Freya Klier (links) und Ricarda Steinbach. / Foto: Hartmut Zimmermann

Autorin erinnert an die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rasdorf - Ein Querulant? Ein Märtyrer? Ein Verrückter? Heute vor genau 40 Jahren entfaltete Pfarrer Oskar Brüsewitz im DDR-Provinzstädtchen Zeitz Prostestplakate, übergoss sich dann mit Benzin und zündete sich an. Wenige Tage später starb er an den Folgen der Verbrennungen. Die Regisseurin und DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier erinnerte bei einer Lesung auf Einladung der Point Alpha Stiftung an den streitbaren Theologen.

Klier stellte ihrem Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Haus auf der Grenze Stationen der DDR-Geschichte und aus Brüsewitz‘ Leben vor. Für dessen Beschreibung in einem Buch für den Schulgebrauch hatte sie ausgiebig recherchiert. Im ostpreußischen Dorf Wischwill wuchs Brüsewitz, 1929 zur Welt gekommen, auf. Dort ging er zur Schule, wurde konfirmiert und begann dann – bereits während der Kriegsjahre – eine kaufmännische Ausbildung.

Die Flucht vor der Roten Armee ist der erste einer Reihe scharfer Brüche, die den Lebensweg von Oskar Brüsewitz prägen. Denn als sich die Familie nach Arbeitsdienst und kurzem Kriegseinsatz in Burgstädt bei Chemnitz wiederfindet, ist keine kaufmännische Ausbildung in Sicht: Oskar wird Schuhmacher. Und die Flucht geht weiter – bis nach Melle im Westen Niedersachsens. Eine erste, früh geschlossene Ehe zerbricht.

Der frisch geschiedene Schuhmachermeister geht zurück in die DDR. Kurz engagiert er sich in einer Freikirche, wechselt dann in die evangelische Landeskirche. Doch Brüsewitz eckt im SED-Staat öfters an. Zunehmend, nachdem er neben seiner Schuhmacherwerkstatt ein christliches Begegnungszentrum einrichtet. Die frommen Plakate passen nicht zum aggressiv-atheistischen Kurs der DDR. „Er mag ein anstrengender Zeitgenosse gewesen sein – kalt ließ er niemanden“, formuliert Klier. / zi

Freya Klier: Oskar Brüsewitz: Leben und Tod eines mutigen DDR-Pfarrers. Polymathes-Verlag Leipzig, 2013, 144 Seiten, 13 Euro.

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