Schatten mit Messer
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Mit einem Bundeswehrmesser soll der 23-jährige Angeklagte dem 41-jährigen Vater seiner Ex-Freundin 14 Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen zugefügt haben. Der Mann ist verblutet. (Symbolfoto)

Bluttat in Buchenau

Angeklagter stach 14-mal zu - Rechtsmediziner und Psychiater stellen Gutachten vor

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Der Totschlag-Prozess in Fulda neigt sich dem Ende zu: Ein 23-Jähriger soll in Eiterfeld-Buchenau den Vater seiner Ex-Freundin erstochen haben. Gestern schilderten der rechtsmedizinische und der psychiatrische Gutachter ihre Erkenntnisse. 

Fulda/Buchenau: Als der Rechtsmediziner beginnt, von den zahlreichen Verletzungen des Toten zu berichten, verlässt die 18-jährige Tochter des Verstorbenen den Gerichtssaal. Sie tritt als Nebenklägerin auf im Prozess, der sich gegen ihren Ex-Freund richtet. Am 15. Februar dieses Jahres war in einem Wohnhaus in Eiterfeld-Buchenau im Landkreis Fulda ein Streit zwischen dem 23-Jährigen und dem 41-jährigen Vater zweier Töchter entbrannt, der für den Vater tödlich endete.

14 Verletzungen stellte der rechtsmedizinische Sachverständige, Christopher Hochscheid aus Gießen, an dem Leichnam fest – vier Schnitt- und zehn Stichverletzungen. Mit einem Bundeswehrmesser soll der damals 22-Jährige auf den Vater seiner Ex-Freundin eingestochen haben, teilweise mit viel Kraft. Ein Stich war 13 Zentimeter tief – hier muss das Messer fast vollständig in dem Arm des Geschädigten gesteckt haben. Die Klinge war gut 14 Zentimeter lang. (Lesen Sie hier: Bluttat in Buchenau: Polizisten berichten von Festnahme - „Er war sehr, sehr ruhig“)

Fulda: Bluttat in Buchenau - Rechtsmediziner und Psychiater stellen Gutachten vor

Die Verletzungen verteilen sich über den gesamten Körper und „haben in ihrer Gesamtheit zum Verbluten innerhalb von nur wenigen Minuten geführt“, erklärt der Gutachter. Hauptursächlich für den Tod sei aber ein Stich in den Oberschenkel gewesen. Dabei sei eine Arterie getroffen worden.

Auffällig sei, dass weder Opfer noch mutmaßlicher Täter Abwehrverletzungen hätten. Der Sachverständige kann sich dies nicht erklären, es könnte aber bei dem Opfer an der Alkoholisierung gelegen haben. Der 41-Jährige habe bei der Blutuntersuchung noch 1,56 Promille gehabt. Laut seiner Tochter seien es an diesem Abend vier Bier und eine halbe Flasche Likör gewesen.

Angetrunken war er ins Zimmer des Ex-Freundes gegangen, um ihn zur Rede zu stellen, weil der damals 22-Jährige seine Tochter vergewaltigt haben soll. Dies war der Grund, dass die damals 17-Jährige sich am Vorabend von dem mit im Haus lebenden Mann getrennt hatte.

Buchenauer Bluttat: Psychiater macht sich Bild über Biografie des Angeklagten

Zur Tat selbst schweigt der Angeklagte. Am Tatabend hat er jedoch gegenüber Polizisten erklärt, er habe sich gegen den 41-Jährigen gewehrt, weil dieser mit einer Holzlatte auf ihn eingeschlagen haben soll. Ein Notärztin sagte, dass eine Wunde am Rücken des 23-Jährigen zu einem Schlag mit einer Latte passen würde. Der rechtsmedizinische Gutachter bestätigt, dass zwei Hämatome am Rücken des Angeklagten tatsächlich auf zwei Schläge mit einem Gegenstand hindeuten könnten. Die Polizisten äußerten zusätzlich, dass der Angeklagte bei der Festnahme am Tatabend „sehr, sehr ruhig“ war.

Auf ein Gespräch mit dem Psychiater hat sich der heute 23-Jährige, der sich seit Februar in U-Haft befindet, eingelassen. Jedoch äußerte er sich darin weder zur Tat noch zur Beziehung mit der 18-Jährigen, die sie seit April 2019 geführt hatten.

So konnte sich der psychiatrische Gutachter Dr. Helge Laubinger aus Kassel ausschließlich über die Biografie des jungen Mannes ein Bild machen sowie über Zeugenaussagen. Seine Kindheit verlief unauffällig. Er sei vielfältig interessiert, habe Trompete gespielt und in der Jugendfeuerwehr mitgewirkt. Auseinandersetzungen sei er stets aus dem Weg gegangen. Auch mit dem Vater seiner Freundin sei er immer gut ausgekommen.

Angeklagter bat Freundin, ihn mit Bundeswehrmesser umzubringen.

Dass er, nachdem seine Freundin Schluss gemacht hatte, von Selbstmord sprach und seine Ex-Freundin bat, mit dem Bundeswehrmesser, das er auf seine Brust hielt, zuzustechen, habe er im Nachhinein als „dumm“ bezeichnet. Er habe keine suizidalen Gedanken; diese Einschätzung hat auch der Gutachter, der sagt, das Verhalten sei so auch bei psychisch Gesunden zu beobachten, es ergebe sich aus dem Beziehungskonflikt und nicht aufgrund einer Erkrankung. Dr. Laubinger kommt zu dem Schluss: Der 23-Jährige ist voll schuldfähig.

Ob und wie der Buchenauer zu bestrafen ist, dazu geben Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung am Mittwoch um 9.30 Uhr in ihren Plädoyers eine Einschätzung ab. Am Freitag will Richter Josef Richter das Urteil fällen.

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