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Burghauner Bürgermeister Hohmann muss 500 Euro ans Tierheim zahlen

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Hünfeld - Wegen des Vorwurfs der Beleidigung hat sich gestern Burghauns Bürgermeister Alexander Hohmann (SPD) vor dem Amtsgericht Hünfeld verantworten müssen. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße eingestellt.

"Dich Arschloch zeig' ich auch noch an!" – Um diesen Satz ging es in der Verhandlung unter Vorsitz von Richter Szymon Mazur. Die Anklage warf Hohmann vor, damit den 50-jährigen Kraftfahrer K. aus Fulda beleidigt zu haben. Der Müllfahrer sagte gestern als Zeuge aus. Ort der Handlung: Der Rewe-Parkplatz in Burghaun an der B 27. An einem Samstag im April 2013 hatten sich dort Helfer zum Osterputz versammelt. Unter ihnen war Burghauns Verwaltungschef Hohmann mit zwei seiner Kinder. Zu dieser Zeit bogen zwei aus Richtung Bad Hersfeld kommende Müllfahrzeuge – verbotswidrig die durchgezogene Linie in der Straßenmitte querend – auf den Parkplatz ein.

Die Fahrer stellten die Müllwagen ab, und Hohmann ging auf einen der Wagen zu. Wie er vor Gericht erläuterte, wollte er mit dem Fahrer über das falsche Abbiegen zum Parkplatz sprechen. Hohmann, der von Rechtsanwalt Helmut Bolender verteidigt wurde, sagte aus, er habe die Gefährdung im Blick gehabt. "Irgendwelche Beleidigungen sind von mir nicht gekommen", sagte er. Es sei von ihm aus eher ein sachlicher Disput gewesen. Er habe die Kennzeichen der Wagen fotografiert, um der Sache später nachgehen zu können. Der Zeuge K. schilderte den Hergang anders: Er sei aus seinem Fahrzeug zum Wagen des Kollegen gekommen, als Hohmann mit diesem sprach. Der Angeklagte habe "das HB-Männchen gemacht" und ihm laut den in der Anzeige zitierten Satz entgegengerufen. Zudem habe er betont, er sei hier der Bürgermeister und die Fahrer aufgefordert, den Parkplatz zu verlassen. Darauf hätten sie nur gesagt, dass sie die gesetzlich vorgeschriebene Pause machen müssten. Dass Hohmann der Bürgermeister sei, habe er nicht geglaubt. Erst auf Burghauns Internetseite habe er erkannt, dass er es wirklich mit dem Verwaltungschef zu tun gehabt hatte. Da habe er sich zur Anzeige entschlossen: "Es kann ja nicht sein, dass so ein Mann sich so benimmt." Der Müllfahrer berichtete, dass der Hohmann über den Leiter des Fachdiensts Abfallwirtschaft beim Landkreis Kontakt zu seinem Chef aufgenommen habe. "Hohmann war verärgert, weil er gedacht hatte, die Sache hätte arbeitsrechtliche Folgen für mich. Aber mein Chef ist in Ordnung. Er hat gesagt, das sei meine Privatsache." Hohmanns Anwalt hielt dagegen, sein Mandant habe zu keiner Zeit versucht, Druck auszuüben. Staatsanwalt Werner Stock hatte gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass zwar der strittige Sachverhalt eher eine Bagatelle sei. Weil jedoch nur eine Aussage wahr sein könne, werde sich möglicherweise ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage anschließen, und das sei gewichtiger. Daher sei es jetzt an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. Richter Mazur bilanzierte, es seien möglicherweise Äußerungen gefallen, die im Straßenverkehr nicht selten fielen, auch wenn sie nicht passend seien. Er regte eine Einstellung des Verfahrens – gegebenenfalls gegen eine Auflage – an. Staatsanwalt Stock unterstrich, er habe keine Zweifel an den Aussagen des Zeugen: "Ich glaube ihm." Aufgrund des Delikts, das in der Regel eher in einer Zivilklage verfolgt werde, bejahe er eine Einstellung.

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger einigten sich darauf, das Verfahren gegen Zahlung von 500 Euro an das Tierheim Fulda-Hünfeld durch Hohmann einzustellen. Eine Einstellung bedeute keinen Schuldspruch, sondern eine gewisse Sanktion mit einem faktischen Schuldeingeständnis, erläuterte Mazur.

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