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Er ist möglicher Nachfolger von Volker Bouffier: Wer ist Boris Rhein?

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Von: Christiane Warnecke

Der hessische Landtagspräsident Boris Rhein gilt als möglicher Nachfolger für Ministerpräsident Volker Bouffier.
Der hessische Landtagspräsident Boris Rhein gilt als möglicher Nachfolger für Ministerpräsident Volker Bouffier. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Ära Bouffier geht bald zu Ende und Hessen braucht einen neuen Ministerpräsidenten. Laut Medienberichten ist der Nachfolger der Frankfurter Boris Rhein.

Frankfurt – „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“, der beliebte Mutmach-Spruch symbolisiert die Karriere von Boris Rhein wie kaum ein anderer. Sollten sich Berichte des Hessischen Rundfunks an diesem Freitag (25.02.22) bestätigen, wird es der amtierende Landtagspräsident sein, der als Nachfolger von Volker Bouffier* Hessischer Ministerpräsident wird.

Das wäre die Krönung der Karriere des 50 Jahre alten Frankfurters – eine Entwicklung, die zehn Jahre zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Bis dahin wurde der Frankfurter zu den großen Hoffnungsträgern der CDU in Hessen* gezählt. Zunächst in der Kommunalpolitik, dann als Staatssekretär und später als Hessischer Innenminister präsentierte sich Rhein als konservativer Hardliner.

Boris Rhein: Nach verlorener OB-Wahl möglicher Nachfolger Bouffiers

2011 kam dann seine große Chance: Die Christdemokraten stellten ihn als Nachfolger von Petra Roth im Rennen um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters auf. Was schien wie ein Selbstläufer, endete für Rhein im März 2012 wie auch für die CDU mit einer großen Enttäuschung: Er verlor gegen den damaligen Außenseiter Peter Feldmann von der SPD.

Danach musste sich Rhein von 2014 bis 2019 mit dem weniger bedeutenden Amt des Hessischen Wissenschaftsministers begnügen, bis das Amt schließlich nach der darauf folgenden Landtagswahl an die Grünen fiel.

Von diesem Moment an ging es wieder bergauf mit Rheins Karriere: Im Januar 2019 wurde er Landtagspräsident – ein protokollarisch hohes Amt, parteipolitisch aber eher weniger bedeutungsvoll. Doch Rhein schien in dieser Rolle seine Bestimmung zu finden: Er moderierte die Landtagssitzungen mit Humor, Durchsetzungskraft und Einfühlungsvermögen. Vor allem aber bot sich ihm eine überparteiliche Bühne, auf der er sich erfolgreich bewegte, sich Anerkennung auch außerhalb der CDU verdiente und sein Hardliner-Image ablegte.

Volker Bouffier: distanziertes Verhältnis zu möglichem Nachfolger Boris Rhein

Genau dieser Wandel könnte nun der ausschlaggebende Punkt dafür sein, dass er derjenige ist, der offenbar Bouffiers Nachfolge antreten soll. Der Machtwechsel innerhalb der laufenden Legislaturperiode setzt voraus, dass nicht nur die CDU, sondern auch jeder einzelne Abgeordnete des grünen Koalitionspartners Rhein zum Ministerpräsidenten wählt, regiert die Koalition doch mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme. Andere Bewerber, wie etwa der skandalumwobene Innenminister Peter Beuth wären bei den Grünen auf deutlich mehr Skepsis gestoßen.

So kann sich Bouffier bei seiner Empfehlung für einen Nachfolger keineswegs allein an seinen persönlichen Vorlieben orientieren. Zu Boris Rhein wird dem CDU-Chef sogar ein eher distanziertes Verhältnis nachgesagt. Doch in dieser schwierigen Ausgangslage kann der Frankfurter wohl als Kompromisskandidat sowohl innerhalb der CDU-Fraktion als auch bei den Grünen am ehesten überzeugen.

Boris Rhein war schon einmal Nachfolger von Volker Bouffier

Rhein begann seine politische Karriere früh. Nach Ämtern in der Kommunalpolitik zog er mit 27 Jahren erstmals in den Hessischen Landtag ein. Sieben Jahre später kehrte er als Rechtsdezernent zur Stadt Frankfurt* zurück. 2009 wurde er dann Staatssekretär im Hessischen Innenministerium. Von dieser Position aus trat er schon einmal Bouffiers Nachfolge an: Als der damalige Ministerpräsident Roland Koch 2010 das Staffelholz an seinen „Kronprinzen“ Volker Bouffier übergab, folgte Rhein diesem auf den Chefsessel des Innenministeriums. Boris Rhein ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Offiziell wird Ministerpräsident Bouffier sich an diesem Freitag bei einer Klausurtagung der hessischen CDU in Fulda zu seinen Zukunftsplänen äußern. Nach den Berichten des Hessischen Rundfunks soll die Amtsübergabe an Rhein bis zum Sommer erfolgen.(Christiane Warnecke) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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