Die Busse der August Kiel GmbH aus Arzell fahren nicht mehr.
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Die Busse der August Kiel GmbH aus Arzell fahren nicht mehr.

Kritik an der Politik

Corona trifft Busunternehmen mit voller Breitseite: August Kiel aus Eiterfeld-Arzell ist insolvent

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Die durch die Corona-Pandemie verursachte existenzielle Krise der Reisebranche hat nun in der Region ein Opfer gefordert: Das Busunternehmen August Kiel GmbH aus Eiterfeld-Arzell hat beim Amtsgericht Fulda einen Insolvenzantrag gestellt.

Eiterfeld-Arzell - „Das Jahr ist weg, und Aussichten für die Zukunft haben wir auch nicht. Dann macht es auch keinen Sinn, es unbedingt weiter zu versuchen“, begründet Geschäftsführer Thomas Fongar den Schritt zum Insolvenzrichter.

Corona hat ein bis dato florierendes Familienunternehmen mit voller Wucht getroffen. Fünf Jahre in Folge, von 2014 bis 2018, hat die Kiel GmbH Gewinne in ihren Jahresbilanzen ausgewiesen. Auch das laufende Jahr versprach, gut zu werden. 120 Eigenveranstaltungen und weitere 120 Gruppen- oder Vereinsfahrten waren vorgesehen. Bis zum Lockdown konnte Kiel jedoch nur ein Bruchteil davon absolvieren.

August Kiel insolvent: Trotz Corona-Soforthilfe keine Geschäftsgrundlage mehr

Ab März kam das Reisegeschäft fast vollständig zum Erliegen. Auch auf der Fernbusschiene gab es Einbußen. Für Flixbus bediente das Arzeller Unternehmen die Strecke MannheimDresden, die aber ebenfalls eingestellt wurde. Es blieben nur die Linie Bad HersfeldBerlin sowie ab August einige Inlandsreisen. Für eine solide Geschäftsgrundlage war das zu wenig.

Zwar sei die Corona-Soforthilfe des Bundes zügig geflossen, aber das folgende, auf drei Monate beschränkte Maßnahmenpaket war nicht geeignet, dem Unternehmen längerfristig weiterzuhelfen. Weitere Einnahmequellen? Fehlanzeige. Die stillgelegten Reisebusse ließen sich nicht verkaufen. „Die sind ja nichts mehr wert in diesen Zeiten. Wer will denn die haben?“, fragt sich Fongar, der den 93 Jahre alten Familienbetrieb 1998 von seinem Großvater August Kiel übernommen hat. Außerdem haben, wie der 52-Jährige betont, zwei Veranstalter, mit denen Kiel-Reisen bis dato zusammengearbeitet hat, Konkurs angemeldet.

Und zu schlechter Letzt prangert Fongar die Zahlungsmoral von Lufthansa und Turkish Airlines an. Deren Rückzahlungen liefen sehr schleppend: „Die schulden uns Geld.“ Überhaupt: Dass ein Konzern wie die Lufthansa Milliardenhilfen vom Bund erhalte und im gleichen Atemzug Arbeitsplätze streiche und dass es für den Branchenriesen TUI „Nachschlag ohne Ende“ gebe, finde er nicht fair.

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Apropos Arbeitsplätze: Die Folgen des Gangs zum Insolvenzrichter scheinen zumindest für die Beschäftigten der Kiel GmbH keine negativen Folgen zu haben. Es handelt sich um insgesamt 14 Mitarbeiter. „Diejenigen, die nicht in Rente gehen, haben anderweitig eine Beschäftigung gefunden“, betont Thomas Fongar. Das gelte auch für ihn selbst. Er übernehme, nachdem die Insolvenz abgewickelt ist, eine Stelle anderswo in der Branche, „wo ich auch in dieser Funktion arbeite.“

Für das Arzeller Unternehmen habe es keine Perspektive gegeben. „Die gesamten Fahrten zu Weihnachten und Silvester sind auch nicht mehr möglich. Außerdem sind viele unserer Kunden in Kurzarbeit, da müsste erstmal Geld für eine Reise übrig sein.“ Zudem könne er derzeit guten Gewissens keine Fahrten anbieten. Busreisen mit Maskenpflicht vemittelten kein Urlaubsfeeling. Außerdem sei das bisherige Hauptklientel altersbedingt zu den Risikogruppen zu zählen.

Im Video: Reiselust mit Hygieneabstand - Wie gehen Busunternehmen mit der Corona-Krise um?

Frühestens zu Ostern kommenden Jahres rechnet Thomas Fongar wieder mit einem Aufleben des Bustourismus. „Bis dahin werden deutschlandweit noch einige Reiseunternehmen sterben“, prophezeit er.

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