Landgasthof Goldener Engel in Mackenzell
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Rechts neben der Eingangstür entsteht derzeit ein Aufzug als barrierefreier Zugang in den Landgasthof Goldener Engel in Mackenzell – nur ein Teil der aufwendigen Modernisierungsmaßnahmen.

Gegen den Trend

Gastwirt Diethelm Brehl investiert 350.000 Euro in Modernisierung 

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Während immer mehr Landgasthöfe von der Bildfläche verschwinden, stößt Diethelm Brehl als Eigentümer und Betreiber des Goldenen Engel in Mackenzell derzeit die dritte große Investition binnen sieben Jahren an.

Mackenzell - Nachdem 2013 der Festsaal grundlegend energetisch saniert und 2016 der Gastraum modernisiert worden waren, stehen diesmal der barrierefreie Zugang zu Toiletten, Gastraum und Gästezimmern sowie die komplette Neugestaltung und Vergrößerung von 5 der insgesamt 16 Gästezimmer auf der Agenda. Dafür ist unter anderem die Errichtung eines teils verglasten Aufzugs im Bereich der Außenfassade vonnöten. Auf rund 350.000 Euro schätzt Diethelm Brehl die von Architekt Charly Möller geplante Investition. Insgesamt, sagt Brehl, hat er seit der Übernahme der Gaststätte vor zehn Jahren mehr als eine halbe Million Euro investiert. 

Die Gründe sind vielfältig. „Ich verstehe den Goldenen Engel als Zentrum des Ortslebens. Hier werden Fasching und Kirmes gefeiert. Hier werden Tröster veranstaltet, runde Geburtstage begangen. Ich fühle mich auch ein Stück weit für das Fortbestehen des kulturellen Lebens in Mackenzell mitverantwortlich“, sagt der 58-jährige Brehl. Gleichermaßen sagt er, „dass es kein schöner Anblick ist, beispielsweise durch den Vogelsberg zu fahren und fast in jedem Ort einen mit Bretter vernagelten Gasthof zu sehen, der zum Verkauf steht“. 

Jana und Diethelm Brehl präsentieren eines ihrer von Grund auf neu und modern gestalteten Gästezimmer.

Barrierefreier Zugang

Meist handle es sich um große Immobilienobjekte mitten in Ortschaften, die mit der Zeit verkümmern. Brehl will dies für seinen Gasthof nicht und blickt in die Zukunft: Den Goldenen Engel versteht er als Familienbetrieb, in den neben dem Stammpersonal Ehefrau Jana und Schwester Eva stark eingebunden sind und viel zu verdanken ist. Ob seine Söhne den Betrieb übernehmen werden, sei noch nicht entschieden. Felix ist 16, Ole 14. „Zehn Jahre werde ich sicherlich noch machen. Dann werden wir sehen, was passiert. Aber der Weg ist geebnet. Auch dafür, dass die Räumlichkeiten beispielsweise in Wohnungen umgebaut werden könnten“, erklärt Brehl. Seit 1912 ist das Gebäude in Familienbesitz und wird seither als Gasthaus genutzt. 

Brehl hofft, durch die Modernisierung der Komfortzimmer und den barrierefreien Zugang mehr Touristen locken zu können. „Bislang ist das in Mackenzell ein schwaches Geschäft. Meist gastieren bei uns Monteure oder Gäste, die auf Veranstaltungen oder Messen in der Umgebung arbeiten oder eingeladen sind.“ Anfang Juni sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Brehl kann berichten, dass sich die früheren Investitionen gelohnt haben. „Seit 2015 hat das Geschäft mit Feierlichkeiten bei uns stark angezogen. Die neu gestalteten Räumlichkeiten lassen vielfältige Möglichkeiten zu. Die Orte, an denen große Veranstaltungen begangen werden können, werden weniger.“ Zudem scheuten sich Menschen immer mehr, größere Feste in Sportheimen oder Schützenhäusern auszurichten. Sei es aus Bequemlichkeit oder Zeitgründen. 

Feiern abgesagt

Feierlichkeiten und Übernachtungen seien die Zugpferde, auf die er setzen müsse. Das Thekengeschäft, sagt Brehl, hat keinen Stellenwert mehr. „Früher konnten wir die Uhr danach stellen, dass die Theke um 16.30 Uhr voll sitzt. An jedem Öffnungstag. Heute kommen nur noch sonntags ein paar Leute zum Würfeln, Knobeln und Bier trinken. Die Gesellschaft hat sich dahingehend verändert, damit müssen sich Gastwirte arrangieren.“

Die Corona-Krise macht auch ihm zu schaffen: Seit dem 20. März seien 17 größere Feiern in seinen Räumlichkeiten abgesagt worden. Nicht nur diese hätten ein finanzielles Loch hinterlassen, vielmehr auch die stornierten Übernachtungen. Ein Abholservice für Essen, den er derzeit anbietet, sei vor allem für die Stammkunden als Wertschätzung gedacht. Auch muss Brehl gestehen, dass sich die Vorfreude auf die Wiedereröffnung am Wochenende in Grenzen hält. Die strengen Auflagen ließen den „Papierkrieg“ noch weiter ansteigen. Ob sich der Gastwirtschaftsbetrieb in den nächsten Wochen wirtschaftlich rechnen wird, glaubt er nicht. „Aber ich will zeigen, dass ich da bin.“ 

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