Symbolbild: Felix Kästle/dpa

Der Alltag drängt in den Unterricht: Wie Schulen in der Region mit aktuellen politischen Themen umgehen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Altkreis - Griechenland, Ukraine und die FIFA, die Abendlandverteidiger namens Pegida, die ungeahnte Zahl von Flüchtlingen und immer wieder Terror: Die Krisen, die das vergangene Jahr überschattet haben und sich auch 2016 nicht einfach wunderbarerweise auflösen, sind zahlreich. Können in diesen Tagen wenigstens die Schulen den jungen Leuten Orientierung bieten?

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Aktuelle politische Ereignisse finden „immer mal wieder“ Eingang in den Schulunterricht, berichtet Markus Bente, Schulleiter des Hünfelder Wigbertgymnasiums. Dieses Bedürfnis äußerten häufig auch die Schüler selbst, „und manchmal gehen ganze Schulstunden dafür drauf“.

Die Schüler reagierten, zum Beispiel nach der Silvesternacht in Köln und dem jüngsten Terroranschlag in Istanbul, „positiv unterstützend“. Bente erklärt: „Sie schließen sich nicht dieser ,Hysterie‘ an. Migranten werden nicht einfach unter Generalverdacht gestellt.“ Über diese Haltung und die „differenzierende Betrachtung“ freue er sich sehr. Derzeit gebe es an der Wigbertschule Überlegungen, wie Schüler mit Flüchtlingen in Kontakt kommen können, etwa über Nachhilfestunden. „So können sie die Menschen als Menschen kennenlernen und nicht als das, was unter den Begriff ,Asylbewerber‘ fällt“, so Bente.

Unter den Lehrern eher Unsicherheit

Hingegen seien im Kollegium derzeit Unsicherheit und „Ängstlichkeiten“ zu spüren, wenn es um Exkursionen und Fahrten in größere Städte geht. Eine Kollegin habe sogar eine Klassenreise nach Berlin aus Sicherheitsbedenken abgesagt. „Ich begrüße das im Grunde nicht“, sagt Bente vorsichtig, „denn das ist ja genau das, was die Terroristen wollen: dass wir Angst haben.“

Krisen, Kriege und ähnliche Ereignisse werden auch an der Lichtbergschule in Eiterfeld besprochen, „Immer dann, wenn es zeitlich passt und je nach Dimension der Vorkommnisse“, sagt Leiter Helmuth Herbst.

„Aktuelle Themen müssen in der Schule aufgegriffen werden“, unterstreicht ebenfalls Hubertus Reith, Schulleiter der Jahnschule in Hünfeld. Erst durch Hintergrundwissen, das mit realen Zusammenhängen verknüpft wird, könne Politik erfahrbar werden. „Dadurch erziehen wir unsere Schüler zu Kritikfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Partizipation und Meinungsfreiheit.“

Offener und kritischer Umgang nötig

Erst vor Kurzem habe ein Referendar eine Lehrprobe gehalten und über die Flüchtlingssituation gesprochen, erinnert sich Reith. Dabei hätten die Schüler viele Fragen gestellt. Der Schulleiter betont: „Wir müssen im Unterricht offen und kritisch über den Umgang mit Flüchtlingen sprechen.“ Jeder müsse das Gefühl haben, seine Meinung sagen zu dürfen. „Nur so können Schüler zu politischen Individuen werden, nur so kann man Politikverdrossenheit entgegenwirken.“

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