Ausschau halten nach Kundschaft: Ralph Glück am Eingang seiner "Spielzeugkiste".
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Ausschau halten nach Kundschaft: Ralph Glück am Eingang seiner "Spielzeugkiste".

Bahnhofstraße

Karben: Geschäfte leiden unter Baustelle - Aussichten sind düster

Die Bahnhofstraße in Groß-Karben hat schon bessere Tage gesehen. Ein paar Dienstleister versuchen dem Niedergang zu trotzen. Alle haben wegen der Dauerbaustelle einen schweren Stand.

Karben - Die Aussichten sind eher düster: Bis mindestens November rattern weiter die Maschinen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, muss sich erst noch zeigen. Viele Karbener Geschäftsleute sehen sich derzeit in einer Existenzkrise, die nur bedingt etwas mit Corona zu tun hat.

Die Modeboutique von Alexandra Groß befindet sich direkt gegenüber der Baustelle. Beim Blick aus dem Schaufenster nach draußen herrscht Alarm. Gerade werden die Hauptkanäle erneuert. Das Führerhaus eines Baggers scheint der Glasscheibe bedrohlich nahe zu kommen. "Fragt sich dann halt nur, wer die Scheibe bezahlt", bemerkt die Inhaberin relativ gleichgültig. Man merkt ihr dennoch an, dass sie von der gegenwärtigen Situation genervt ist.

Ein paar Stammkunden bleiben ihr noch, gleichzeitig geht der Umsatz aber gegen null. Durchhalten heißt die Parole. "Die Baustelle hat nicht nur meine Situation verschlimmert, sondern auch die der anderen Läden", prangert Alexandra Groß an. "Die Bahnhofstraße ist längst totes Gelände. Um die Baustelle herum gibt es nur noch drei Geschäfte. Ich habe Glück, dass ich in meinem eigenen Haus keine Ladenmiete zahlen muss. Anderen ergeht es da schlechter." Was sie besonders aufregt, ist das Tempo, mit dem die Arbeiten voranschreiten. Man solle doch im Interesse aller schauen, dass es zügig fertig wird und nicht kleckerweise.

Ralph Glücks Schreib- und Spielwarenladen "Spielzeugkiste" liegt nicht in unmittelbarer Nähe zur Baustelle. Trotzdem spürt auch er die Konsequenzen der Sperrung zwischen Heldenberger- und Christinenstraße empfindlich.

Der Fachverkäufer behauptet sogar, die Auswirkungen seien noch drastischer als das, was Corona bisher wirtschaftlich bei ihm angerichtet habe. Seit einem Jahr gibt es seinen Laden in Groß-Karben. In den ersten Wochen und Monaten gehe es vor allem darum, bekannt zu werden, in die Köpfe der Leute zu kommen. "Das geht nur, wenn man Freundlichkeit und Kompetenz vermittelt", weiß Glück, der in Heldenbergen einen zweiten Laden betreibt.

"Man muss seine Sache einfach gut machen, dann kann man überall mit einem Geschäft erfolgreich sein." Zurzeit steckt er jedoch in einer Misere und muss viel privates Geld investieren.

Bis Ende des Jahres werden die Probleme wohl nicht weniger werden. Die Straßensperrung kann nur über die Nordumgehung umfahren werden. Durch das Nadelöhr im Herzen Groß-Karbens kommt niemand mehr. Nun will die Stadt Karben auf die Lage in der Bahnhofstraße reagieren. Eine Werbeoffensive auf Facebook läuft in diesen Tagen an. Jeden Montag soll ein Geschäft näher vorgestellt werden. Den Auftakt hat die "Spielzeugkiste" gemacht. "Die Stadt möchte zur Unterstützung künftig verstärkt die sozialen Internet-Plattformen nutzen. Bürgermeister Rahn hat mir das in einem persönlichen Gespräch erläutert", erzählt der Geschäftsinhaber.

Die Hoffnung entlang der Bahnhofstraße stirbt also zuletzt. Natürlich hätten kleine Geschäfte einem Versandriesen wie Amazon nicht viel entgegenzusetzen. Was sie aber in die Waagschale werfen können, sind Kundennähe und Beratung. Und es gibt doch Kunden, die bereit sind, dafür etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen. "Ich unterstütze gerne die kleinen Läden vor Ort", sagt eine Kundin. Sie ist auch nicht enttäuscht, als ihr gesuchtes Produkt erst noch bestellt werden muss. Dann müsse sie eben wieder einmal "ums Dorf fahren". In Karben sei das ja nichts Neues mehr.

Ein positives Signal kommt von Sabine Brauburger. In ihr "Fellnasen-Paradies" kommen Kunden nur nach vorheriger Terminabsprache, es gibt keine Laufkundschaft. Von der Baustelle merke sie nichts, verrät die Hundepflegerin. "Im Gegenteil, die Nachfrage habe nach den Lockerungen eher zugenommen."

Jürgen Schenk

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