Foto: Stadt Hünfeld

Abschiedsinterview mit Bürgermeister Stefan Schwenk – „Stehe noch unter Strom“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Hünfeld - Sechs Jahre lang war Stefan Schwenk (59) Bürgermeister in Hünfeld. Am Mittwoch wurde er verabschiedet. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er darüber, wie ihn das Amt verändert hat und wie sein Leben künftig aussehen wird.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Ehrlich gesagt habe ich in der aktuellen Situation wenig Gelegenheit, darüber nachzudenken. Natürlich ist beim Abschied auch viel Wehmut dabei, aber es gibt jetzt ganz einfach Wichtigeres, das mich bis zu meinem letzten Amtstag fordert.

Welches war die größte Herausforderung? Wo stießen Sie an Ihre Grenzen?

Zu den größten Herausforderungen gehörte die Neujustierung der komplexen Vertragswerke mit Hochwald, aber auch die Modernisierung unserer Verwaltung. Das steht auch im Zusammenhang mit einer personellen Neuaufstellung, da einige Leistungsträger in absehbarer Zeit die Altersgrenze erreichen werden.

Wo ich gerne noch weitergekommen wäre, ist in der Frage der Einzelhandelsentwicklung. Da gab es schon sehr weit gediehene Konzepte, die dann nicht umgesetzt werden konnten. Da werden die Gremien und mein Nachfolger in den kommenden Jahren sicher sehr gefordert sein.

Wie hat das Amt Sie verändert?

Bürgermeister zu sein, ist ein Fulltime-Job, in der Regel sieben Tage die Woche und 60 oder 70 Stunden, mitunter sogar mehr. Ich habe gelernt, mit meiner äußerst knappen privaten Zeit besser hauszuhalten und sie intensiver zu nutzen, als ich das vorher getan habe. Sonst wären Freundschaften noch schwerer aufrechtzuerhalten gewesen.

Viele Kommunalpolitiker beklagen sich über einen raueren Umgangston der Bürger. Haben Sie auch solche Erfahrungen gemacht?

Ehrlich gesagt, sind mir solche Erfahrungen glücklicherweise überwiegend erspart geblieben. Wir haben auch einige konfliktträchtige Themen abgeschafft, denken Sie an die Abschaffung der Straßenbeiträge. Da ging es für manche Bürger schon an die wirtschaftliche Existenz.

Was mir allerdings Sorge macht, ist der insgesamt gedankenlosere Umgang mit Mitmenschen, beispielsweise in den sozialen Medien. Wenn die gegenwärtige Krise etwas Gutes hat, dann vielleicht, dass so manche mal ihr Verhalten überdenken.

Sie haben sich aus gesundheitlichen Gründen gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Ehrlich gesagt, stand und stehe ich gegenwärtig noch so unter Strom, dass ich mir darüber weniger Gedanken machen konnte. Als ich die Entscheidung damals nach zähem inneren Ringen unter Einbindung der Familie und der engsten Freunde getroffen habe, stand für mich die Frage im Raum, ob ich eine zweite Amtszeit ohne gesundheitliche Probleme zu Ende bringen könnte. Das konnte ich gesichert nicht bejahen.

Mir ist gerade in den letzten Wochen nochmal bewusst geworden, dass es sich eine Stadt wie Hünfeld nicht leisten kann, wenn ein Bürgermeister über längere Zeit ausfällt.

Hätten Sie sonst gerne weitergemacht?

Meine Lebensplanung war, dieses Amt zwölf Jahre auszufüllen. Das hat sich nun nicht ermöglichen lassen. Es war eine schwere Entscheidung, die mir aber etwas leichter gefallen ist, weil ich das Gefühl hatte, dass mit Benjamin Tschesnok ein geeigneter Nachfolger zur Verfügung steht.

Möchten Sie weiterhin politisch aktiv bleiben?

Diese Frage habe ich für mich noch nicht beantwortet. In jedem Fall werde ich mich zurückhalten und vorerst kein Mandat in Gremien der Stadt Hünfeld anstreben. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, einiges ehrenamtlich zu tun, zum Beispiel im Museum Modern Art, das mir sehr am Herzen liegt. Darüber werde ich mir nach meiner aktiven Zeit als Bürgermeister Gedanken machen.

Wie wird Ihr zukünftiges Leben sonst aussehen?

Für mich stand nie in Frage, dass ich mich nach einer kleinen Pause wieder beruflich engagieren will und dabei nah mit und für Menschen arbeiten will. Deshalb freue ich mich ab dem 1. Juni auf meine Tätigkeit in der Kanzlei Muth & Partner in Fulda, wo ich als Rechtsanwalt Mandanten beraten und juristisch begleiten kann. Die Schwerpunkte werden dabei im Zivilrecht, in dem ich als Richter an Land- und Amtsgerichten mehr als 20 Jahre tätig war, sowie im Öffentlichen Wirtschaftsrecht liegen. Diese Materie hat mich die letzten sechs Jahre als Bürgermeister begleitet.

Haben Sie einen Tipp für Ihren Nachfolger?

Ich habe Benjamin Tschesnok als versierten, den Menschen zugewandten, engagierten und klugen Kommunalpolitiker und Volljuristen kennen und schätzen gelernt. Ich glaube, er braucht keine schlauen Ratschläge von seinem Amtsvorgänger. Wenn er allerdings Fragen hat und ihm meine Meinung wichtig ist, dann werden wir das im vertrauten Gespräch erörtern, so wie wir es die letzten Jahre auch gehalten haben.

Zur Person:

Der gebürtige Saarländer lebt mit seiner Familie seit 2001 in Hünfeld. Bevor Stefan Schwenk Bürgermeister wurde, arbeitete er als Amtsrichter in Bad Salzungen und war seit 2011 Vorsitzender der Hünfelder Stadtverordnetenversammlung. Der CDU-Mann trat sein Amt als Nachfolger von Dr. Eberhard Fennel am 1. April 2014 an. Er hatte sich bei der Bürgermeisterwahl mit 85,4 Prozent der Stimmen gegen einen Mitbewerber durchgesetzt. Schwenks letzter Tag als Hünfelder Bürgermeister ist am Dienstag, 31. März. / sam

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren