Der Hauptangeklagte im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst (r), spricht vor der Sommerpause Anfang Juli mit seinem Verteidiger. Foto: Boris Roessler/dpa-Pool/dpa
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Der Hauptangeklagte im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst (r), spricht vor der Sommerpause Anfang Juli mit seinem Verteidiger. Foto: Boris Roessler/dpa-Pool/dpa

Prozess in Frankfurt

Mordfall Lübcke: Hauptangeklagter Stephan Ernst gesteht tödlichen Schuss

Der Hauptverdächtie im Prozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat die Tat vor Gericht gestanden. Stephan Ernst lässt über seinen Anwalt erklären, dass er den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgefeuert habe.     

  • Der Hauptangeklagte im Mordfall Walter Lübcke, Stephan Ernst, hat ein Geständnis abgelegt
  • Vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt hat Ernst zugegeben, den Kasseler Regierungspräsidenten erschossen zu haben
  • Der Anwalt des Angeklagten hat das Geständnis verlesen

Update, 12.24 Uhr: Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst ausgesagt, den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgegeben zu haben. „Ich habe geschossen“, ließ der 46-Jährige am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt über seinen Anwalt erklären. Er hat damit erstmals ein Geständnis vor Gericht abgelegt. Ernst hatte bereits kurz nach seiner Festnahme die Tat gestanden, das Geständnis aber dann widerrufen und seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H. beschuldigt.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel getötet worden. Der Deutsche Ernst muss sich wegen der Tat vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts verantworten. Laut Generalbundesanwalt handelte der 46 Jahre alte Familienvater aus rechtsextremistischen Motiven. Der zweite Angeklagte, Markus H., wird der Beihilfe beschuldigt. H. sei am Tatort dabei gewesen, sagte Ernst nun vor Gericht.

Mord an Walter Lübcke: Hauptangeklagter Stephan Ernst sagt aus

Im Januar hatte Ernst vor einem Ermittlungsrichter seine andere Version des Tathergangs geschildert: Er sei mit H. zu Lübckes Wohnhaus gefahren. Beide hätten den Politiker einschüchtern und bedrohen wollen. Der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe. Beide Tatversionen von Ernst sind in der Verhandlung bereits als Video gezeigt worden.

Warum Ernst sich nun wieder zur Tat bekennt, war zunächst unklar. Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel die Angeklagten zu einem Geständnis aufgefordert: „Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich“, sagt er. Ein frühzeitiges und von Reue getragenes Geständnis helfe immer.

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Ursprungsmeldung: Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan E. ausgesagt, den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgegeben zu haben. „Ich habe geschossen“, sagte E. vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main. E. hatte bereits kurz nach seiner Festnahme die Tat gestanden, das Geständnis aber dann widerrufen und seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H. beschuldigt.

Frankfurt/Kassel - Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird an diesem Mittwoch erneut eine Aussage des Hauptverdächtigen Stephan Ernst erwartet. Der mutmaßliche Täter hatte bereits in zwei Vernehmungen unterschiedliche Angaben zur Tat gemacht. Sein Ex-Verteidiger, dem die Pflichtverteidigung in der vergangenen Woche entzogen wurde, hatte ausführliche Aussagen angekündigt. Ob es dabei bleibt, ist unklar.

Der Deutsche Ernst soll den CDU-Politiker 2019 aus rechtsextremistischen Motiven erschossen haben. Er muss sich seit Juni vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt verantworten. Der zweite Angeklagte, Markus H., wird der Beihilfe beschuldigt. Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsmaßnahmen statt. Wegen der Corona-Pandemie wurde zudem die Zahl der Besucher und Prozessbeobachter begrenzt.

Was Ernst nach seiner Festnahme geschildert hatte, war widersprüchlich. Zuerst legte er vor Kriminalpolizisten ein ausführliches Geständnis ab. Darin berichtete er, wie er immer wieder allein zum Grundstück Lübckes gefahren war, den er in der Mitverantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen im Regierungsbezirk Kassel und für islamistische Anschläge sah. Im Juni 2019 habe er dann Lübcke vor dem Wohnhaus des Politikers erschossen.

Dieses Geständnis hat Ernst widerrufen. Stattdessen schilderte er, wie er mit H. zu Lübckes Wohnhaus fuhr. Sie hätten den Politiker nur einschüchtern und bedrohen wollen. Der Schuss habe sich dann versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe. Beide Geständnisse von Ernst sind in der Verhandlung bereits als Video gezeigt worden.

Ernsts früherer Pflichtverteidiger, Frank Hannig, der noch die Aussage seines Mandanten für diesen Mittwoch angekündigt hatte, legte inzwischen Beschwerde gegen seine Abberufung ein. Das OLG Frankfurt leitete diese dem Bundesgerichtshof (BGH) zu. Ernsts anderer Pflichtverteidiger, der Kölner Anwalt Mustafa Kaplan, hatte die Abberufung damit begründet, dass das Vertrauensverhältnis seines Mandanten zu dem Anwalt dauerhaft zerstört sei. (dpa)

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