Kritisieren die Alltagseinschränkungen: Die selbst ernannten „Freiheitsboten“ (Bildhintergrund) protestieren seit Wochen in Bad Hersfeld gegen die Corona-Politik. Die Polizei begleitet die Spaziergänge.
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Kritisieren die Alltagseinschränkungen: Die selbst ernannten „Freiheitsboten“ (Bildhintergrund) protestieren seit Wochen in Bad Hersfeld gegen die Corona-Politik. Die Polizei begleitet die Spaziergänge.

Spaziergänge in der Innenstadt

Corona-Proteste: Sogenannte Freiheitsboten stören Arbeit im Gesundheitsamt Bad Hersfeld massiv

Seit Wochen protestieren die „Freiheitsboten“ in der Bad Hersfelder Innenstadt mit Spaziergängen gegen die coronabedingten Alltagseinschränkungen. Laut Landrat Koch stören sie aber auch die Arbeit im Gesundheitsamt.

Bad Hersfeld - Die „Freiheitsboten“ wollen „auf friedliche Art und Weise die öffentliche Ordnung wiederherstellen“, wie zwei von ihnen vergangene Woche im Gespräch mit der „Hersfelder Zeitung“ angegeben haben. Ganz so friedlich scheinen einzelne der selbst ernannten „Freiheitsboten“ aber wohl doch nicht gestimmt zu sein.

Landrat Dr. Michael Koch (CDU) berichtet jetzt davon, dass sie das Gesundheitsamt „mit Anfragen überhäufen“, massiv in seiner Arbeit stören und „vehement auf schriftliche Stellungnahmen drängen“ würden. (Bleiben Sie hier mit unserem News-Ticker immer auf dem Laufenden: Corona in Hessen: Mehr als 4000 Menschen sind bereits geimpft, RKI meldet 129 weitere Todesfälle).

Proteste gegen Corona-Maßnahmen: „Freiheitsboten“ stören Arbeit im Gesundheitsamt Bad Hersfeld

Einer der „Freiheitsboten“ habe Adelheid Merle, der Leiterin des Gesundheitsamts, mehrfach mit einer Strafanzeige gedroht, mit dem Versuch, eine einstweilige Verfügung gegen sämtliche Lockdown-Maßnahmen auf Landkreisebene zu erwirken.

Landrat Koch: „Ich verwehre mich ausdrücklich gegen jegliche Angriffe gegenüber den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung, in diesem Fall der Leiterin des Gesundheitsamts.“ In einer Gesellschaft, die auf der freiheitlich- demokratischen Grundordnung fußt, könne jeder seine Meinung äußern, so der Landrat, „aber ich werde Beleidigungen und Nötigungen nicht dulden.“ Ohnehin würden immer häufiger und mit steigender Intensität Mitarbeiter des Gesundheitsamts sowie der Corona-Kontaktnachverfolgung während des Dienstes beschimpft.

Michael Koch: „Ich werde Beleidigungen und Nötigungen nicht dulden“

Koch verteidigt die Mitarbeiter, bezeichnet die Pandemie als Jahrhundert-Aufgabe. Dass Menschen, die sieben Tage in der Woche daran arbeiten, die Situation unter Kontrolle zu bringen, in ihrer Arbeit behindert würden und immer häufiger Beschimpfungen, Drohungen und persönliche Anfeindungen ertragen müssten, sei vollkommen inakzeptabel: „Alle Personen, die mit Nachdruck gegen die Alltagsbeschränkungen vorgehen, sollten einen Blick in die Intensivstationen unserer Krankenhäuser werfen oder mit persönlich Betroffenen sprechen. Die Fachkräfte in medizinischen und pflegerischen Berufen können das ein oder andere Vorurteil sicher schnell entkräften“, so der Landrat.

Der Landkreis werde sich auch durch einzelne Einschüchterungs- und Störversuche nicht davon abhalten lassen, die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft mit aller Kraft zu schützen. (jce)

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