Die „Whisky-Wodka-Linie“: Spektakulärer Dorftausch zwischen Hessen und Thüringen vor 70 Jahren

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Geisa - Um eine Bahnstrecke, die auf wenigen Kilometern auf sowjetisch besetztem Gebiet verlief, vollständig nutzen zu können, tauschten die Amerikaner mit den Sowjets kurzerhand einige Dörfer zwischen Hessen und Thüringen aus. Das Abkommen wurde mit dem Austausch jeweils einer Flasche Whisky und Wodka besiegelt.

Von der Staatsmacht abgerissene Höfe und Häuser, Enteignungen und Zwangsumsiedlungen – das DDR-Regime verfuhr an der Grenze ohne Rücksicht auf Verluste. Jahre bevor sich der Eiserne Vorhang immer weiter schloss, wurden zwischen West und Ost sogar Dörfer getauscht. Die amerikanischen und sowjetischen Besatzungsmächte unterzeichneten dazu am 17. September 1945 das Wanfrieder Abkommen. Fortan gehörten fünf hessische Dörfer zur sowjetischen Besatzungszone: Sickenberg, Asbach, Vatterode, Weidenbach und Hennigerode. Neuseesen und Werleshausen hingegen wechselten von Ost nach West.

Abkommen auch nach 1990 nicht aufgehoben Der Grund für den Gebietstausch: Die Bahnstrecke im Westen von Bebra nach Göttingen, die der US-Besatzungsmacht als Nachschublinie diente, führte über gut vier Kilometer durch sowjetisches besetztes Gebiet. Um daraus für die Amerikaner entstandene Komplikationen beizulegen, wurde eine Grenzkorrektur vorgenommen. Da im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung auch je eine Flasche Whisky und Wodka als Symbol der beteiligten Länder getauscht wurden, wurde die Bahnlinie scherzhaft „Whisky-Wodka-Linie“ genannt. Die Gründung der DDR und die Errichtung der Grenzsperranlagen zementierten die vertauschten Zugehörigkeiten der Ortschaften. Auch nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das Abkommen nicht rückgängig gemacht. Die ehemals hessischen Dörfer gehören heute immer noch zu Thüringen, die ehemals thüringischen sind bis heute hessisch. /dpa, len

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