Bunte Spielfiguren auf einem Spielfeld.
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Die politische Farbenlehre verschiebt sich - auch in Eiterfeld. (Symbolfoto)

Kräfte verschoben

Politische Farbenlehre außer Kraft: FWG überflügelt in Eiterfeld inzwischen beide Volksparteien

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Am Anfang war die Unzufriedenheit: Verstanden sich die Freien Wählergemeinschaften in früheren Jahren vornehmlich als Gegenbewegung zur Politik der etablierten Parteien, sind sie auf kommunaler Ebene längst nicht mehr auf den Protest-Faktor zu reduzieren. Wahlergebnisse im Zehn-Prozent-Bereich sorgen bei ihnen für Enttäuschung – die Ansprüche sind gestiegen.

Eiterfeld - Ein Blick in die Marktgemeinde Eiterfeld zeigt die Kräfteverschiebung. Nicht CDU, nicht SPD – eine Gruppe parteiunabhängiger Kommunalpolitiker genießt bei den Wählern inzwischen das größte Vertrauen. 41,94 Prozent sind bei den Wahlen am 14. März für die FWG (Freie Wählergemeinschaft) Eiterfeld registriert worden, womit sie in der neuen Wahlperiode die CDU als stärkste Fraktion in der Gemeindevertretung ablösen wird.

Zu den schlechten Umfragewerten, die die Etablierten auf Bundesebene konstatieren müssen, kommt hinzu, dass auch in Osthessen und im Kreis Fulda die Wahlen nicht mehr die Selbstläufer früherer Jahre sind. Gerade wenn es um die Besetzung der kommunalen Beschlusskörperschaften in der Region geht, gehorchen die Wahlergebnisse nicht mehr überall und scheinbar wie gottgegeben nur der reinen „Farbenlehre“, die da besagt: Schwarz – dann lange nichts.

Eiterfeld: FWG ist nach der Kommunalwahl stärkste politische Kraft

Pascal Möller, der neue Fraktionsvorsitzende der FWG in Eiterfeld, rät dazu, den Wähler ernst zu nehmen und sich nicht in zurückgelehnter Haltung auf Erbhöfe zu verlassen: „Das Interesse der Menschen an Politik ist gestiegen. Sie beschäftigen sich damit, was vor Ort passiert. Und der Wähler mag es nicht, wenn Parteien glauben, dass sie die Macht automatisch gepachtet haben.“

Letztlich sei das Ergebnis einer Kommunalwahl immer das Abbild davon, wie die Bürger die Arbeit vor Ort bewerten. „Ich wehre mich dagegen, wenn es bei einem schlechten Ergebnis heißt: Der Bund ist schuld. Wenn dem so wäre, hätte beispielsweise die CDU überall die Quittung bekommen. In Nüsttal oder in Hünfeld war das jedoch nicht so“, betont Möller, der die Kommunalpolitik vor „Großkotzigkeit“ warnt: „So etwas merken die Leute schnell.“

In der Marktgemeinde Eiterfeld löst die FWG die CDU als stärkste Fraktion ab.

Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht, dass die Regierungsarbeit in Berlin oder in Wiesbaden auch als Brandbeschleuniger an der Basis wirken. Damit die Volksparteien beim Volk auch wieder besser ankommen, empfiehlt Pascal Möller mehr Volksnähe. „Man fragt sich bei vielen Entscheidungen schon, in welcher Welt die eigentlich leben“, spart der FWG-Politiker nicht mit Kritik.

Der Leibolzer ist froh, dass man in der FWG ohne Rücksicht auf die Interessen einer Partei Entscheidungen treffen kann. „Wir können uns um die Belange so kümmern, wie es uns wichtig ist. Wir müssen nicht taktieren.“ Die Tatsache allerdings, dass in der FWG ein breites politisches Spektrum vertreten ist – Konservative ebenso wie Linksgerichtete oder Liberale – bedingt intensive fraktionsinterne Debatten. „Wir haben mehrere Sichtweisen auf ein Thema, daher erzielen wir einen Konsens eventuell nur über Kompromisse. Aber was dabei herauskommt, erweist sich zumeist als überaus alltagstauglich“, erklärt Möller.

FWG-Fraktionschef Möller empfiehlt Volksnähe

Die Popularität in der Marktgemeinde erklärt sich der FWG-Spitzenmann mit einer „großen Kontinuität. Uns gibt es schon länger als 50 Jahren, wir sind stetig gewachsen.“ Länger als ein halbes Jahrhundert gibt es allerdings auch CDU und SPD schon – kann das ein Erfolgsmerkmal sein? „Wenn man sich immer wieder erneuert, frische Ideen und frische Leute dazukommen, dann schon“, hält Möller entgegen. Ein funktionierender Generationenwechsel sei Teil des „Gesamtpaketes“ der FWG, das der Wähler zu schätzen wisse.

Doch auch wenn seine FWG ab sofort die stärkste Fraktion in der Gemeindevertretung sein wird – ohne einen (oder mehrere) Bündnispartner sind Mehrheiten nicht garantiert. In der abgelaufenen Wahlperiode bildete die FWG zusammen mit der SPD eine Koalition. Dazu sagt Möller: „Es ist noch nichts entschieden. Gespräche laufen.“

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