Über eine Mechanik mit Seilzügen und Gestängen werden die Glocken angeschlagen. Geisa Carillon
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Über eine Mechanik mit Seilzügen und Gestängen werden die Glocken angeschlagen.

Ein Konzert für den ganzen Ort

David Kölzner spielt mit den Fäusten und viel Gefühl das Carillon im Turm der Geisaer Stadtkirche

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Konzentriert sitzt David Kölzner auf einer Art Orgelbank. Dann beginnt der 24-Jährige, mit den Fäusten, aber dennoch behutsam auf die Holzstäbe vor sich zu schlagen – und aus dem Turm der Geisaer Stadtkirche erklingt, von Glocken gespielt, das Kirchenlied „Lobe den Herren“.

Geisa - Choräle, aber auch Improvisationen über Kirchen- und Volkslieder – das sind die Kernstücke des Repertoires, das David Kölzner auf dem besonderen Instrument zu Gehör bringt. Der junge Mann hat es nicht weit zu seinem Spielort: Er ist in Dermbach zu Hause. Aber erst während seines Musikstudiums in Würzburg wurde er auf das Carillon „vor der Haustüre“ aufmerksam.

David Kölzner spielt das Carillon im Turm der Geisaer Stadtkirche

Denn in Würzburg führte Dozent Dr. Dr. Jürgen Buchner die Studierenden in die Neubaukirche, um ihnen das dortige Carillon vorzustellen. Dort erfuhr der Dozent im Gespräch von Kölzners thüringischer Herkunft. Dann war gleich das Geisaer Glockenspiel Thema, denn Buchner gehört zu den Menschen, die bei dem Projekt schon sehr früh beteiligt waren: Als das 2003 eingeweihte und damals auf Initiative von Pfarrer Uwe Hahner gebaute und aus Spenden finanzierte Instrument erstmals erklang, war Buchner als Berater und Musiker dabei. Seitdem hat er bereits viele Konzerte in Geisa gegeben.

Nach einem Carillon-Seminar an der Uni kamen Buchner und der Dermbacher Student näher in Kontakt und Kölzners Weg zum Carillon wurde konkret. Nach einer Darbietung Buchners steuerte auch der Studiosus erste Töne bei.

Konzert & Kontakt

In einem Konzert erklingt das Glockenspiel am Tag der Deutschen Einheit (Samstag, 3. Oktober) um 15 Uhr. Dann wird die Japanerin Yuko Tajima (Frankfurt am Main) das Glockenspiel erklingen lassen.

Wer lernen möchte, wie man das Carilillon spielt, der kann sich per E-Mail an den Glockenspiel-Verein wenden: info@glockenspiel-geisa.de.

Publikum genießt Musik vor dem Turm in Geisa

Inzwischen gehört David Kölzner, der kurz vor dem Bachelor-Abschluss steht und dann als Musikpädagoge („am liebsten in der Nähe hier in Thüringen“) arbeiten möchte, fest zu dem Team derer, die am Geisaer Kirchturm konzertieren. In den Zeiten vor der Corona-Pandemie konnten die Zuhörer den Musizierenden direkt auf die Finger schauen und Kirchturm-Atmosphäre erleben – Fledermäuse inklusive.

Insgesamt 49 Glocken hängen im Turm der Geisaer Stadtkirche. Das gesamte, 2003 eingeweihte Instrument – die Glocken mit der Mechanik und der Metallkonstruktion – wiegt mehr als viereinhalb Tonnen.

Derzeit steht das Publikum unten vor dem Turm und genießt – wie viele andere Menschen in Geisa – die eindrücklichen Klänge aus etwas größerer Distanz.

Das Spielen sei gar nicht so schwierig, versichert Kölzner, der musikalisch vom Klavier kommt: Wer ein anderes Instrument spiele, könne den Umstieg gut schaffen. Und man müsse auch keine Angst vor dem Üben haben: „Dazu muss niemand auf den Turm, so dass halb Geisa jeden Fehler hören würde. In der Kirche und in den Räumen der Musikschule gibt es einen Übungsspieltisch, auf dem man sich fit machen kann, bevor man erstmals auf dem ,Stokkenklavier‘ im Turm für alle hörbar spielt.“

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