... und in marokkanischer Corona-Klinik. Fotos: Rutishauser
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Eigentlich wollte er einen Motorradtrip machen. Jetzt sitzt ein 41-Jähriger Mann aus Münster seit Mitte März in einem kleinen marokkanischen Dorf fest.

„Zurück nicht ohne mein Motorrad“

Corona-Lockdown: Mann aus Münster sitzt in einem marokkanischen Dorf fest

Eigentlich wollte er einen Motorradtrip machen. Jetzt sitzt ein 41-Jähriger Mann aus Münster seit Mitte März in einem kleinen marokkanischen Dorf fest.

  • Mann aus Münster macht einen Motorradtrip nach Marokko
  • Dann kommt die Corona*-Krise und er sitzt seit mittlerweile über zwei Monaten in einem marokkanischen Dorf fest. 
  • Er könnte die Rückreise antreten - doch das will er nicht ohne sein Motorrad.

Münster/Qualidia – Eigentlich wollte er schon längst wieder von seinem ausgedehnten Motorradtrip zurück im Münsteraner Stadtteil Altheim sein, zu dem er am 3. Januar von seinem Heimatort Altheim aus in Richtung Afrika aufbrach. Doch sitzt Patrick Rutishauser seit 20. März im kleinen marokkanischen Dorf Qualidia fest: Corona und der Lockdown lassen den als Zwischenstopp geplanten Aufenthalt auf dem Land, rund 175 Kilometer südlich von Casablanca, „etwa länger“ als gedacht ausfallen. 

Wegen Corona gestrandet - Der Motorradtrip eines Hessen wurde ungewollt über Monate ausgedehnt

Bis mindestens 11. Juni gilt es wohl für den 41-Jährigen, in Afrika auszuharren, und dann folgt mit dem voraussichtlichen Ende des Lockdowns dort auch kein Rückflug, denn sein Motorrad möchte der Globetrotter nicht dort lassen.

1978 in Bayern geboren, kam Rutishauser schon als kleines Kind nach Hessen, ging in Altheim in den Kindergarten und dann in Münster zur Schule. Seine Abitur baute er in Dieburg, wo er auch den Zivildienst vor einem Magister-Studium an der Goethe-Uni in Frankfurt absolvierte. Er wohnte damals einige Zeit in Nieder-Roden, arbeitete dann mehrere Jahre als Sportredakteur in Darmstadt, um schließlich seinem Fernweh zu frönen. Als Backpacker ging der Entdeckungsfreudige auf Langzeit-Reise.

Private Gründe ließen ihn im vergangenen Jahr wieder zurückgekommen, seitdem lebt er wieder in Altheim. Der Onlineredakteur kündigte Ende vergagenen Jahres seinen Job in einem Hotel, um im Januar zum nächsten Abenteuer durchzustarten. Auf eigenem Motorrad, für das er seinen Führerschein erst vergangenes Jahr gemacht hat.

In Hessen geht es im Januar los: Dann stoppen ihn Corona und die Reisesperren auf dem Rückweg

Von Altheim aus ging es über Münster gen Frankreich, Andorra, Spanien und Gibraltar. Dort bestieg er mit seinem Zweirad Mitte Februar die Fähre nach Marokko. Der heiße Wüstensand, die Gebirge und der Orient lockten, schließlich kurvte der Traveller auch durch den marokkanischen Teil der Westsahara.

Dann – praktisch schon auf der Rückreise, stoppten den Reisenden die verhängten Ausgangs- und Reisesperren. Seitdem hängt er im Land fest. Ein Ausfliegen mithilfe der Bundesregierung kam des Motorrads wegen nicht infrage. Und nun wurde der Lockdown in Marokko noch einmal bis zum 11. Juni verlängert.

Doch weiß sich der Gestrandete seine Zeit gut zu vertreiben und auch mit seinen Freunden und mittlerweile vielen seine Erlebnisse Verfolgenden zu kommunizieren: Rutishausers Beschreibungen, Fotos und Videosequenzen im Reiseblog „Rutis Reisen“ finden immer mehr Anhänger.

Eine aufregende Reise: Mit abruptem Corona-Stop in Qualidia

Sie können verfolgen, wie der Altheimer über die Mittelmeerküste gen Orient knatterte, er sich in Marokko die „blaue Stadt“ Chefchaouen und die Metropole Fès anschaute. Und wie er als Fahranfänger sich seine Sporen in der Sahara verdiente.

„Auf zwei Rädern ist man einfach flexibler“, berichtet Rutishauser, der zwar mit leichtem Gepäck reist, aber genügend Werkzeug dabei hat, um für Pannen gerüstet zu sein. Seine Kenntnisse als Mechaniker indes waren glücklicherweise noch nicht allzuoft gefragt.

Von vielen Eindrücken berichtet er unserer Zeitung und den Lesern seines Reiseblogs. Auch dem Hessischen Rundfunk gab der Gestrandete ein Interview, in dem er von seinem außergewöhnlichen Trip berichtete. Zu lesen ist im Blog nicht nur von den Höhepunkten, wie etwa Lyon mit seinen römischen und mittelalterlichen Einflüssen, Gibraltar, Chefchaouen, der Sahara oder dem Surfer-Dorf Taghazout. Der Altheimer beschreibt seine „Gefühle auf dem Moped“ beim Offroad-Fahren, seine Erlebnisse beim wilden Campen, und eben dem abrupten Ende in Qualidia.

Patrick Rutishauser beim Start zum Afrika-Tripp in Altheim/Münster.

Dort lebt er nun mit anderen Leuten zusammen in einem angemieteten Haus. Er durchlief Tests in der örtlichen Coronaklinik, geht ab und zu einkaufen, kocht für sich oder mit den Nachbarn – und das war es dann auch schon. Im Hinterland mit dem Motorrad kann er nicht herumfahren, da es verboten ist. Im Ort wird zwar nicht so streng kontrolliert, doch geht er nur für Einkäufe vor die Tür: „ In die meisten Geschäfte darf man ohnehin nicht reingehen, Restaurants und Hotels sind zu. Ich habe eine Genehmigung fürs Einkaufen und Maskenpflicht herrscht auch.“

Wegen Corona in Marokko gestrandet: Mitte Juni soll die Rückreise für den Hessen und sein Motorrad möglich sein

Am meisten vermisst er die Freiheit zu tun, wonach ihm ist. Und er hätte gern wieder mal heimische Gerichte auf dem Teller. Alternativ erfreut er sich an arabischer Küche und CousCous: „Ansonsten ernähre ich mich von Suppen, Minztee und vielen Teigprodukten.“

Bis zum 11. Juni, dem angekündigten Lockdown im fernen Marokko, wird das wohl auch so weiter gehen. Und dann hofft Rutishauser, sich auf sein Motorrad schwingen und gen Altheim cruisen zu können.

Viele sind bei Reisen während der Corona-Zeit irgendwo auf der Welt gestrandet. So sitzen die Darmstädterin Lisa Hager und ihr Mann seit der Corona-Krise auf den Philippinen fest. Die Rückholaktion der Deutschen Botschaft blieb für sie erfolglos.

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