Am Ständer mit den Opferkerzen scheint der Schwelbrand entstanden zu sein. Ein leichter Rußfilm hat den gesamten Kirchenraum überzogen.
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Am Ständer mit den Opferkerzen scheint der Schwelbrand entstanden zu sein. Ein leichter Rußfilm hat den gesamten Kirchenraum überzogen.

Versicherung nennt Details

Nach Brand in Eiterfelder Kirche: Hohe Schadenssumme - Rußfilm überzieht gesamten Kirchenraum

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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  • Sebastian Reichert
    Sebastian Reichert
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Der Brand in der Kirche von Wölf hat erheblich größere Schäden verursacht, als zunächst erwartet worden war. Rendant Emil Rehberg befürchtet, dass die Wiederherstellung eine sechsstellige Summe verschlingen wird.

Update vom 31. Januar, 8.03 Uhr: Eigentlich hatte Magdalena Rehberg, die Frau des Kirchenrechners, an diesem Sonntagnachmittag nur noch ein paar Dinge in der Kirche aufräumen wollen. Doch als sie am 17. Januar gegen 15.30 Uhr die schwere Türe öffnete, stand sie vor einer Wand aus Rauch. Umgehend verständigte sie ihren Mann Emil, der sich gerade im Fernsehen einen Biathlon-Wettbewerb ansah. Sofort eilte er mit einem Nachbarn zur nahen Kirche und alarmierte die Feuerwehr.

„Man konnte keine 20 Zentimeter weit sehen – alles war kesselschwarz“, beschreibt Emil Rehberg die Situation. Um eventueller Glut keinen frischen Sauerstoff zuzuführen, schloss er die Türe umgehend wieder und horchte zunächst, ob es Brandgeräusche gab. „Doch es war totenstill“, berichtet der 70-Jährige.

Eiterfeld: Feuer bricht in Kirche aus - Durch Nadelfilzboden breiteten sich die Flammen nicht weiter aus

Unter schwerem Atemschutz betraten dann die Feuerwehrleute die Kirche und suchten auch mit Einsatz von Wärmebildkameras, ob irgendwo Menschen im Gebäude seien. So bald wie möglich wurden Türen und Turmluken zum Lüften geöffnet, bevor die Brandschützer mit Gebläsen den verbleibenden Qualm nach draußen schafften.

Die Ursache des Feuers war schnell gefunden: Offenbar war am Ständer mit den Opferkerzen Wachs aus einem der Kerzen-Becher ausgelaufen und hatte Feuer gefangen. Dabei hatten die Flammen offenbar mit auf einer Ablage liegenden Pappschachteln mit weiteren Kerzen Nahrung gefunden: Becher und Schachtel sind zu einer schwarzen Masse verschwelt. Im Nadelfilzboden breiteten sich die Flammen dann nicht weiter aus. Das verhinderte ein Übergreifen auf die Kirchenbänke und damit möglicherweise eine Zerstörung der ganzen Kirche.

Hoher Sachschaden: Mit dieser Summe für die Instandsetzungsarbeiten in der Kirche wird gerechnet

Noch am Abend des Unglücks verständigte Rendant Rehberg per E-Mail die zuständige Versicherung, deren Kontaktdaten er nach einem Schaden durch Sturm „Sabine“ noch zur Hand hatte. Fachleute des Unternehmens seien inzwischen nach Wölf (Eiterfeld) gekommen, um den Brandort in Augenschein zu nehmen. Ein Chemiker habe zudem die Zusammensetzung des Rußes untersucht um auszuschließen, dass chlorhaltige Bestandteile weitere Risiken mit sich brächten. Auch zu einem Restaurator hat Rehberg bereits Kontakt aufgenommen, um sich zu informieren.

Die ganze Kirche einschließlich der Orgel muss gereinigt werden.

Die Maßgabe der Experten laute, keine Reinigungsarbeiten auf eigene Faust zu beginnen: Durch unsachgemäßes Vorgehen könne sonst der Rußfilm eher in Wände oder Böden gerieben als entfernt werden. Die Krippenlandschaft, die in der Nische vor dem Altarraum steht, wird wohl noch länger als bis Lichtmess stehen bleiben. Rehberg, als ehemaliger Finanzbeamter im Umgang mit Zahlen versiert, rechnet damit, dass für die Instandsetzungsarbeiten ein sechsstelliger Betrag aufgewandt werden muss. „Der Orgelbauer sagt, dass alle Pfeifen demontiert und gereinigt werden müssen.“ Jede der Heiligenfiguren, aber auch das Kreuz über dem Altar und der Tabernakel in der Kirche müssten gereinigt werden. Viel Aufwand werde auch nötig sein, um den Putz der Kirchenwände zu säubern: „Wegen der Wölbung des Kirchenraums geht das nur mit einem sich entsprechend nach oben verjüngenden Gerüst“, vermutet er.

Im September 2021 wird es 70 Jahre her sein, dass die Kirche in Wölf mit dem seltenen Namen „Pauli Bekehrung“ geweiht wurde. Ob bis dahin wieder alles in Ordnung ist?

Feuerwehreinsatz in der Kirche in Eiterfeld: Dort brannte der Opferstock.

Eiterfeld: Opferstock in Kirche brennt – Küster entdeckt Feuer zufällig

Erstmeldung vom 17. Januar

Eiterfeld - Per Einsatzmeldung hatte die Leitstelle in Fulda am Sonntagnachmittag gegen 15.45 Uhr die Feuerwehr zu einem Einsatz in Eiterfeld-Wölf in die St.-Paulus-Straße geschickt. Vor Ort stellte sich heraus, dass es in der katholischen Kirche gebrannt hatte. Der Opferstock hatte in Flammen gestanden.

Eiterfeld: Opferstock in Kirche brennt – Küster entdeckt Feuer zufällig

Der Küster der Gemeinde hatte den Brand zufällig bemerkt. Er rief sofort die Feuerwehr und konnte keinen eigenen Maßnahmen mehr treffen, da durch den brennenden Opferstock die Kirche bereits komplett verraucht war. Vermutlich waren dort Kerzen in Brand geraten.

Feuerwehreinsatz in der Kirche in Eiterfeld: Dort brannte der Opferstock.

Letztlich ging das Feuer von allein aus Die Feuerwehr war mit 15 Einsatzkräften vor Ort und musste neben der Kontrolle mit der Wärmebildkamera nur noch Lüftungsmaßnahmen durchführen. Zum Sachschaden konnte die Polizei zunächst nichts sagen, weil unklar ist, ob Schäden durch den Rauch entstanden sind.

In Fulda-Kohlhaus verhinderten zwei Zusteller der Fuldaer Zeitung jüngst offenbar einen möglichen folgenschweren Hausbrand. Sie handelten in der Nacht zu Samstag gedankenschnell und klingelten die Hausbewohner sowie Nachbarn aus dem Schlaf.

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