In diesem Haus hat sich die Tat ereignet.
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In diesem Haus in Eiterfeld-Buchenau hat sich die Tat ereignet.

Körperliche Auseinandersetzung?

Bluttat in Buchenau: Aussage von Notärztin enthüllt neues Detail

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Ein 41-Jähriger Mann wird am Rosenmontag dieses Jahres in Buchenau in Eiterfeld mit mehreren Messerstichen getötet. Im Prozess gegen den inzwischen 23-jährigen Ex-Freund seiner Tochter hat am Montag unter anderem die 18-Jährige und eine Notärztin ausgesagt.

Bucheanu/Fulda - Er schaut starr in die Luft oder auf den Tisch vor sich, als seine 18-Jährige Ex-Freundin zur Bluttat am Abend des 15. Februar dieses Jahres in Eiterfeld (Hessen) aussagt: Am Vorabend der Tat habe sie sich vom Angeklagten getrennt. „Mangelndes Vertrauen“ sei der Grund gewesen, denn der 23-Jährige habe, während sie schlief und gegen ihren Willen, Sex mit ihr gehabt. Als Reaktion auf die Trennung soll dieser gefordert haben, dass sie ihn mit einem Messer tötet, das sich der 23-Jährige bereits auf die Brust gelegt hatte, sagt die 18-Jährige.

Nachdem sich die Tochter ob des Missbrauchs ihrem Vater anvertraut hatte, habe dieser, der den Angaben seiner Tochter zur Folge über einen starken Beschützerinstinkt verfügt habe, die beiden Ex-Partner „räumlich voneinander getrennt“. Am selben Abend habe sich die 18-Jährige dann mit ihrer jüngeren Schwester zum fernsehen ins Bett des Vaters gelegt, während der Angeklagte im Zimmer der 18-Jährigen geblieben sei.

Hessen: Bluttat von Eiterfeld - Notärztin enthüllt vor Gericht neues Detail

Trotz kleinerer Zwischenfälle – etwa einer Auseinandersetzung zwischen Vater und Ex-Freund, bei der der Vater den Angeklagten ausgelacht habe –, sei der Tag laut der Tochter „ruhig verlaufen“. Wie oft habe der Vater außerdem „ein paar Bier“ getrunken. Schließlich habe der Vater erneut das Gespräch zum 23-Jährigen suchen wollen. „Bleib ruhig und übertreib es nicht“, habe die 18-Jährige noch „gewitzelt“. Sie habe ihren Vater gekannt, er habe hitzköpfig werden können. „Du kennst mich doch“, soll der Vater geantwortet haben. Sie solle sich außerdem keine Gedanken machen, falls es lauter werde.

Etwa zehn Minuten später habe die 18-Jährige ein Poltern und Schritte gehört. Kurz darauf habe der Angeklagte mit einem blutigen Messer im Zimmer gestanden. „Wenn du für deinen Vater einen Krankenwagen holen willst, dann mach das jetzt“, soll er gesagt haben. Sofort sei die Tochter zu ihrem Vater gerannt, habe versucht, die Blutungen zu stillen. Geholfen habe der 23-Jährige lediglich auf flehende Anweisungen der 18-Jährigen. Sie habe ihn in diesem Moment als „ruhig“, „wie einen anderen Menschen“ und „nicht so wie den Mann, den ich geliebt habe“ wahrgenommen. (Lesen Sie hier: Nach Tötung in Einfamilienhaus - Polizei nimmt Tatverdächtigen in Eiterfeld fest)

Tötungsdelikt in Buchenau - Ex-Freundin beschreibt Angeklagten als „freundlichen Menschen“

Auf die verzweifelte Frage des Mädchens, wieso er das getan habe, habe der Angeklagte laut Tochter so reagiert: „Er lächelte und drehte sich weg.“ Die Frage, wieso er „ihm auch noch die Kehle aufgeschnitten“ habe, soll er mit den Worten „Oh, dann habe ich wohl das Messer falsch herum gehalten“ beantwortet haben.

Im Laufe des Verhandlungstages geht die Kammer um Vorsitzenden Richter Josef Richter auch auf die Verhältnisse zwischen den drei Personen, die zu dieser Zeit gemeinsam in dem Fachwerkhaus im Kirchweg lebten, ein. Den Vater habe der Angeklagte, der früher bei der Feuerwehr tätig war, Trompete spielte und zuletzt arbeitslos war und seine Zeit vor der Konsole oder beim Holzhacken vertrieb, auf der Arbeit kennengelernt, wie dieser gestern selbst berichtete. (Lesen Sie hier: Vater von Ex-Freund der Tochter getötet - Tochter versucht vergeblich, Blutung zu stillen)

Bei einem Praktikum dort habe sie den Angeklagten dann kennengelernt. „Wir haben uns ziemlich gut verstanden“, klärt die Tochter auf. Der Liebe wegen sei er schließlich in das Haus gezogen, man habe sich öfter sehen wollen.

Ein freundlicher Mensch sei der heute 23-Jährige gewesen. Dies habe sich jedoch schnell ändern können, wenn etwas „gegen seine Launen passierte“. Dann sei er misslaunig, jedoch nie handgreiflich geworden.

Gab es einen Konflikt vor der Tat? - Aussage von Notärztin soll Licht ins Dunkel bringen

Den Vater hingegen beschreibt die Tochter als freundlich – als einen Mann, der stets nach dem Prinzip „Wie du mir, so ich dir“ gelebt habe. Der 41-Jährige sei ihr engster Vertrauter gewesen. Auch die Beziehung zwischen dem Angeklagten und dem Vater war Thema während der Verhandlung: „Das Verhältnis zwischen meinem Vater und meinem Ex-Freund war nie angespannt. Mein Vater hat ihn zur Familie gezählt“, sagt die 18-Jährige.

Licht ins Dunkel soll auch die Notärztin bringen, die an jenem Abend im Einsatz war. Sie erinnert sich, dass die Tochter ihr an jenem Abend berichtet habe, der Vater sei mit einer Holzlatte nach oben zum Angeklagten gegangen. An diese Aussage könne die 18-Jährige sich heute nicht mehr erinnern. Eine Wunde am Rücken des 23-Jährigen passe jedoch zu einem Schlag mit einer Holzlatte. Von dieser Holzlatte fehle jedoch jede Spur. Er hätte sich wehren müssen, habe der Angeklagte der Notärztin damals gegenüber außerdem gesagt. (Lesen Sie hier: Tötungsdelikt in Eiterfeld - Wählte der Tatverdächtige den Notruf?)

Auch an den Zustand der 18-Jährigen erinnert sich die Notärztin genau: „Sie war aufgelöst, hat sich die Schuld am Tod des Vaters gegeben.“ Der Angeklagte hingegen sei ruhig gewesen, habe sich kooperativ gezeigt. Das bestätigt auch jener Arzt, zu dem die Polizei den Angeklagten nach der Tat zur Untersuchung gebracht hatte.

Die Verhandlung wird am Montag, 23. August, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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