Foto: Uwe Zucchi/dpa

Mercedes fährt in Karnevalsumzug – 52 Verletzte in Volkmarsen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Volkmarsen - Im nordhessischen Volkmarsen ist bei einem Rosenmontagszug ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Am Dienstagmorgen korrigierte die Polizei die Zahl der Verletzten noch einmal deutlich nach oben.

Insgesamt seien 52 Menschen bei dem Vorfall zu Schaden gekommen. 35 Personen befänden sich noch in Krankenhäusern, 17 Verletzte konnten nach ambulanter Behandlung bereits entlassen werden. Unter den Opfern befinden sich auch 18 Kinder. Dies teilte die Polizei Nordhessen in eiem Twitter-Beitrag mit.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Das teilte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle, am Montag mit. Zum Motiv könne man nichts sagen: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Zuvor hatte es zu den Hintergründen zum Teil widersprüchliche Angaben gegeben.

Henning Hinn vom Polizeirevier Südwest im Polizeipräsidium Nordhessen hatte gesagt: „Wir gehen nicht von einem Anschlag aus. Wir gehen von einem vorsätzlichen Tatgeschehen aus.“ Reiner Lingner vom Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel sagte dagegen „Welt“: Zur Intention könne man noch keine Angaben machen. Man wisse immer noch nicht, wie es zu dem Zwischenfall gekommen sei - ob es sich um einen medizinischen Notfall, ein technisches Versagen oder Absicht gehandelt habe.

29-jähriger Fahrer: „Bald stehe ich in der Zeitung“

Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat lagen aber nicht vor. Das hessische Innenministerium schloss einen Anschlag nicht aus. Ein Sprecher der Behörde begründete das am Montag mit der Situation vor Ort.

Medien- und Augenzeugenberichte, wonach der Tatverdächtige stark alkoholisiert war, konnten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Eine Nachbarin sagte zu RTL: „Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen und sagte, „bald stehe ich in der Zeitung“.“

Festgenommener stammt aus Volkmarsen

Der Fahrer wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft festgenommen, ist deutscher Staatsbürger, 29 Jahre alt und kommt aus Volkmarsen. Er habe Verletzungen erlitten und soll einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, sobald sein Gesundheitszustand dies zulasse.

Die Polizei war nach dem Vorfall mit einem großen Aufgebot vor Ort. Es wurde umgehend eine „Besondere Aufbauorganisation“ im Polizeipräsidium Frankfurt eingesetzt, von dort wird die Lage geführt. Aus Sicherheitsgründen sollten am Montag keine weiteren Faschingsumzüge in Hessen mehr stattfinden. Die polizeiliche Präsenz wurde landesweit verstärkt.

Auch am Dienstag hat der Vorfall in Volkmarsen Folgen für die Fastnachtsumzüge: Zwei Umzüge im Main-Kinzig-Kreis (Brachttal-Hellstein und Mittel-Gründau) sowie der Umzug in Waldeck-Frankenberg und der Kinderumzug in Fritzlar fallen aus. Eine Absage in ganz Hessen sei laut dpa-Informationen aber noch offen. Das LKA werde in Absprache mit den Veranstaltern der Umzüge zeitnah eine Entscheidung treffen.

Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften im Rathaus

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) sagte: „Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt.“ Im Rathaus sei ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet worden, das bis Dienstag geöffnet bleibe.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich betroffen und sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. „Ich bin schockiert über diese schlimme Tat, durch die viele unschuldige Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind. Ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden und wünsche allen eine schnelle und vollständige Genesung.“

HNA: Mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast

Die Zeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gab es dazu keine Angaben.

Ein Zeuge berichtete laut "Bild"-Zeitung, erboste Menschen seien am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen, die Polizei habe ihn schützen müssen. Laut dem Vorsitzenden der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, Christian Diste, hatten an dem Umzug 700 Personen in 27 Gruppen teilgenommen.

Polizei setzt Drohnen in Mainz ein

Die Polizei in Mainz teilte mit, dass sie nach dem Vorfall nun Drohnen für den Bereich an den Zufahrtsstraßen und Rändern des Veranstaltungsraumes einsetze, um auffällige Fahrzeugbewegungen frühzeitig zu erkennen. Die Polizei will indes ein Hinweisportal einrichten.

Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiteten, teilte die Polizei Nordhessen auf Twitter mit. Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt.

Bereits am Sonntag Zwischenfall in Volkmarsen

Bereits am Sonntag hatte es nach Angaben der örtlichen Feuerwehr einen Zwischenfall bei einer Karnevalsveranstaltung in einer Halle in Volkmarsen gegeben: Wegen eines Feueralarms seien der Veranstaltungsort geräumt und der betroffene Bereich kontrolliert worden.

Das schrieb die Feuerwehr auf Facebook. Der Grund für den Alarm sei nicht feststellbar gewesen, anschließend sei die Veranstaltung nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt worden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt, ist unklar./ sar, akh, dpa

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