In Folge der Corona-Pandemie gerät Indiens Gesundheitswesen an seine Grenzen. Vielerorts ist lebensrettender Sauerstoff nicht mehr verfügbar.
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In Folge der Corona-Pandemie gerät Indiens Gesundheitswesen an seine Grenzen. Vielerorts ist lebensrettender Sauerstoff nicht mehr verfügbar.

Geplanter Besuch abgesagt

Bilder aus seiner Heimat zeigen großes Leid: Pater Binesh Mangalan aus Eiterfeld zur Corona-Lage in Indien

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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„Es macht traurig, aus den Nachrichten oder der Zeitung zu erfahren, wie dramatisch die Lage in manchen Teilen Indiens ist“, sagt Pater Binesh Mangalan. Der 33-Jährige schaut und hört bei solchen Nachrichten genau hin, denn Indien ist sein Heimatland.

Eiterfeld - Über die Corona-Situation in Indien ist der Priester, der seit 2019 mit Pfarrer Markus Blümel in Eiterfeld zusammenarbeitet, nicht nur über die Medien informiert: Über Dienste wie WhatsApp hält er die Verbindung zu seiner Familie. Gerade in den vergangenen Wochen waren die Kontakte besonders intensiv, denn eigentlich wollte Pater Binesh in diesen Tagen seine Heimat besuchen. „Ich hatte ein Flugticket für den 30. April“, berichtet er. Bis zuletzt habe er gewartet, überlegt, gebetet und sich beraten, was zu tun sei. Am 27. April habe er den Flug nach Bengaluru (Bangalore) storniert: Die in die Höhe schnellenden Zahlen der Corona-Infizierten ließen kaum eine andere Entscheidung zu.

Um seine engeren Angehörigen muss Pater Binesh sich keine akuten Sorgen machen: „Meine Familie lebt in einem sehr ländlichen Bereich des Bundesstaats Karnataka, der im Südwesten des Subkontinents liegt. Die Eltern betreiben Landwirtschaft, und die Menschen leben nicht eng beieinander“, berichtet er. Daher gebe es in seinem Heimatort keine direkte Corona-Gefahr. „Die Menschen sind schon vorsichtig, gehen nur mit Mundschutz nach draußen. Und auch die Gottesdienste sind bei uns derzeit abgesagt, um Ansteckungen zu vermeiden“, berichtet der Pfarrer. (Lesen Sie hier: Ohne Corona-Test und App läuft nichts: Hünfelder Paar macht Urlaub auf Sylt).

Eiterfeld: Pater Binesh Mangalan zur Corona-Lage in Indien - Bilder aus seiner Heimat zeigen großes Leid

Ganz anders stelle sich die Lage in den Städten dar. Bengaluru, der Zielort des stornierten Fluges, ist die Hauptstadt des Bundesstaats Karnataka und mit rund zwölf Millionen Einwohnern Indiens drittgrößte Stadt. „Dorthin ziehen viele junge Leute, die auf dem Land keine Arbeit finden. Dort leben viele Menschen auf engem Raum – und die Corona-Risiken sind erheblich höher. „Es ist furchtbar, von dort zu hören oder per Videos zu erfahren, dass Patienten Stunden, ja Tage vor einem Krankenhaus liegen, weil es keinen Sauerstoff gibt und manchmal nicht einmal ein Krankenbett“, sagt der Pfarrer. Daher sei er sehr dankbar, dass jetzt Deutschland und andere Staaten auf diese Lage reagierten und Hilfe zur Verfügung stellten. Auch das Bistum Fulda und die Evangelische Landeskirche haben Hilfen auf den Weg gebracht.

Wegen der Corona-Pandemie und der dramatischen Lage in seinem Heimatland hat Pater Binesh einen Besuch in Indien verschieben müssen.

Weil sich längst nicht alle Menschen die Beiträge zu einer Krankenversicherung leiste könnten, gebe es viele, die nicht versichert seien und eine eventuelle Behandlung privat bezahlen müssten. Da sei es schon beruhigend, dass die Eltern in einer ruhigen, ländlichen Region lebten, sagt Pater Binesh. Zwischen dem Flugziel Bengaluru und seinem Heimatdorf Ganedal liegen noch rund 500 Kilometer.

Pater Binesh Mangalan: Patienten liegen vor einem Krankenhaus, weil es keinen Sauerstoff gibt

Doch die Flug-Absage schmerzt Pater Binesh dennoch: „Eigentlich wollte ich auch kommen, um die Trauung eines Cousins zu feiern.“ Doch die jungen Leute müssen vorerst auf den Segen des Vetters aus Deutschland warten. „Ein anderer Pfarrer hat sie getraut, und sowohl die kirchliche Feier wie auch das Hochzeitsfest fanden nur im kleinsten Kreis statt.“

Seinen Segen möchte er dem Paar dennoch spenden: „Mein Cousin hat mir, als meine Priesterweihe anstand, ganz viel geholfen und viel organisiert – ich bin ihm sehr verbunden. Wenn alles gut geht, könnte das noch in diesem Jahr klappen: „Meine Flugtickets habe ich auf den Herbst umgebucht“, sagt Pater Binesh.

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