Wendelin Priller
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Wendelin Priller arbeitet am digitalen Jagdkulturatlas.

Die kulturelle Seite der Jagd

Wendelin Priller arbeitet an Jagdkulturatlas

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Hübsche Jagdschlösschen, Orte für Jagdausflüge in früherer Zeit, Bildstöcke mit den Schutzheiligen der Jäger, Wegkreuze und mehr: Der Rasdorfer Wendelin Priller arbeitet zurzeit an einem digitalen Jagdkulturatlas mit kulturellen Objekten, die Bezüge zur Jagd aufweisen.

  • Wendelin Priller arbeitet zurzeit an einem digitalen Jagdkulturatlas.
  • Rund 40 Jagskulturobjekte hat Wendelin Priller bereits in den Jagdkulturatlas aufgenommen.
  • Der Atlas wurde nun geografisch ausgedehnt.

Rasdorf - Ein Bildstock am Waldhof bei Rasdorf zeigt den Heiligen Wendelinus, den Schutzpatron für Wald und Flur, und den Heiligen Eustachius, Patron der Forst und Jagd. Die Wasserburg in Mackenzell war in ihrer Vergangenheit nicht nur Ritternest und Schlosshotel, sondern auch Ziel von Jagdausflügen der Landesherrn und Sitz des hessischen Forstamts.

Der „Duellstein“ in Hilders erinnert an einen Kampf, der wegen Streitigkeiten über die Jagdgrenze zwischen den Herrschaftsbereichen Würzburg und Fulda ausgelöst worden war. Und das Sühnekreuz auf dem Atzmannstein bei Müs bezieht sich auf einen Wilderer, den ein Jäger des Fürstabtes einst hier erschossen haben soll.

Diese sind nur einige der vielen Jagdkulturobjekte, die sich im Landkreis Fulda finden. Rund 40 hat Wendelin Priller bereits in den Jagdkulturatlas aufgenommen, den der Bayerische Jagdverband initiiert hat.

Erste Jagdkultur vor 40.000 Jahren

„Die Jagd ist das älteste Kulturgut der Menschheit“, sagt der Rasdorfer. Schließlich jage der Mensch schon seit mehr als einer Million Jahren. Erste bildliche Darstellungen finden sich in Höhlenmalereien des Cro-Magnon-Menschen vor 40.000 Jahren: „Hier kann man zum ersten Mal eine Jagdkultur erkennen“, erläutert Priller.

Seitdem finden sich Zeugnisse von Jagdkultur in Literatur, in Baukunst und Architektur, in Malerei und Musik, im Jagdrecht und in Brauchtümern wie Jagdhornblasen und Waidmannssprache. In der Landschaft sichtbar wird Jagdkultur vor allem in Schlössern und anderen jagdlich genutzten Gebäuden, in Bildstöcken und Grenzsteinen, in Ruinen und in Kulturlandschaften wie Parks.

Akademischer Jagdwirt

Wendelin Priller ist selbst Jäger und hat neben seinem Beruf als selbstständiger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater an der Universität für Bodenkultur in Wien „Wildbiologie und Jagdwirtschaft“ studiert. Damit darf er sich „Akademischer Jagdwirt“ nennen. „Schon immer habe ich mich auch für die Jagdgeschichte und die Jagdkultur in der Region interessiert“, berichtet er.

So veröffentlichte er nicht nur in vielen Publikationen wie den „Buchenblättern“ Texte. Gemeinsam mit seiner Tochter Dr. Dr. Julia Maria Priller hat er 2011 auch eine „Rasdorfer Jagdchronik“ sowie 2018 ein 370-seitiges Werk mit dem Titel „Die Jagd der Fürstäbte und Fürstbischöfe von Fulda im 18. Jahrhundert“ herausgebracht.

Dieses ist mittlerweile ausverkauft, möglicherweise soll es einen Nachdruck geben. Auch darin sind bereits alle Jagdkulturobjekte aufgeführt und beschrieben.

Atlas wird geografisch ausgedehnt

Durch seine vielen Aktivitäten – unter anderem ist er auch noch Mitglied im bundesweit tätigen „Forum lebendige Jagdkultur“ – wurde der Bayerische Landesjagdverband auf ihn aufmerksam, berichtet er.

„2018 wurde ich in dessen Jagdkulturausschuss berufen.“ In diesem arbeiten unter anderem auch Künstler, Wissenschaftler und Theologen mit. Seit 2018 präsentiert der Verband nun einen „Jagdkulturatlas Bayern“ auf seiner Internet-Seite.

Auf einer Landkarte werden allerlei Kulturobjekte eingezeichnet, in der Regel sind Bilder hinterlegt und eine fachliche Beschreibung. Der Atlas wurde nun geografisch ausgedehnt: Mittlerweile ist auch der hessische Landkreis Fulda beziehungsweise das ehemalige Hochstift Fulda mit dabei.

Jagdkultur soll gefördert werden

Wendelin Priller findet es wichtig, die Jagdkultur zu fördern: „Wer die Besonderheiten seiner Lebensweise bewahren möchte, muss seine kulturellen Wurzeln kennen. Die Jagdkultur ist eine dieser Wurzeln.“ Die Hervorhebung der kulturellen Seite der Jagd könne zudem dazu beitragen, dass die Jagd in der Öffentlichkeit wieder mehr akzeptiert wird.

Jäger, so glaubt der Rasdorfer, würden heute häufig nur noch als Menschen mit Nachtsichtgerät, Wärmebildkamera und mit einem hohen technischen Waffenstandart ausgestattet wahrgenommen. „Die Förderung der Jagdkultur kann diesem schädlichen Bild der Jägerschaft entgegenwirken“, betont er. Und für interessierte Bewohner der Region sei es sicherlich „eine Freude, per Mausklick die Objekte in der näheren Umgebung aufsuchen zu können“.

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