Geisa Marktplatz Rathaus
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Geisas „gute Stube“: Blick über den Marktplatz zum Rathaus.

Ausflug nach Thüringen

Ferien in der Heimat: Geisa lädt im Sommer zu einem Trip durch die Altstadt ein

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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„Geh doch rüber!“ Zum Beispiel nach Geisa. Mit einem Besuch in der Stadt am Südwestrand Thüringens will unsere Redaktion Sie durch den Sommer begleiten – mit einem Tipp für die Ferien in der Heimat.

  • Wegen der Coronavirus-Krise muss der Urlaub von vielen ausfallen.
  • Wir stellen Ihnen einen Vorschlag für einen Ausflug in Ihren Ferien vor: Geisa in Thüringen.
  • Die Altstadt von Geisa ist einen Katzensprung von der Region Osthessen entfernt - und einen Trip im Sommer wert.

Geisa - Wie schön, dass man einen Spruch wie „Geh doch rüber!“ heute erklären muss: Das sagten in alten BRD-Zeiten mitunter (oft ältere) Menschen zu jenen (oft jüngeren), die Vorbehalte gegen manche Punkte des politischen West-Systems hatten. „Rüber“ hieß eben: in die DDR. Denn wer „West“ nicht wollte, war ja sicherlich „Sozialist“. Mindestens.

Dank des Muts der Menschen „drüben“ ist dieser Spruch seit gut 30 Jahren museumsreif: Der „antifaschistische Schutzwall“ hat die jüngere Geschichte von Geisa in Thüringen stark geprägt. Doch die Zeit vom Beginn des Grenzausbaus 1952 bis zur Friedlichen Revolution 1989 ist nur eine kurze Spanne in der Stadtgeschichte, die mit der ersten Urkunde mit dem Namen Geisas (Geisaha) im Jahr 817 so richtig beginnt.

Einen Ausflug im Coronavirus-Sommer wert - Rundgang durch Geisa in Thüringen

Unsere Redaktion nimmt Sie mit auf einen Trip durch Geisa: Ein Vorschlag für einen Ausflug in Ihren Sommerferien, in denen der Urlaub wegen der Coronvirus-Krise vielleicht in der Region stattfinden muss.

Auch an vorgeschichtlichen Funden ist kein Mangel. Was es von damals gibt, findet sich auf Pergament. Die ersten Bauwerksreste, die man „in echt“ erleben kann, stammen aus einer Zeit, als Geisa bereits rund 450 Jahre alt war: In der Mitte des 13. Jahrhunderts sorgte der Fuldaer Fürstabt Bertho von Leibolz dafür, dass Geisa eine Stadtmauer bekam, um den Ort vor den immer aggressiver werdenden Raubrittern zu schützen. Dieser „Schutzwall“ hielt länger als sein antifaschistischer Nachfolger.

Die Mauer- und Turmreste prägen bis heute das Bild, wenn man vom Tal der Ulster und des Geisabachs zum Ortskern hinaufschaut. Und sie trugen auch dazu bei, dass es die Stadt über Jahrhunderte als Handwerks- und Handelsplatz zu bescheidenem Wohlstand bringen konnte: Im Bauernkrieg Anfang des 16. Jahrhunderts hielten sie den anstürmenden Tanner Bauern stand.

Geisa: Kein heißes, aber ein schönes Pflaster

Geisa Thüringen Stadtparrkirche Brunnen
Im Brunnen verdoppelt sich die Stadtpfarrkirche. © Hartmut Zimmermann
DDR Thüringen Geisa Charme
Rest-Charme aus DDR-Zeiten findet man in Geisa. © Hartmut Zimmermann
Geisa Marktplatz Rathaus
Geisas „gute Stube“: Blick über den Marktplatz zum Rathaus. © Hartmut Zimmermann
Das Denkmal von Papst Johannes Paul II. vor dem Schloss in Geisa, dem Gästehaus der Point-Alpha-Akademie
Das Denkmal von Papst Johannes Paul II. vor dem Schloss, dem Gästehaus der Point-Alpha-Akademie © Hartmut Zimmermann
Heimatmuseum Geisa Thüringen Kunst
Nicht nur hochwertige Kunst aus der Sammlung der Stifterin wird im Heimatmuseum geboten, es zeigt zudem Stadtgeschichte. © Hartmut Zimmermann

Der Ferien-Trip führt durch die Altstadt

Das Ensemble, das heute den Ortskern um den Marktplatz prägt, stammt, sieht man von der Stadtpfarrkirche ab, aber nicht aus jener Zeit: Wie so viele Orte ist auch Geisa in Thüringen von verheerenden Bränden heimgesucht worden – zuletzt 1858 und 1883. Bei diesem Feuer brannte auch Geisas Synagoge nieder. Das danach neu errichtete Bethaus zündeten die Nazis 1938 in der Pogromnacht an. Ein Gedenkstein erinnert heute daran.

Die Stadtpfarrkirche, deren mächtigen Turm mit dem Fachwerk-Obergeschoss man von vielen Punkten der Stadt sieht, ist nicht nur ein sichtbares, sondern auch ein hörbares Wahrzeichen: Der Klang ihres Glockenspiels gehört zu Geisa unbedingt dazu. Geht man vom gotischen Kirchenbau seitwärts in die Gassen, stößt man rasch auf ältere und kleinere Gebäude, von denen viele direkt auf den Resten der Stadtmauer stehen.

Athanasius Kircher, Kirche und Point-Alpha-Stiftung

Es lohnt sich aber auch, den Stadtmauer-Bereich zu verlassen. Zum Beispiel in Richtung Gangolfi-Berg. Dort findet sich nicht nur ein Denkmal für Geisas vielleicht berühmtesten Bürger, den Universalgelehrten Athanasius Kircher (1602 – 1680), sondern auch eine mittelalterliche Gerichtsstätte, in der es damals auch schon mal um Leben und Tod gehen konnte.

Im Brunnen verdoppelt sich die Stadtpfarrkirche.

Am Weg zurück steht gegenüber der evangelischen Kirche das einstige Jagdschloss der Fuldaer Fürstäbte. In dem Barockbau ist heute die Point Alpha-Stiftung zu Hause, die an die Geschichte der Teilung erinnert.

Geisas Werden zeichnet auch die Anneliese Deschauer Galerie nach: Dort wird nicht nur hochwertige Kunst aus der Sammlung der Stifterin geboten, das mit der Galerie verbundene Heimatmuseum zeigt zudem Stadtgeschichte.

Eine neue Freizeitanlage in Geisa soll auch ein Anziehungspunkt für Gäste sein. Der Standort am Radweg sei optimal gewählt, um den Besuch mit einer Wanderung oder Radtour zu verbinden. Die Stadt hat zurzeit mit einem Streit um eine Arztpraxis in Geisa zu kämpfen. Im Geisaer Land haben außerdem Kommunen die Initiative „Wir im Geisaer Land“ gegründet.

Lesen Sie hier: Unser Redakteur Laurenz Hiob hat Stand-Up-Paddling für Sie ausprobiert.

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