Der Angeklagte muss acht Jahre in Haft, weil er den Vater seiner Ex-Freundin ermordet hat.
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Der Angeklagte muss acht Jahre in Haft, weil er den Vater seiner Ex-Freundin ermordet hat.

Totschlag-Prozess

Acht Jahre Haft für Angeklagten - Gericht sieht Bluttat in Buchenau nicht als Notwehr

  • Marcus Lotz
    VonMarcus Lotz
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  • Sebastian Reichert
    Sebastian Reichert
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Überraschendes Gefängnis-Urteil im Totschlag-Prozess vor dem Landgericht Fulda: Der Angeklagte muss nach dem Urteil von Richter Josef Richter aufgrund der Bluttat in Eiterfeld-Buchenau für acht Jahre in Haft. Der 23-Jährige hatte den Vater seiner Ex-Freundin erstochen.

Fulda - Das Gericht in Fulda schloss sich damit überraschend der vorherigen Forderung der Staatsanwaltschaft nicht an. Die Staatsanwaltschaft in Fulda hatte im Totschlag-Prozess um die Bluttat in Eiterfeld-Buchenau einen Freispruch für den 23 Jahre alten Angeklagten gefordert.

„Es gibt keine Zweifel daran, dass der Angeklagte der Täter war“, hatte Staatsanwalt Andreas Hellmich in seinem Plädoyer erklärt. „Ich bin jedoch nicht der sicheren Überzeugung, dass Notwehr ausgeschlossen werden kann. Mir bleiben bei dieser Sache zu viele Konjunktive.“

Fulda: Haftstrafe für Angeklagten - Gericht betrachtet Tötung nicht als Notwehr

Laut Staatsanwaltschaft hatte sich die 17-jährige Tochter des Opfers vom Angeklagten getrennt. Sie warf ihm vor, sie im Schlaf vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte war aber daraufhin noch nicht aus dem Haus in Eiterfeld-Buchenau ausgezogen, sondern versuchte dann vielmehr, seine Ex-Freundin unter Suizid-Androhungen dazu zu drängen, ihn zurückzunehmen.

Der Angeklagte muss acht Jahre in Haft, weil er den Vater seiner Ex-Freundin ermordet hat.

Der Vater der 17-Jährigen - der laut Gutachten des Rechtsmediziners am Tag der Bluttat in Buchenau auch betrunken war - suchte daraufhin am 15. Februar 2021 mehrfach in aggressiver Art das Gespräch mit dem Angeklagten. Der Vater habe zuvor auch seinen Bruder gebeten, sich um seine Töchter zu kümmern, egal, was passiere.

Richter Josef Richter verurteilt Angeklagten zu acht Jahren Haft

Es würden genügend Hinweise vorliegen, die bei der Bluttat in Eiterfeld-Buchenau für eine Notwehrlage sprächen - trotz der 14 Messerstiche -, sagte Staatsanwalt Andreas Hellmich. Die 14 Stiche könnten von einem Kampf um das Messer herrühren. Der Sichtweise der Staatsanwaltschaft, die auf Freispruch plädierte, schloss sich das Gericht in Fulda unter dem Vorsitz von Richter Josef Richter jetzt aber bei seinem Urteil am Freitagmittag nicht an.

In diesem Haus in Eiterfeld-Buchenau hatte sich die Tat ereignet.

Die Kammer wertete die Notwehr-Betrachtung als Schutzbehauptung. Gegen Notwehr sprächen unter anderem Anzahl und Schwere der Verletzungen des Opfers. Zudem habe sich der Vater zwar provokant gegenüber dem Ex-Freund seiner Tochter gezeigt, diesen bei einer Auseinandersetzung unmittelbar vor der Tat jedoch nicht körperlich, sondern nur verbal angegriffen.

Dieses Vorgehen habe das Opfer bei der Tat selbst wiederholt: Nach Auffassung der Kammer habe der Vater den 23-Jährigen lediglich verbal provoziert, woraufhin er massiv angegriffen worden sei.

Der Verteidiger des Angeklagten, Bernhard Zahn, hatte am Mittwoch ebenfalls einen Freispruch gefordert. Die Tochter war am Mittwoch während einer Verhandlungspause nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft in Tränen ausgebrochen. Für die Nebenklage hatte Rechtsanwalt Johann Müller erklärt, dass man bei 14 Stichen nicht von Notwehr ausgehen könne.

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