Die Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) Rotenburg wird nach Bad Hersfeld verlegt, nur die Reha-Abteilung bleibt am alten Standort.
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Die Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) Rotenburg wird nach Bad Hersfeld verlegt, nur die Reha-Abteilung bleibt am alten Standort.

Wegzug aus Rotenburg

Landrat Koch wird nach HKZ-Entscheidung massiv angefeindet – Anzeige gegen Facebook-Nutzer

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Das Regierungspräsidium Kassel hat Strafanzeige gegen einen Facebook-Nutzer gestellt, der den Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Dr. Michael Koch (CDU), in einem Kommentar bedroht. Das schreibt die Behörde in einer Pressemitteilung.

Bad Hersfeld/Rotenburg - Anlass für diese Bedrohung ist die Debatte um den Erhalt des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) in Rotenburg. Koch werde dabei im Internet in diversen Beiträgen und Kommentaren massiv angefeindet und auch bedroht. Das Regierungspräsidium Kassel habe sich entschieden, gegen den Verfasser Anzeige zu erstatten.

„Wir wissen um die schwierige Diskussion um das HKZ in Rotenburg. Dennoch ist bei aller inhaltlicher Auseinandersetzung ein fairer Umgang wichtig. Man muss und darf hart in der Sache diskutieren und selbstverständlich anderer Meinung sein, wenn es aber ins Persönliche geht, ist eine Grenze erreicht“, wird der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Küber zitiert.

Das RP betont, die freie Meinungsäußerung sei ein hohes, verfassungsrechtlich geschütztes Gut. Dabei brauche es jedoch Spielregeln für ein gelingendes Miteinander. „Haltung zeigen!“ sei der Titel einer Veranstaltungsreihe des RP Kassel.

Diese fand erstmalig zum Jahrestag der Ermordung von Regierungspräsident Walter Lübcke statt. „Wir wollen dazu aufrufen, Haltung zu zeigen und wir wollen selbst Haltung zeigen. Solche Kommentare dürfen wir weder einfach hinnehmen oder tolerieren“, so Lübckes Nachfolger Klüber.

Reaktion auf Millionenverluste: HKZ kommt nach Bad Hersfeld

Das Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ) wird wegen akut wirtschaftlicher Probleme von Rotenburg an der Fulda nach Bad Hersfeld verlagert. Das hat die Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg am Montag beschlossen. 2000 Menschen demonstrierten am Dienstag in Rotenburg gegen den Schritt. 

Die Entscheidung ist gefallen, aber nach wie vor gehen die Wogen hoch: Rotenburg wird künftig zum Reha-Standort reduziert. Das angesehene Herz-Kreislauf-Zentrum wird nach Bad Hersfeld verlegt. Im Jahr 2016 hatte das kreiseigene Klinikum Bad Hersfeld das HKZ erworben.

Zahlreiche Demonstranten richteten, wie die „Hersfelder Zeitung“ berichtet, ihren Zorn und ihre Kritik direkt auf Landrat Dr. Michael Koch (CDU), der Vorsitzender der Klinikum-Gesellschafterversammlung ist. Dieses Gremium hatte sich am Montag für die Umsetzung der im Curacon-Gutachten empfohlenen Maßnahmen ausgesprochen und somit auch für eine Verlagerung der Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums in das Klinikum Bad Hersfeld.

Herz-Kreislauf-Zentrum: 3000 Arbeitsplätze in Gefahr

Koch, der kürzlich signalisierte, für eine weitere Amtszeit als Landrat bereitzustehen, sprach laut „Hersfelder Zeitung“ von einer „sehr schwierigen, ja schmerzlichen Entscheidung“. Die Gesellschafter teilten aber die Auffassung des Aufsichtsrats, dass die wohnortnahe gute medizinische Versorgung und der Erhalt Tausender Arbeitsplätze dauerhaft nur sichergestellt werden könnten, wenn die vorgesehenen Einschnitte im Wesentlichen umgesetzt werden.

Nur durch eine „schnellstmögliche Bündelung aller Kräfte, das zügige Heben von Synergien und den entschlossenen Abbau von Doppelvorhaltungen“ seien die angestrebten Verbesserungen erreichbar, schreibt das Klinikum auf seiner Internetseite.

Landrat Koch betont, dass ohne Veränderungen eine große Zahl an Arbeitsplätzen an beiden Klinik-Standorten unmittelbar auf dem Spiel stehe: „Das Klinikum hat im Jahr 2019 jeden Monat mehr als eine Million Euro Defizit erwirtschaftet und das trotz hoher Arbeitsbelastung und guter medizinischer Leistungen. Die Zukunftsperspektive ist düster: Wenn wir heute nichts ändern, sind künftig jährlich zweistellige Millionendefizite vorprognostiziert, das Ende eines Klinikums in kommunaler Trägerschaft mit 3000 Arbeitsplätzen vorprogrammiert.“

Eine Sanierung der Häuser sei nach Aussage der Experten daher allein durch einschneidende Strukturmaßnahmen zu schaffen. „Wenn wir die stationäre Versorgung in kommunaler Hand behalten wollen, müssen wir bereit sein, den im Curacon-Gutachten aufgezeigten und als zukunftsfähig bewerteten Weg zu gehen.“

Landrat Koch: Verlagerung reißt Lücke in die Medizinische Versorgung des Raums

Koch unterstreicht, dass gerade erst der seinerzeitige Erwerb des HKZ überhaupt die Chance eröffne, den Gesamtkonzern in kommunaler Trägerschaft zu halten. Nicht wenige Kritiker in Rotenburg hatten Koch vorgehalten, dass man den Standort Rotenburg zugunsten von Bad Hersfeld ausbluten lasse. Zudem reiße die HKZ-Verlagerung in den Süden des Kreises eine Lücke in das Netz der medizinischen Versorgung des Raums.

Nach den Vorschlägen des Gutachtens soll die Akutmedizin nach einer mehrjährigen Übergangsphase mit den Angebotsspektren in Bad Hersfeld angepasst werden. Ziel sei es, die medizinische Expertise des HKZ zu erhalten und weiterhin eine „moderne Herzmedizin“ anzubieten, die ansonsten für immer verloren gehe, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Gesellschafterversammlung habe ausschließlich im Interesse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns und aller Menschen im Landkreis entschieden, sagte Koch. „Die Veränderungen aufzuschieben oder gar zu verhindern, würde einen dramatischen Verlust der Arbeitsplätze heraufbeschwören und die Existenz des gesamten Klinikums an allen Standorten gefährden.“

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