Bergwacht aber in Dauer- und Rufbereitschaft und kann von der Leitstelle alarmiert werden. (Von Matthias Pieren)

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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