Der Ausbau der Stromversorgung sorgt für Diskussionen. Die Region beschäftigt sich mit der Fulda-Main-Leitung: Wo entlang soll sie führen?
+
Der Ausbau der Stromversorgung sorgt für Diskussionen. Die Region beschäftigt sich mit der Fulda-Main-Leitung: Wo entlang soll sie führen?

Viele Kommunen betroffen

Burghaun sieht „kritische Raummenge“: Stellungnahme zum geplanten Korridor der Fulda-Main-Leitung

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
    schließen

Die Marktgemeinde Burghaun hat eine erste Stellungnahme zum vorgesehenen Korridornetz der Fulda-Main-Leitung beim Netzbetreiber Tennet abgegeben und dabei insbesondere auf diverse Raumwiderstände hingewiesen.

Burghaun - Das Bayreuther Unternehmen hatte im Rahmen der öffentlichen Beteiligung in den vergangenen Wochen zu sogenannten digitalen „Korridorsprechstunden“ aufgerufen – für Kommunen, Behörden, Verbände und Bürgerinitiativen einerseits, für private Haushalte andererseits. Die Burghauner Verwaltung nutzt die Gelegenheit, um ihre Vorbehalte schriftlich zu formulieren.

Die Fulda-Main-Leitung ist eine Wechselstromtrasse, die eine 380-Kilovolt-Leitung von Mecklar bei Bad Hersfeld bis ins unterfränkische Bergrheinfeld führt und auch dazu dienen soll, Öko-Strom zu transportieren. Da sie über das Umspannwerk in Dipperz-Wisselsrod laufen muss, berührt der vorgesehene Korridor viele Kommunen im Altkreis – unter anderem Burghaun, aber auch Hünfeld, Nüsttal, Eiterfeld und Haunetal. Der Korridor soll innerhalb der beiden nächsten Jahre durch die Bundesnetzagentur festgelegt werden, im Anschluss würde das Planfeststellungsverfahren mit der konkreten Leitungsführung beginnen. Völlig offen ist, ob es sich durchgehend um eine Freileitung handeln wird oder ob teils die Option auf Erdverkabelung gezogen wird.

Burghauner Stellungnahme zum geplanten Korridor der Fulda-Main-Leitung

Wenn der Bundestag den bereits vorliegenden Entwurf der Bundesregierung zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes zum Netzausbau verabschieden wird – wonach es aussieht – kommen auch Netzbetreiber unter Zugzwang. „Dann wird auf die Tube gedrückt“, vermutet Burghauns Bürgermeister Simon Sauerbier. Umso wichtiger sei es, dass die Kommunen jetzt ihre Einwände und Anregungen formulieren. Das habe Burghaun getan, so Sauerbier, der sich ein gemeinsames Vorgehen der benachbarten Gemeinden wünscht. Burghaun betreffend stellt der Rathauschef fest, „dass wir bei den Vorzugsvarianten überregionaler Planungen ständig im Epizentrum stehen.“

Zusammengefasst führt die Stellungnahme an Tennet „wesentliche oberirdische und unterirdische Raumwiderstände“ für die Trasse auf. Außerdem fordert die Gemeinde, im Planungs- und Bauvorhaben die Aspekte des Trinkwasserschutzes mit dem Ausweis diverser Wasserschutzzonen zu berücksichtigen und Belange des Naturschutzes zu respektieren. Auch die Entstehung neuer Gewerbe- und Siedlungsentwicklungen mit den bereits verfestigten Bauleitplanungen seien ein Hindernis für den geplanten Verlauf der Fulda-Main-Leitung.

Bürgermeister Simon Sauerbier: „Stehen ständig im Epizentrum“

Das Rathaus weist zudem darauf hin, dass es näherer Erkenntnisse über die Lage eines Salzhangs südlich von Burghaun und Gruben bedürfe, wo außerdem eine Subrosionssenke vermutet werde – die Zerstörung von fragilem Gestein fördert die Bildung von Karsthöhlen. Ein Thema sei auch die Überprüfung von Abstandsregeln zu realisierten Windkraftvorhaben.

Zusammenfassend spricht Sauerbier davon, dass das Tennet-Projekt in Burghaun auf eine „kritische Raummenge“ trifft – aus folgenden Gründen: die Dichte der bestehenden Planungsvorhaben im Wohnungsbau und der Gewerbegebieterschließung, die Konzentration von Verkehrswegen und die Notwendigkeit, dass Versorgungsleitungen potenziell mehrfach Flüsse, Täler und Tunnels queren müssten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema