Der Neuntöter ist in der Rhön rar geworden. Die entbuschten Wiesenflächen verbessern seinen Lebensraum.
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Der Neuntöter ist in der Rhön rar geworden. Die entbuschten Wiesenflächen verbessern seinen Lebensraum.

Schutz für Kalkmagerrasen

Roden für den Naturschutz: Entbuschung schafft Lebensraum für Neuntöter und Co

Graugrün, leicht gerupft und etwas langweilig - so sehen die Flächen am Betzenrain und dem Ellersrain bei Nüsttal aktuell aus. Doch der Eindruck täuscht: Dort, wo sich in den vergangenen Jahren Buschwerk breitgemacht hatte, gibt es nun Licht und Luft für neues Leben.

Nüsttal - Für Kenner ist die Gemarkung der Gemeinde Nüsttal im Kreis Fulda eine Schatzkammer. Denn die Hänge entlang der Nüst und des Aschenbachs sind reich an sogenannten Kalkmagerrasen. Das sind Lebensräume, auf denen auf Kalksteingrund Pflanzengemeinschaften zusammenkommen, die gerade auf nährstoffarmen, als „mageren“ Böden gedeihen. Rund 13 Hektar dieser Art Flächen gibt es in Nüsttal. 

Roden für den Naturschutz: Entbuschung schafft Lebensraum für Neuntöter und Co

Im Frühjahr und Sommer ist es dann vorbei mit „graugrün und langweilig“, denn die Magerrasen präsentieren sich dann bunt – sie zählen zu den arten- und blütenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Solche Flächen zu erhalten und zu verbessern, ist ein Ziel des LIFE-Projekts Rhöner Bergwiesen.

Nachdem 2020 Linsberg, Malhauk und Elzbachsrain bearbeitet wurden, sind 2021 der Betzenrain und der Ellersrain an der Reihe. Auch dort werden die Folgen des landwirtschaftlichen Wandels in den vergangenen 100 Jahren sichtbar: Wo ab dem Frühjahr eigentlich alles bunt blühen, brummen und summen sollte, haben sich Heckenrosen, Schwarzdorn, Weißdorn und andere Büsche ausgebreitet.

Hintergrund: LIFE

Das von der EU geförderte LIFE-Projekt „Hessische Rhön – Berggrünland, Hutungen und ihre Vögel“ widmet sich seit 2016 dem Schutz und Erhalt der bedrohten Rhöner Bergwiesen. Die über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten wie Bekassine und Wachtelkönig, Arnika und Trollblume. Durch veränderte Landnutzung verschwinden die charakteristischen Wiesen jedoch immer mehr. Mit enger Unterstützung der Landwirtschaft steuert das LIFE-Projekt mit Maßnahmen zur Erhaltung des Berggrünlands und zur Wiederherstellung von Bodenbrüter-Lebensräumen dagegen. Weitere Infos online. 

Kristine Schmitt vom LIFE-Projekt Rhöner Bergwiesen erklärt das Problem: „Die traditionelle Nutzung aus Heugewinnung und Beweidung lohnt sich an diesen steilen Hanglagen nicht mehr. Daher erobern Gehölze die Flächen,  die an die Nutzung angepassten Arten auf den nährstoffarmen Böden verschwinden.“

Dabei stehen Kalkmagerrasen aufgrund ihrer enormen Vielfalt an seltenen Arten, die auch Orchideen hervorbringt, unter besonderem Schutz der EU. Das findet Ausdruck in der Arbeit des LIFE-Projekts Rhöner Bergwiesen im Biosphärenreservat Rhön .Der erste Schritt sei ein Entbuschen der Flächen gewesen, erklärt Ranger Arnold Will, der die Arbeiten betreut hat.

Gerade das großflächige maschinelle Entfernen von Gehölz rufe bei Spaziergängern oft Unverständnis hervor, da auf den ersten Blick nicht einzusehen sei, dass hier für den Naturschutz gerodet werde. Aber durch das Freischneiden bleibt Lebensraum genau für jene Arten erhalten, die auf die offenen Flächen angewiesen sind. 

Unverständnis auf den ersten Blick - aber artenreiches Nahrungsbiotop für Neuntöter

Davon profitiert neben den Pflanzen und Insekten auch Vogelarten wie der Neuntöter. Der Vogel mit dem bedrohlich klingenden Namen benötigt aber selber Schutz. Zwischen 2006 und 2015 ist der Bestand im Vogelschutzgebiet Hessische Rhön stark eingebrochen.

Wie es aktuell um die Art bestellt ist, soll das laufende Monitoring klären. Ein Lebensraum mit Hecken, aber auch insektenreichem Grünland ist für ihn und andere Arten wie den Wiesenpieper ideal. Am Ellers- und Betzenrain könnten die Tiere finden, was sie brauchen.

Über die „Aufräumarbeiten“ am Ellersrain freut sich auch Eigentümer Josef Möller aus Oberaschenbach. Er nutzt die Flächen als Weide für seine Mutterkuhhaltung. Da die Tiere nur zweimal im Jahr für jeweils eine Woche auf der Fläche sind und weder gedüngt noch gemäht wird, kann sich auch hier ein artenreiches Nahrungsbiotop für den Neuntöter entwickeln.

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