Das Bonifatiuskloster Hünfeld war schwer von der Corona-Pandemie betroffen. Auch Pater Superior Karl-Heinz Vogt erkrankte.
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Das Bonifatiuskloster Hünfeld war schwer von der Corona-Pandemie betroffen. Auch Pater Superior Karl-Heinz Vogt erkrankte.

Fünf Mitbrüder starben

Coronavirus im Hünfelder Bonifatiuskloster: So wirken Virus und Todesfälle nach

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Im Bonifatiuskloster in Hünfeld ist nichts mehr so wie es einmal war. Die Todesfälle mit Covid-19, die mehrwöchige Quarantäne für alle Bewohner haben die Glaubensbrüder erschüttert. Weihnachten war dieses Mal anders als gewohnt. 

Hünfeld - Fünf Mitbrüder starben mit dem Coronavirus. „Wir stehen alle noch unter dem Eindruck dieser Ereignisse“, sagt Pater Superior Karl-Heinz Vogt und denkt an die Mitbrüder, die im Krankenhaus den Kampf gegen das Virus verloren haben. „Was das bedeutet, haben wir hautnah miterleben müssen. Die Menschen sterben einsam, weil niemand zu ihnen darf. Es ist eine furchtbare Erfahrung.“

Corona-Schock: So wirken die Todesfälle im Bonifatiuskloster in Hünfeld nachhaltig nach

Auch der Oberste im Kloster in Hünfeld war mit Sars-CoV-2 infiziert und erkrankt. Vier lange Wochen hat Pater Vogt abgeschieden auf seinem Zimmer verbracht: „Natürlich kommt da Langeweile auf. Man liest, man schaut ein wenig fern.“ Allerdings habe er die meiste Zeit im Bett gelegen, geschwächt vom Virus.

So ganz hat er die Folgen der Covid-19-Erkrankung noch immer nicht überwunden, das drückt sich in Müdigkeit oder Kurzatmigkeit bei leichteren Anstrengungen wie Treppensteigen aus. Zwei Mitbrüder befinden sich noch in der Klinik, zum Glück nicht im lebensbedrohlichen Zustand.

Dreimal war das Gesundheitsamt zu Tests im Kloster. Nach dem ersten Termin wurde eine komplette Quarantäne verhängt. Nach der zweiten Testung waren noch drei Personen ansteckend. Inzwischen ist die Quarantäne aufgehoben. Obwohl sich die Bewohner wieder um den gewohnten und geregelten Gang bemühen, ist man im Kloster weit davon entfernt, zur Tagesordnung überzugehen.

„Nach dem, was geschehen ist, dürfte das klar sein. Wir gehen sehr vorsichtig miteinander um, auch wenn wir jetzt wohl nicht mehr gefährdet sein dürften“, glaubt Karl-Heinz Vogt. Unabhängig vom Ausbruch des Virus: Corona hat das Leben im Kloster nachhaltig beeinflusst. Das wurde gerade jetzt zur Weihnachtszeit deutlich.

In den vergangenen Jahren war stets eine Seniorengruppe über die Festtage zu Gast. Nun war, da fürs Tagungshaus keine Buchungen möglich waren und auch keine Veranstaltungen stattfinden können, von Betriebsamkeit nichts zu spüren. Die Patres standen vor einem auch für sie ungewöhnlich ruhigen Corona-Weihnachtsfest, was sich auch optisch niederschlug.

„Den gewohnten Blumenschmuck in der Klosterkirche wird es nicht geben. Es kommen ja eh keine Gäste“, sagte Vogt in den Tagen vor WeihnachtenZumindest für Gottesdienste unter dem Kirchendach traf das zu. Christmetten in der Klosterkirche gab es heuer in der Corona-Pandemie nicht.

Die Open-Air-Veranstaltung an Heiligabend im Klosterpark fand hingegen statt. Die Kapazität mit 100 erlaubten Besuchern wurde ausgeschöpft. „Die Plätze waren relativ schnell ausgebucht, während die Menschen mit der Anmeldung bei Gottesdiensten, die drinnen stattfinden, zurückhaltender sind“, hatte Pater Vogt im Vorfeld beobachtet . 

„Danke an alle Gottesdienstteilnehmer, die sich vorbildlich auf das Schutzkonzept eingelassen haben und auf diese Weise zum Schutz vor Corona-Ansteckungen beitragen haben. Danke“, schrieb die Gemeinschaft auf ihrer Facebook-Seite. „Viel Abstand - aber wir spürten trotzdem die Verbundenheit und waren in Freude vereint im Gebet. Allen einen gesegneten Heiligen Abend!“

Was sich unterdessen auch aktuell trotz Corona nicht ändern wird, sind die klösterliche Ordnung und die Gebetszeiten – da ist alles wie immer für die derzeit 25 Brüder starke Gemeinschaft. „Wir haben die Räumlichkeiten, die es uns ermöglichen, zu feiern, eine Zeitlang beisammen zu sitzen und etwas Festliches zu essen“, hatte der Pater Superior kurz vor den Feiertagen erklärt, wohlwissend, dass Familien die Einschränkungen über Weihnachten eher spüren werden als seine Mitbrüder – die in diesem Jahr allerdings durch Corona schon genügend harte Prüfungen auferlegt bekommen haben.

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