In diesem Haus soll ein 23-Jähriger den Vater seiner Ex-Freundin erstochen haben. Polizisten berichten nun vor Gericht von der Festnahme.
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In diesem Haus soll ein 23-Jähriger den Vater seiner Ex-Freundin erstochen haben. Polizisten berichten nun vor Gericht von der Festnahme.

Wegen Totschlags vor Gericht

Bluttat in Buchenau: Polizisten berichten von Festnahme - „Er war sehr, sehr ruhig“

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Ein 23-Jähriger soll den Vater seiner Ex-Freundin erstochen haben. Der junge Mann aus Eiterfeld-Buchenau steht wegen Totschlags vor dem Fuldaer Landgericht. Polizisten berichten, bei der Festnahme sei der Angeklagte „ruhig, fast schon teilnahmslos“ gewesen. 

Fulda/Buchenau - Es sind erschütternde Bilder, die die Polizisten so schnell wohl nicht aus dem Kopf bekommen werden: Der damals 22-jährige Angeklagte sitzt auf dem Bett und beugt sich nach vorne. Mit einem Handtuch drückt er auf den Hals des Mannes, der auf dem Boden liegt: Es ist der Vater seiner Ex-Freundin, der gerade an den schweren Schnittverletzungen gestorben ist, die der Angeklagte dem 41-Jährigen mit einem Messer zugefügt haben soll.

So wirft es ihm die Staatsanwaltschaft in Fulda vor. „Die Rettungskräfte waren bereits im Zimmer und haben den Tod des Mannes festgestellt“, schildert ein 41-jähriger Polizist. Das Opfer lag in dem kleinen Raum zwischen Bett und Wand auf dem Boden. Der Polizist berichtet von einer großen Blutlache. Der 41-Jährige war durch zahlreiche Messerstiche getötet worden.

Fulda: Bluttat von Buchenau - Polizisten berichten von Festnahme

Der mutmaßliche Täter saß auf dem Bett. Oberkörperfrei und barfuß, nur mit einer Sport-Shorts bekleidet. An seinem Oberkörper und an seinen Füßen haftete Blut, schildern die beiden Beamten, die nach dem Rettungsdienst die ersten waren, die den Tatort betraten. Der 41-jährige Polizist spricht den jungen Mann an, der vom Bett aufsteht. Er legt ihm Handschellen an, geht mit ihm in ein Nebenzimmer und klärt ihn über seine Rechte auf.

Er sei „sehr, sehr ruhig“ gewesen – so beschreiben ihn beide Polizisten, die ihn kurz nach der Tat beobachtet haben. Ein dritter, der dazu kam, sagt, er habe „fast teilnahmslos“ gewirkt. Der junge Mann lässt sich widerstandslos festnehmen. Er redet wenig. Auf die Frage, was passiert ist, erklärt er: Es sei zum Streit mit dem Vater der Ex-Freundin gekommen. Dieser sei mit einer Holzlatte auf ihn losgegangen und habe ihm gedroht: „Ich bringe dich um.“ Der 22-Jährige habe daraufhin das Messer gezückt, um sich zu wehren. Die Männer hätten um das Messer gerangelt, so dass der junge Mann selbst eine Schnittwunde am Arm davongetragen hat.

Tötungsdelikt in Buchenau - Polizisten beschreiben Angeklagten als „sehr, sehr ruhig“

Als der 41-Jährige am Boden lag, sei der Angeklagte ins Bad gegangen, um seine eigene Wunde zu verbinden. Dort habe er das Messer abgelegt. So hat der Angeklagte es den Polizisten vor Ort geschildert. „Ich war überrascht, dass er nach so einer Tat so gefasst war“, erklärt ein 42-jähriger Beamter. Während sein Kollege mit dem mutmaßlichen Täter im Obergeschoss blieb, ging der Polizist ins Erdgeschoss, wo sich die beiden Töchter und Rettungskräfte befanden.

„Die Neunjährige war ruhig. Sie hat, glaube ich, nicht begriffen, was geschehen ist“, erklärt er. Anders die 17-Jährige, der bewusst war, dass ihr Ex-Freund, von dem sie sich am Morgen getrennt hatte, ihren Vater erstochen hat. Sie war „völlig aufgelöst, angespannt, traurig, enttäuscht und wütend“, beschreibt der Polizist.

Wie es bereits zu Beginn des Prozesses vergangene Woche zur Sprache kam, habe der Vater ihren Ex-Freund zur Rede stellen wollen. Der Grund: Die Tochter hatte ihm berichtet, der 22-Jährige habe sie im Schlaf vergewaltigt. Der junge Mann lebte mit dem Vater und der 17-Jährigen in dem Fachwerkhaus im Buchenauer Kirchweg, die neunjährige Tochter war nur zu Besuch.

23-Jähriger wegen Totschlags vor dem Landgericht Fulda: Polizisten sagen aus

Die heute 18-Jährige hatte in ihrer Aussage vor Gericht vergangene Woche erklärt, ihr Vater habe hitzköpfig werden können. Über ihren Ex-Freund sagte sie, er sei ein freundlicher Mensch, der zwar manchmal misslaunig, aber nie handgreiflich wurde. Das Verhältnis beider Männer sei zuvor nie angespannt gewesen.

Der Prozess unter dem Vorsitz von Josef Richter wird am 24. August um 9.30 Uhr fortgesetzt. Weitere Zeugen werden gehört. Im weiteren Verlauf des Prozesses soll unter anderem ein psychiatrischer Gutachter über den Angeklagten aussagen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem jungen Mann, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, bis zu 15 Jahre Gefängnis.

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