Die dem Heiligen Bernhard geweihte Kirche in Soisdorf ist komplett von einer Wehrmauer umgeben.
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Die dem Heiligen Bernhard geweihte Kirche in Soisdorf ist komplett von einer Wehrmauer umgeben.

Steinerner Schutz

Einzigartig im Landkreis Fulda: Wehranlage Soisdorf

Der Eiterfelder Ortsteil Soisdorf wartet mit einer Besonderheit auf – er verfügt über die einzige geschlossene Wehrfriedhofsanlage mit Kirche im Landkreis Fulda. 

Soisdorf - Soisdorf, gelegen an der Antsanvia – der frühgeschichtlichen Straße von Mainz nach Erfurt – und an der alten Heerstraße von Bad Hersfeld nach Geisa, hatte eine strategische Bedeutung und ist neben Rasdorf die älteste Siedlung im Hünfelder Land. Und wie Rasdorf hat Soisdorf einen Wehrfriedhof. Mit der vollständig erhaltenen, bis zu vier Meter hohen Mauer, dem Eckturm in der Nordostecke und der Kirche, die urkundlich erstmals 1337 erwähnt wurde, ist sie die einzige geschlossene Wehrfriedhofsanlage mit Kirche im Landkreis Fulda.

Wehranlage in Soisdorf: Stammt der Glockenturm aus dem 8. Jahrhundert?

Bei Überfällen der Raubritter und in Krisenzeiten wie dem Dreißigjährigen Krieg suchte die Bevölkerung Schutz in der Wehranlage. Dort waren Unterkunftsmöglichkeiten angebaut, die jedoch verschwunden sind. Die Wehrkirche ist wohl in unterschiedlichen Jahrhunderten gebaut und erweitert worden. Der mittlerweile verstorbene Pfarrer Erwin Sturm, der die Bau- und Kunstdenkmale im Fuldaer und Hünfelder Land beschrieben hat, geht davon aus, dass der romanische Glockenturm wohl aus dem 8. Jahrhundert stammt.

Die Tafel am Eingang zum Wehrfriedhof weist auf eine Eigenkirche der fränkischen Grundherren der Mark Sorestorph hin. Die Kirche war wohl zuerst dem Apostel Jakobus dem Älteren geweiht. Seine Pilgerstatue ist im Inneren der Kirche zu finden. Seit Ende des 17. Jahrhunderts trägt sie den Namen des Heiligen Bernhard von Clairvaux. Von 1718 bis 1723 wurde die Kirche unter Fürstabt Konstantin von Buttlar erweitert und barockisiert. Ein restauriertes Wappen von ihm mit der Jahreszahl 1723 ist im Inneren über dem Chorbogen angebracht. Ein gleiches verwittertes Wappen befindet sich über dem Westeingang der Kirche.

Feier zum Jahrestag der Heiligen Afra wegen Corona-Krise außerhalb der Wehranlage

Die Kirche im Innern besitzt spätgotische und barocke Elemente Der barocke Hochaltar zeigt Christus als König mit erhobener rechter Hand und flammendem Herzen. Über ihm schwebt die Königskrone, hinter ihm steht das Kreuz. Den Abschluss des Altares bildet ein Medaillon mit dem Heiligen Geist als Taube. Assistenzfiguren sind Bernhard von Clairvaux mit flammendem Herz in der Linken und die Heilige Afra. Ihr Martyrium findet sich auf einem Gemälde an der nördlichen Innenwand wieder. Weitere Gemälde im Innern sind die Aufnahme Mariens in den Himmel (Deckengemälde) und an der Südinnenwand der Heilige Bernhard, dem die Gottesmutter erscheint.

Anfang August wurde der 365. Jahrestag der Heiligen Afra als „Verlobter Tag“ wegen der Corona-Situation nicht in der Kirche, sondern innerhalb der Wehranlage gefeiert. Diese ist ein Besuch wert. Die Wehrmauern schirmen gegen Geräusche der Umgebung ab, so dass Besucher nicht nur in, sondern auch außerhalb der Kirche meditieren können. (Winfried Möller)

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