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„Beten, dass das bald aufhört“ – Pater Vogt berichtet über den neuen Alltag im Bonifatiuskloster

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Die Corona-Pandemie ist auch für das Bonifatiuskloster der Oblaten in Hünfeld eine Herausforderung: Zu der Angst, dass das Virus in das Haus, das über eine Krankenstation verfügt, eingeschleppt werden könnte, kommen finanzielle Sorgen. Denn der Tagungs- und Seminarbetrieb steht seit rund vier Wochen völlig still.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Klöster sind ja an sich schon ein Ort der Stille und Ruhe – und in diesen Tagen noch viel mehr als sonst. „Wir haben natürlich einen großen Vorteil“, sagt Pater Karl Heinz Vogt, Hausoberer des Klosters, zu Beginn des Gesprächs. „Wir haben wenigstens ein großes Haus und einen schönen Park, in dem wir uns bewegen können.“

Denn ganz nach draußen, vor die Klosterzäune, gehen die Patres und Brüder so gut wie gar nicht mehr. „Die Angst, dass das Virus in unser Haus kommt, ist groß“, bestätigt Vogt. Die rund 40 Angestellten, die natürlich immer noch ein- und ausgehen, sind vorsichtig und treffen Vorkehrungen und tragen zum Beispiel schützende Masken.

Hauskommunion nur mit Mundschutz

Die Bewohner des Oblatenklosters sind meist älter und gehören alleine aus diesem Grund schon zur Risikogruppe. Hinzu kommt aber, dass es in dem Haus auch eine Krankenstation gibt. „Rund 20 Mitbrüder werden hier betreut“, berichtet Pater Vogt. Manche von ihnen könnten sich noch im Haus bewegen und zum Beispiel am normalen Essen teilnehmen. Manche werden hier aber ständig gepflegt. Ein Mitbruder auf der Krankenstation erhalte die Hauskommunion – „das geht zurzeit natürlich nur mit Mundschutz“, berichtet Vogt, der mit diesen Masken gerade nicht sehr glücklich ist: „Darunter schwitzt man nämlich ziemlich.“

Zudem leben Mitbrüder nebenan im Mediana St.-Ulrichheim: „Die können wir nun gar nicht mehr besuchen“, erklärt Vogt, dem es nicht leicht fällt, die momentane außergewöhnliche Situation zu beschreiben. „Zum einen hat gerade die Haus-Leitung Sorge – und wir hoffen, dass hier nichts passiert. Zum anderen haben wir jetzt auch viel Zeit, weil keine Leute im Haus sind.“ Er selbst könne nun in Ruhe an dem arbeiten, was er ansonsten nur zwischendurch erledigen konnte.

Kurzarbeit eine Überlegung

Doch das kann nicht darüber hinwegtrösten, dass das Bonifatiuskloster nun auch finanzielle Verluste verkraften muss. „Noch Anfang März hatten wir Hochbetrieb. Am 2. Fastensonntag waren 170 Leute hier.“ Danach ist es aber schnell ruhig geworden auf den weiten Fluren. Der Tagungsbetrieb ist komplett eingestellt, vieles müsse aber weiter finanziert werden. „Wir überlegen, für unsere Angestellten Kurzarbeit zu beantragen“, berichtet der Pater und fügt hinzu: „Wir wissen ja auch nicht, wann es weitergehen kann.“

Finanziell habe das Bonifatiuskloster zwar die Mitteleuropäische Provinz der Oblaten im Rücken, aber auch deren Unterstützung sei begrenzt. Natürlich habe man auch „das eine oder andere zurückgelegt“, doch auch das Hünfelder Haus könne die Einstellung des Tagungs- und Gästebetriebs nicht unbegrenzt verkraften. Zudem weist Vogt darauf hin, dass die Oblaten keinen Anteil an der Kirchensteuer erhalten.

Gottesdienste werden auf Youtube gezeigt

Die Stimmung im Kloster sei daher „schon ein bisschen bedrückend“, sagt Vogt. „Aber das teilen wir ja mit vielen anderen auch.“ Während der Feiertage werden alle Messen wie sonst auch gefeiert – gemeinsam mit etwa 20 Brüdern, die noch daran teilnehmen können. Die anderen Oblaten können – wie auch die Gläubigen zu Hause – die Gottesdienste über das Internet miterleben. Sie werden auf Youtube live gezeigt.

„Unsere Aufgabe ist es nun“, sagt Pater Vogt, „zu beten, dass diese Situation bald aufhört, und vor allem für diejenigen Gebete zu sprechen, denen es zurzeit nicht gut geht“.

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