Abwasserversorgung in der Natur
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K+S hat Probleme, die Gesetzesvorgaben hinsichtlich Abwasserentsorgung fristgerecht zu erfüllen.

Für Salz-Gehalt der Abwässer

K+S: Zielwerte sind nicht einzuhalten

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Die Abwasserentsorgung ist eine Achillesferse des Kali-Konzerns K+S. Neue Methoden sowie Einigungen mit Umweltschützern und Politikern sollen das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser bringen. Doch laut K+S ist der Zeitplan nicht einhaltbar.

Heringen - Der Kali-Konzern K+S fordert mehr Zeit für die Lösung seiner Abwasserprobleme. Eine vereinbarte Absenkung der Salz-Grenzwerte in Werra und Weser sei nicht einzuhalten. „Wir würden erhebliche wirtschaftliche Probleme bekommen, wenn wir das so umsetzen müssten“, sagte Unternehmenssprecher Ulrich Göbel am Dienstag in Kassel. K+S hat daher eine Erlaubnis beim Regierungspräsidium Nordhessen beantragt, die zwar eine schrittweise Reduzierung der Salzeinleitung vorsieht. Die Zielwerte sind aber höher, als es die Bundesländer an Werra und Weser vereinbart hatten. Kritik kam von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne).

Die Produktionsmenge von K+S im hessisch-thüringischen Kalirevier hängt maßgeblich von der Möglichkeit ab, Salzabwässer zu entsorgen. Eine umstrittene Entsorgungsmethode – das Versenken in höheren Bodenschichten – steht dem Unternehmen ab Ende 2021 nicht mehr zur Verfügung. Die Hoffnungen ruhen auf der sogenannten Einstapelung. Dabei werden Abwässer in alte Gruben geleitet. Dabei macht K+S zwar Fortschritte, aber nicht so schnell wie es nötig wäre.

Höhere Werte für die Werra beantragt

K+S beantragt daher höhere Werte für die Werra: Ab 2022 soll beispielsweise der Zielwert im Fluss nahe der thüringischen Gemeinde Gerstungen bei 2100 Milligramm Chlorid pro Liter Wasser liegen statt bei 1580. Ohne die Möglichkeit, mehr in die Werra zu leiten, hätte das Unternehmen bis 2027 eine Entsorgungslücke: „Wir hätten fünf Millionen Kubikmeter Prozessabwässer, die wir nach der derzeitigen Modellierung bei den derzeitigen Zielwerten nicht unterbringen könnten“, so Göbel.

Allein der Transport dieser Menge zu anderen Entsorgungsorten würden 130 Millionen Euro kosten. Zudem hängen an dem Kalikonzern im Werra-Gebiet 5 300 direkte Arbeitsplätze. Siegesmund sprach von einem „Aufschub vom Aufschub“. Sie erwarte, dass K+S am verabredeten Vorgehen festhalte, „denn die Salzwerte in der Werra sind nach wie vor zu hoch.“ Die im harten Ringen gefundenen Regelungen müssten eingehalten werden. „Wir können auf keinen Fall bei den Bemühungen nachlassen, diese Werte wie geplant zu senken. Das ist auch zwingend notwendig, um die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie einzuhalten“, so Siegesmund.

Für die Versenkung der Produktionsabwässer in den Untergrund werde derzeit die Möglichkeit des Einstapelns geprüft, bestätigte sie. Diese Alternative gelte es umzusetzen, statt über höhere Salzbelastungen nachzudenken. Auch das hessische Umweltministerium reagierte reserviert. K+S wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sagte Unternehmenssprecher Göbel: „Wir wollen ebenfalls niedrigere Grenzwerte, aber nicht so schnell, weil das wirtschaftlich nicht möglich ist.“ Auch die Zielwerte des Unternehmens führten zu einer Verbesserungen für Werra und Weser. Ab 2028 werde man dann Süßwasserqualität einhalten.

Überraschend ist der Antrag nicht. Konzernchef Burkhard Lohr hatte im August 2019 erklärt, dass man mit den Weseranrainerländern „über die Gestaltung der Zielwerte“ sprechen müsse.Für Salz-Gehalt der Abwässer / Aktionsbündnis kritisiert die Länder

Aktionsbündnis

Enttäuscht von den Äußerungen der Umweltministerinnen aus Hessen und Thüringen zeigt sich das Aktionsbündnis K+S, das aus den Bürgermeistern der Standortkommunen (Heringen, Hohenroda, Philippsthal und Unterbreizbach) sowie dem K+S-Betriebsrat besteht.

„Die Unternehmensführung sowie jede und jeder einzelne Beschäftigte tun alles, um das Spannungsfeld Ökologie und Ökonomie zu befrieden. Im Konkreten heißt dies, dass massive Bestrebungen – speziell finanzieller Art – in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden und weiterhin werden, um die anfallenden Produktionsabwässer zu reduzieren“, schreibt das Bündnis in einer Mitteilung. Diese Bemühungen seien insbesondere durch die Arbeit der Kumpel erwirtschaftet.

Weiter heißt es: „Wir erwarten von beiden Ministerinnen, dass diese ein eindeutiges Zeichen in Richtung unserer Kumpel und unserer Region geben. Ein Masterplan ist kein Gesetz oder Gottes-Gebot! Wir erwarten Kompromisse, die uns voranbringen und die alle Säulen – ökologische, ökonomische und soziale – in Einklang bringen.“

Gerade, was die soziale Säule anbelange, sehe man sich seit vielen Jahren in einer Schieflage. Der stete Fingerzeig auf das Unternehmen und damit auf jeden einzelnen Beschäftigten sei kein brauchbarer Lösungsvorschlag, so das Aktionsbündnis.

dpa

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