Euronics XXL Kurzer in Burghaun.
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Euronics XXL Kurzer in Burghaun ist aktuell geschlossen.

80 Mitarbeiter betroffen

Burghauner Traditionsbetrieb Elektro Kurzer meldet Insolvenz an - Bürgermeister zeigt sich betroffen

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Schlechte Nachrichten aus Burghaun: Der Traditionsbetrieb Elektro Kurzer musste am vergangenen Freitag Insolvenz anmelden. Die beiden Filialen, die unter Euronics XXL Kurzer in Burghaun und Bad Hersfeld firmieren, sind derzeit geschlossen.

  • Elektro Kurzer (80 Mitarbeiter) hat Insolvenz angemeldet.
  • Das Burghauner Traditionsunternehmen hat keinen Corona-Kredit erhalten.
  • Die Filialen in Burghaun und Bad Hersfeld sind derzeit geschlossen.

Burghaun - Sowohl über das Vermögen der Elektrohaus Kurzer GmbH als auch der Kurzer GmbH und Co. KG, zu der beide Filialen zählen, wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Bei beiden Unternehmen ist der Burghauner Peter Kurzer Geschäftsführer.

Insgesamt beschäftigt Kurzer rund 80 Mitarbeiter. Als Insolvenzverwalter ist Dirk Ritzenhoff von der Fuldaer Insolvenzverwaltung Flöther & Wissing bestellt worden.

Corona-Krise zwingt Elektro Kurzer in die Knie

Die Gründe der Talfahrt beschreiben Ritzenhoff und Kurzer in einer gemeinsamen Erklärung. So sei bereits das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 schwierig gewesen, zu Beginn dieses Jahres hätte das Unternehmen weitere Veränderungen anstoßen wollen. Und genau in dieser Phase kam die Corona-Krise, durch die das Unternehmen in Liquiditäts-Schwierigkeiten geriet, da über einen Zeitraum von fünf Wochen die Geschäfte in Burghaun und Bad Hersfeld geschlossen werden mussten.

Peter Kurzer, Geschäftsführer der Elektrohaus Kurzer GmbH und der Kurzer GmbH und Co. KG.

Die Geschäftsführung habe sich dann um einen Corona-Kredit bei der KFW-Bank bemüht, doch ein dafür in Auftrag gegebenes Gutachten habe, so heißt es in der Mitteilung, leider nicht erreichen können, dass die erhofften Mittel zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Grund habe sich der Geschäftsführer Peter Kurzer dazu verpflichtet gesehen, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Filialen am Mittwoch wieder geöffnet?

Die Ware sei im Wesentlichen über die Kooperation mit Euronics bezogen worden und seitens dieses Partners mit Sitz im baden-württembergischen Ditzingen bestünden erhebliche Forderungen und Rechte, die für die gelieferten Waren geltend gemacht wurden.

Derzeit werde in Abstimmung mit Euronics eine Inventur der Warenbestände vorgenommen. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass die Läden in Burghaun und Bad Hersfeld voraussichtlich am Mittwoch wieder geöffnet werden können. Zu der in Insolvenz gegangenen Elektrohaus Kurzer GmbH zählen die beiden teils deutschlandweit bekannten Online-Marktplätze www.tophandy.de und www.talkthisway.de.

Beides sind von der Elektrohaus Kurzer GmbH betriebene Online-Marktplätze für Mobilfunkverträge und Mobilfunkgeräte. So bestanden beispielsweise Geschäftsbeziehungen zwischen der GmbH und dem Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98, bei dem tophandy.de als Co-Sponsor auftrat und einen „Lilien-Tarif“ mit besonderen Vergünstigungen angeboten hatte. 

Historie

Unter dem Namen „Radio Müller“ wurde die heutige Firma Kurzer GmbH Co. KG 1949 vom Großvater des heutigen Firmenchefs in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Burghaun gegründet. 1964 heiratete der spätere Seniorchef Albert Kurzer in die Familie Müller ein, die im Jahr 1970 in Elektro Kurzer umfirmierte. Der heute 50-jährige Peter Kurzer stieg im Jahr 2000 in die Geschäftsführung ein.

Später begann die Kooperation mit Euronics, die Firma expandierte und baute 2010 einen deutlich größeren Markt in Burghaun. Drei Jahre später übernahm Kurzer schließlich den Pro Markt in Bad Hersfeld. Inzwischen beschäftigt Kurzer in Burghaun und Bad Hersfeld rund 80 Mitarbeiter. Die Fläche beider Filialen beträgt zusammengenommen rund 2700 Quadratmeter.

Doch Geschäftsführer Peter Kurzer machte sich nicht nur einen Namen als Traditionsunternehmer. Auch als Sponsor bei zahlreichen Vereinen und Kulturveranstaltungen wie den Bad Hersfelder Festspielen trat er auf. Zudem wirkte er gerade im Burghauner Gemeindegebiet bei zahlreichen sozialen Projekten als Wohltäter mit – beispielsweise bei der Sanierung des Rothenkirchener Spielplatzes.

Burghauner Bürgermeister hofft auf Zukunft für das Traditionsunternehmen

Tief betroffen von den Entwicklungen zeigt sich Burghauns Bürgermeister Simon Sauerbier (parteilos), der angibt, „dass ich Peter Kurzer als Problemlöser, Unternehmer mit Herz und als Berater sehr schätze.“ Die Firma sei in der Region tief verwurzelt und als Unternehmerfamilie mit Herz stünden Kurzers für Geschäftigkeit, Initiative und soziales Gewissen. „Der Traditionsbetrieb beschäftigt ganze Familien, bringt sich in Gesellschaft und Geschäftswelt ein. Von dem Unternehmen gehen zahlreiche Innovationen aus.“ Sauerbier ist sich sicher, „dass das Unternehmen in einem konsolidierten Zustand weiter Zukunft haben wird“. 

Sauerbier richtet deswegen eine dringende Bitte an die Bürger: „Die Firma Kurzer prägt das Burghauner Leben. Sofern die Läden morgen wieder öffnen, unterstützen Sie die Firma mit Ihrem Einkauf. Bewusstes Einkaufen vor Ort ist gut für dich und die Region.“

Peter Kurzer selbst wünscht und erhofft sich ebenfalls weitere Unterstützung, um die Arbeitsplätze erhalten zu können und dankt seiner treuen Kundschaft. 

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