Nach tödlicher Attacke auf Mann: Wurde der Elefant absichtlich rausgelassen?

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Buchen - Nach der tödlichen Elefantenattacke auf einen Spaziergänger am frühen Samstagmorgen in Buchen im Odenwald ermittelt die Polizei, wie das Tier überhaupt entlaufen konnte. „Der Elefant kann sich nicht selber rauslassen. Also bleibt: Wurde er rausgelassen oder war er nicht richtig eingesperrt?“, sagte ein Polizeisprecher. Entweder es handele sich um Absicht oder um Nachlässigkeit.

Die Polizei ermittelt bereits wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Die Elefantenkuh „Baby“ war am Samstag in Buchen im Odenwald aus ihrem Zelt ausgerissen und hatte einen 65-jährigen Spaziergänger am frühen Morgen angegriffen. Der Mann war nach Polizeiangaben sofort tot. Wie das Tier aus dem Zelt kam, war weiter unklar. Der 34-jährige Afrikanische Elefant war laut Polizei zwar nicht angekettet, aber von einem Elektrozaun umgeben. Elefantenzelt unbeschädigt: Polizei geht von Absicht oder Nachlässigkeit des Zirkus aus! Die Ehefrau des getöteten Spaziergängers sagte der Polizei, ihr Mann sei wie üblich gegen 5 Uhr aufgestanden und spazieren gegangen, um Pfandflaschen und Dosen einzusammeln. Als er nicht zur gewohnten Zeit zurückkehrte, machte sie sich auf die Suche nach ihm. In der Nähe des Zirkusses sah sie mehrere Streifenwagen, dort fand sie dann ihren toten Mann. Der Vorfall war von einem Anwohner beobachtet und der Polizei gemeldet worden. Der Zirkus gastiert in rund 100 Metern Entfernung vom Fundort der Leiche. Ersten Ermittlungen zufolge war das Zelt, in dem die Elefantenkuh untergebracht war, unbeschädigt. „Der Elefant kann sich nicht selber rauslassen. Also bleibt: Wurde er rausgelassen oder war er nicht richtig eingesperrt?“, sagte ein Polizeisprecher. Entweder es handele sich um Absicht oder um Nachlässigkeit. Polizei bestätigt Angrife in der Vergangenheit – Zirkus schweigt zu Vorwürfen Fraglich bleibt auch, warum das Tier in Rage geriet. Der Elefant heißt „Baby“, trägt aber laut Polizei auch den Namen „Benjamin“. Es handelt sich nicht um den ersten Angriff des Tiers auf Menschen. Die Polizei bestätigte Vorfälle in der Vergangenheit, wollte aber keine Details nennen. „Wir wissen von zwei Vorfällen mit Verletzten, aber jeder stellt sie anders dar“, sagte ein Sprecher. Dies werde in die Ermittlungen einfließen. Der Zirkus wollte sich nach Angaben der Polizei nicht zu der Attacke äußern. Laut Akten und Zeugenbeschreibungen hat der gleiche Elefant bereits 2010 in Leutkirch im Allgäu einen 24-jährigen Mann in die Luft geschleudert, der seinen neun Monate alten Sohn auf dem Arm trug. Der Mann verlor eine Niere, das Kind brach sich das Bein.

2012 brach der Elefant demnach einem 12-jährigen Jungen in Burladingen im Zollernalbkreis mit dem Rüssel den Kiefer. Tierschützern zufolge verletzte die Elefantenkuh bereits 2000 in Nordhessen eine Frau so schwer, dass sie ins Krankenhaus musste. Laut Polizei war dem Besitzer jedoch bislang kein strafbares Verhalten vorzuwerfen. Tierschützer wiesen mehrmals auf Verfehlungen des Zirkuses hin Die Tierschutzorganisation Peta hatte den Zirkusbetreibern in der Vergangenheit mehrfach nicht artgerechte Haltung vorgeworfen. „Die Tiere werden für die Dressur geschlagen und gequält“, kritisiert Peta-Wildtierexperte Peter Höffken. „Alle 50 Zirkuselefanten, die es noch in Deutschland gibt, sind tickende Zeitbomben.“ Peta fordert ein grundsätzliches Wildtierverbot im Zirkus.

Nach dem Unglück in Buchen hatte ein Zirkus-Mitarbeiter den Elefanten beruhigt und ins Zirkuszelt zurückgebracht. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden alle geplanten Vorstellungen des Zirkus in Buchen abgesagt, der Zirkus wolle die Stadt verlassen. Die Elefantenkuh soll nun in einen Tierpark kommen. Zuerst hieß es, das Tier soll im Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen ein neues Zuhause finden. Der Zirkusbetreiber habe sich aber am Sonntag anders entschieden, sagte ein Polizeisprecher. „Es geht aber in einen anderen Park“, sagte ein Sprecher. Den Namen des Parks wollte der Beamte nicht nennen. „Sonst geht es dort ab mit den Tierschützern.“ / js, dpa

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