Schonzeit für Fuchs und Gans? Hessens Jäger gehen auf die Barrikaden

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Frankfurt/Wiesbaden - Erregte Diskussion über die Jagd: Füchse sollen in Hessen Schonzeiten bekommen, andere Tiere gar nicht mehr bejagt werden. Der Jagdverband sieht „urbane Schreibtischökologe“ am Werk. Naturschützern geht der Entwurf einer neuen Verordnung nicht weit genug.

Füchse erobern die Städte, obwohl sie zu den am stärksten verfolgten heimischen Tieren gehören. Bisher gelten für die Jagd auf sie nur wenige Beschränkungen – eigentlich nur in der Zeit, in der sie Junge aufziehen, um dem Nachwuchs die Eltern nicht zu nehmen. Erstmals soll es in Hessen nun eine Schonzeit für Füchse geben. Nach dem Entwurf einer neuen Verordnung, die Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) vorbereitet hat, dürfen erwachsene Tiere künftig nur noch vom 15. August bis zum 31. Januar erlegt werden.

Für Jäger wäre das eine Zeitenwende, denn sie waren bisher immer dazu aufgerufen, möglichst viele Füchse zu schießen, weil sie als Überträger der gefährlichen Tollwut gefürchtet waren. Das ist aber vorbei, denn seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei. Die Tollwutgefahr war aus Sicht der Jäger jedoch nur ein Argument: Ohne intensive Fuchsbejagung werde auch die Zahl der Feldhasen zurückgehen, meint der Landesjagdverband. In der vergangenen Saison wurden in Hessen nach seinen Angaben 34.600 Füchse erlegt und knapp 3500 bei Verkehrsunfällen getötet.

„Urbane Schreibtisch-Ökologen“ am Werk

Auch die Jagd auf andere Tiere soll eingeschränkt oder ganz eingestellt werden. Dagegen laufen die Jäger Sturm. „Der Jagdverordnungsentwurf des Wiesbadener Umweltministeriums stellt einen Frontalangriff auf das Jagdrecht und den Natur- und Artenschutz dar“, kritisierte Verbandspräsident Jürgen Ellenberger in einer Mitteilung. Er sieht „urbane Schreibtisch-Ökologen“ am Werk, die von den natürlichen Abläufen in Wald und Feld keine Ahnung hätten, sondern von Ideologie geleitet seien. Für den Samstag hat der Jagdverband zu einer Demonstration in Wiesbaden aufgerufen.

Graugänse sollen gar nicht mehr bejagt werden. Das sei angesichts der Explosion der Bestände nicht nur unverständlich, sondern schädlich, kritisiert der Landesjagdverband. „Ganze Gänsescharen verkoten Badeseen, Freibäder und Parks, verdrängen andere Wasservögel und fressen Getreidefelder kahl. Überdüngte Binnengewässer kippen in der Sommerhitze um“, sagte Jägerpräsident Ellenberger. Die Zahl der erlegten Graugänse lag zuletzt landesweit bei 745. Sie seien durch die Jagd zwar nicht gefährdet, aber Schäden in der Landwirtschaft seien nicht dokumentiert, erwidert Mark Harthun vom Naturschutzbund Hessen (Nabu).

Nabu fordert auch das Ende der Jagd auf Hasen

Auch Baummarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel, in Jägerkreisen als Raubzeug bezeichnet, sollen künftig komplett von der Jagd verschont werden. Das bringe Bodenbrüter wie Rebhuhn, Lerche, Kiebitz und Wachtel in Gefahr, meinen die Jäger.

Dabei sind gerade diese Arten in der Jagdbilanz nicht sehr stark vertreten: In der vergangenen Saison wurden in Hessen nach Angaben des Jagdverbandes 87 Baummarder erlegt und 72 bei Unfällen getötet, 90 Iltisse und 173 Hermeline wurden erlegt, und rund 25.000 Rabenkrähen und Elstern wurden zur Strecke gebracht. Die Zahlen zeigten, dass die kleinen Raubtiere beim Rückgang seltener Arten nicht entscheidend seien, sagt Nabu-Experte Harthun.

Dem Nabu geht der Entwurf des Ministeriums nicht weit genug. „Uns reicht das nicht“, sagt Harthun. Auch die Jagd auf die selten gewordenen Hasen sollte nach seiner Ansicht eingestellt werden. Und „die Jagd auf Vögel macht keinen Sinn“. Es sei bedauerlich, dass die Diskussion so polemisch geführt werde, die Wortwahl von Präsident Ellenberger vergifte die Atmosphäre. „Letztlich geht es um die Macht im ländlichen Raum“, meint Harthun.

In die Erarbeitung der neuen Verordnung seien alle relevanten Interessenvertreter seit Monaten eingebunden, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Die Frist für ihre Einwände sei bis zum 28. September verlängert worden. Änderungsanträge würden geprüft. Das Ziel sei, die Verordnung bis Ende 2015 in Kraft zu setzen. Eine Abstimmung im Landtag sei dazu nicht nötig.

Das könnte Sie auch interessieren