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Flüssiggas für Lkw aus Burghaun? „Zweitgrößte Anlage der Welt“ in Planung 

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Von: Harry Wagner

Auf dieser Computeranimation ist der Standort der geplanten Bio-LNG-Anlage (in grün) zu sehen. Rechts die weiteren Ansiedlungen im Gewerbegebiet „Grubener Weg“, darüber die Bundesstraße 27.
Auf dieser Computeranimation ist der Standort der geplanten Bio-LNG-Anlage (in grün) zu sehen. Rechts die weiteren Ansiedlungen im Gewerbegebiet „Grubener Weg“, darüber die Bundesstraße 27. © Reefuelery GmbH (Animation)

Die Marktgemeinde Burghaun soll zum Standort für eine Bio-LNG-Anlage werden. Nach Angaben des Herstellers wird es sich nach der Fertigstellung um die zweitgrößte der Welt handeln. 

Burghaun - Entstehen soll die Anlage auf der 12.500 Quadratmeter großen Gewerbefläche im „Grubener Weg“, die die Gemeinde zu Beginn des Jahres an das Unternehmen Reefuelery GmbH verkauft hat. Mit ihrem Bau wurde der finnische Technologiekonzern Wärtsilä beauftragt.

Vorgesehen ist, dass dort ab dem ersten Quartal 2024 jährlich rund 63.000 Tonnen verflüssigtes Biomethan aus kommunalen und landwirtschaftlichen Abfällen in klimaneutralen Treibstoff umgewandelt wird. Unter dem Markennamen „Reefuel“ soll es anschließend an das 120 Tankstellen umfassende Netz von Alternoil geliefert werden.

Drei Unternehmen betonten, ihre Kompetenzen bei dem Projekt zu bündeln: die Alternoil GmbH als Tankstellenbetreiber, die Erdgas Südwest GmbH als Energiedienstleister und die Erdgas Südwest-Tochter bmp greengas GmbH als führender Biomethan-Vermarkter Europas. (Lesen Sie auch: Fulda will Wasserstoff-Region werden: Das sind die Ziele bis 2024)

Hessen: Zweitgrößte Bio-LNG-Anlage der Welt soll in Burghaun entstehen

Wie sie erklären, habe man Burghaun aufgrund der zentralen Lage, der optimalen Anbindung an das Alternoil-Tankstellennetz und des direkten Zugangs zur MIDAL (Mitte-Deutschland Anbindungs-Leitung) als Standort ausgewählt. Durch diese Vorteile ließen sich die CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduzieren. Der Treibstoff könne in jedem LNG-betriebenen Lastkraftwagen verwendet werden und trage wesentlich zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs bei. Burghauns Bürgermeister Dieter Hornung: „Wir freuen uns, dass wir als Klimakommune Teil dieses Projekts sind.“

Die Anlage „made in Finnland“ besteht aus einer Gasaufbereitung, einer Verflüssigungseinheit und einer Lager- und Verladeeinheit. Die benötigten Biomethanmengen kauft bmp greengas als Dienstleister ein.

In der Verflüssigungseinheit wird das Biogas mit Hilfe eines Wärmetauschers bei einer Temperatur von minus 162 Grad Celsius verflüssigt. Nach Fertigstellung der Anlage können 180 Tonnen Bio-LNG pro Tag produziert werden. Das fertige Bio-LNG-Produkt wird mittels Tankcontainern an die Alternoil-Tankstellen geliefert. Das zugrunde liegende Logistikkonzept als Kombination von Straße und Schiene ermögliche die Einsparung weiterer CO2-Mengen bei der Verteilung des klimaneutralen Kraftstoffs, heißt es in einer Mitteilung der beteiligten Unternehmen. Bis zu 4500 Schwerlastfahrzeuge könnten mit den produzierten Mengen klimaneutral betrieben werden und damit gegenüber dem Diesel bis zu 550.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen.

Benjamin Rolfes, einer der beiden Geschäftsführer der Reefuelery GmbH, hofft nun auf eine zeitnahe Genehmigung der Anlage durch das Regierungspräsidium: „Wir sind guter Dinge, dass das klappen wird.“ Skepsis wegen möglicher Lärm- und Geruchsemmissionen sei nicht angebracht: „Das ist zu vernachlässigen.“ Zum Lärmschutz werde die Anlage mit einer extra Behausung umgeben. Und die Entstehung von unangenehmen Gerüchen sei komplett auszuschließen, da ja keine Abfälle zur Weiterverarbeitung angeliefert würden, sondern geruchsneutrales Biomethan. Rolfes wies darauf hin, dass man mit Hilfe des in Burghaun erzeugten Bio-LNG den Schwerlastverkehr in Deutschland klimaneutral stellen könne, zumal es derzeit auch noch an effektiven Alternativen fehle.

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