Beim Legen des Früchteteppichs bewegen sich die Helferinnen auf engstem Raum.
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Beim Legen des Früchteteppichs bewegen sich die Helferinnen auf engstem Raum. (Archivfoto)

Förderverein Alte Kirche ist „zutiefst traurig“

Wegen Corona-Pandemie: Erstmals wird es keinen Früchteteppich geben

Zum ersten Mal in seiner Geschichte wird es in diesem Jahr keinen Früchteteppich geben. Für den Förderverein Alte Kirche Sargenzell, für Künstlerin Heike Richter und das gesamte Team ist das eine schmerzliche Nachricht.

Die Nachricht war zwar erwartbar, sie stimmt aber dennoch viele traurig: Wegen der Corona-Pandemie wird es keinen Früchteteppich geben. Das hat der Förderverein gestern bekanntgegeben.

Dabei hatten sich der Vorstand und Künstlerin Heike Richter schon im Februar mit großer Vorfreude getroffen und ein Motiv für den diesjährigen 33. Früchteteppich ausgesucht. „Wir waren von der neuen Herausforderung begeistert und wollten im Laufe des Monats Mai mit der Arbeit beginnen“, berichtet der Förderverein mit seinem Vorsitzenden Adolf Döring. Die weltweite Pandemie habe das Früchteteppich-Team nun aber ausgebremst. Die von Bund und Land getroffenen Maßnahmen schränkten das Tun und Handeln stark ein.

Arbeiten auf engstem Raum

„Früchteteppich-Herstellung bedeutet, vier Monate lang täglich von Montag bis Freitag, in insgesamt rund 1000 Arbeitsstunden, dieses filigrane Kunstwerk zu fertigen.“ Bis zu zehn Personen seien auf engstem Raum in die Teamarbeit eingebunden, erklärt der Verein. Zudem gebe es logistische Arbeiten: die Herstellung von 50 000 Handzetteln und 3000 Plakaten, die Eintütung von 3000 Briefen.

Hinzu kommen tausende Broschüren, Infoblätter und Bildpostkarten, die gedruckt werden müssten. Die circa 130 Betreuer und Betreuerinnen werden in der Regel bis Mitte August geschult, um sich auf die bis zu 50 000 Besucher vorzubereiten. „Das sind erhebliche Vorlaufarbeiten und Kosten, die auf jeden Fall anfallen – ohne zu wissen, ob die vorhandenen Einschränkungen ab 1. September so gelockert werden, dass überhaupt Besucher kommen dürfen und auch kommen.“

Gesundheit habe oberste Priorität

Nach Abwägung der Risiken und Chancen habe dies den Vorstand bewogen, im Jahr 2020 keinen Früchteteppich zu legen: „Es ist unsere Pflicht und Fürsorge für alle Beteiligten, niemanden einem Risiko auszusetzen, da die Gesundheit von allen Menschen in dieser Krise oberste Priorität hat.“

Der Verein und das Team seien wegen der Corona-Pandemie „zutiefst traurig, dass wir 2020 unser Kunstwerk nicht verwirklichen können, da alle bereits hochmotiviert auf den Startschuss gewartet haben“. Doch dies sei die einzig richtige Entscheidung. Für die Zukunft und das Jahr 2021 sei der Verein aber positiv gestimmt, um den 33. Früchteteppich dann legen zu können – ein neues Motiv gebe es ja schon.

Thema passend zu Corona

Und dieses wird, wie Richter verrät, im kommenden Jahr wie perfekt passen: „Wir haben ein Thema aus dem Alten Testament gewählt, das sehr gut zu Corona passt – und auch nächstes Jahr werden die Nachwirkungen sicherlich noch zu spüren sein.“ Mehr will und darf die Künstlerin nicht verraten.

Für Richter, die das dritte Mal die künstlerische Leitung innegehabt hätte, war die Absage erwartbar und hinterlässt doch Spuren:„Gerade die allabendlichen Treffen mit den anderen Frauen werden mir und nicht nur mir fehlen, weswegen wir vereinbart haben, uns ab und an zu treffen, um ein paar Körner zu sortieren.“

Ausstellung der Bilder in der Alten Kirche

Richter berichtet, dass in der gemeinschaftlichen WhatsApp-Gruppe einerseits großes Bedauern herrscht, andererseits aber jetzt schon mit großem Mut an das kommende Jahr gedacht wird, was der Förderverein in seinen Aussagen nur unterstützt: „Unsere Marke ,Früchteteppich‘ hat in 32 Jahren 1,3 Millionen Besucher aus Nah und Fern nach Sarqenzell geführt. Dies macht uns Mut für die Zukunft.“

Ein kleiner Trost bleibt zumindest für Heike Richter: Im Oktober wird sie an zwei Wochenenden ihre Bilder in der Alten Kirche in Sargenzell ausstellen.

jg/sam

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