Ein letztes Mal auf dem „Waldsofa“ sitzen: Die „Haselmäuse“ vom Waldkindergarten Kirchhasel müssen die Fläche verlassen, weil das Areal gesperrt wurde. / Foto: Hartmut Zimmermann

Dürreschäden: Waldkindergarten muss nach elf Jahren Kirchhaseler Wald verlassen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kirchhasel - „Oh, unser Waldsofa!“ Man hört die Begeisterung in den Kinderstimmen. Gemeinsam mit Erzieherin Susanne Fischer geht die kleine Gruppe in das Waldstück, das elf Jahre lang Domizil des Waldkindergartens „Haselmäuse“ war. Es ist ein Abschiedsbesuch.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Das „Waldsofa“ ist ein weiter Ring von Baumstämmen. Er bot allen 25 Haselmaus-Kindern Platz und war ein guter Ort, sich zu sammeln, berichtet Fischer. Doch das Areal ist gesperrt, weil dort verdorrende Buchen umzustürzen oder Äste abzuwerfen drohen: Die „Haselmäuse“ werden zu „Klimaflüchtlingen“.

Inzwischen sind drei der vier 50, 60 Jahre alten Buchen, die um das „Waldsofa“ herum ein dichtes Blätterdach bildeten, gefällt worden. Zu eindeutig waren die Spuren der Dürreschäden, die sie aufwiesen: Viele Bäume trieben deutlich weniger Laub aus als in normalen Jahren – und viele der noch entstandenen Blätter wurden schon mitten im Sommer dürr.

Zu viele gefährdete Bäume

„Zuerst dachten wir noch, es würde reichen, wenn wir einzelne angegriffene Bäume herausnehmen“, erläutert Julia Kirchlechner. Ihr Sohn wird bei den „Haselmäusen“ betreut, sie ist von Beruf Försterin im Forstamt Schlüchtern.

Diese Hoffnung habe sich angesichts der vielen gefährdeten Bäume zerschlagen. „Wir haben einzelne Bäume gefällt, aber das reicht bei weitem nicht aus.“ Daher sei der Wald – die Fläche befindet sich in privatem Besitz – für die Nutzung durch die Kinder gesperrt worden.

Sie ist deshalb froh, dass nicht allzu weit entfernt ein intaktes Waldstück liegt, das die Kinder nun offiziell nutzen können. Wie lange? Auf diese Frage zuckt Kirchlechner mit den Schultern: „Es wäre anmaßend von mir zu sagen, dass ich das heute wirklich weiß.“

Erinnerungen an diesen Ort

Am „Waldsofa“ erzählen die Kinder von ihren Erinnerungen an diesen Ort. „Hier kam immer der Nikolaus hin“, berichtet Edda. „Und dann haben wir gesungen“, ergänzt Alena, so dass die Kinder bald „Lasst uns froh und munter sein“ anstimmen.

Aber sie berichten auch, warum die Bäume nicht mehr froh und munter sind: „Es ist viel zu trocken“, sagt Paul. „Und weil wir zu viel Auto fahren. Und mit dem Motorrad – und mit dem Flugzeug fliegen“, ergänzen andere. Dann heißt es Abschied nehmen, von einem Ort, der über Jahre Spielplatz und ein Stück Zuhause war.

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