800 neue Lehrer für Flüchtlinge: Aber woher sollen die in Hessen kommen?

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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WIESBADEN - Der Aktionsplan der Landesregierung sieht 800 neue Lehrerstellen für die Flüchtlingshilfe vor. Was nach einer frohen Botschaft klingt, bringt aber auf den zweiten Blick einige Tücken mit sich: Wo und wie sind die Pädagogen auf die Schnelle zu finden?

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat eine breite Rekrutierungskampagne gestartet, um die 800 zusätzlichen Lehrerstellen für die intensive Sprachförderung von Flüchtlingen an Hessens Schulen besetzen zu können. „In dieser Woche sind etwa 10.000 Briefe rausgegangen“, sagte Lorz. „Und die Resonanz ist erfreulich hoch. Das Telefon steht bei uns nicht mehr still.“ Es bleibe zwar noch viel Arbeit bis die Stellen tatsächlich besetzt sind. „Aber wir haben offenbar einen großen Pool an Interessenten, auf den wir zurückgreifen können.“

Bei der Kampagne hat das Ministerium vor allem drei Gruppen angesprochen: Alle Lehrkräfte, die in einem sogenannten Ranglistenverfahren sind. Dazu zählen Pädagogen, die sich beworben haben, aber bislang auf diversen Listen stehen und noch nicht genommen worden sind. Vorrangig sollen Lehrer auf Planstellen fest verpflichtet und für den Unterricht Deutsch als Zweitsprache weiterqualifiziert werden, erklärte der Minister. Es werde aber auch das Interesse an befristeten Beschäftigungen abgefragt.

Lorz erwartet kein Abebben des Flüchtlings-Zuzugs

Angeschrieben wurden laut Lorz zudem Studienreferendare, die noch auf einen Platz im Vorbereitungsdienst warten und Deutsch oder eine Fremdsprache auf Lehramt studiert haben. Die dritte Gruppe waren pensionierte Lehrer unter 67 Jahren. „800 Lehrer mit der Qualifikation Deutsch als Zweitsprache gibt es momentan einfach nicht mehr, weil sie überall händeringend gesucht werden“, begründete der Minister die breitgefächerte Kampagne.

Nach Einschätzung des Kultusministers ist nicht mit einem Abebben des Zuzugs von Flüchtlingen in Hessen in der nächsten Zeit zu rechnen. Mit den zusätzlichen 800 Lehrerstellen, die der Aktionsplan der Landesregierung vorsieht, würden die Schulen aber ein gutes Stück vorankommen. „Das wird den Bedarf bis auf Weiteres decken.“

40 Millionen Euro für Aktionsplan

Beobachtet werde, dass derzeit vor allem junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren und nicht so viele Familien nach Hessen kommen, sagte Lorz. Daher seien die zusätzlichen zehn Millionen Euro für die Intensivsprachförderung der 18- bis 21-Jährigen besonders wichtig. Flüchtlinge in diesem Alter haben eigentlich keine Schulpflicht mehr und sind auch nicht berufsschulberechtigt.

Die 800 Lehrerstellen entsprechen nach Angaben des Ministers etwa 12.500 Plätzen in den Schulen. Zu je einem Drittel teilen sich die Plätze in allgemeinbildende, berufliche Schulen für Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren und der Gruppe der 18- bis 21-Jährigen in Lerngruppen an beruflichen Schulen und Schulen für Erwachsene auf. Insgesamt 40 Millionen Euro sollen nach dem Aktionsplan der Landesregierung in die Bildung und damit vor allem die Sprachförderung fließen. / dpa, sps

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