Zwei Damen sind in einem Bekleidungsgeschäft mit einem Mundschutz ausgestattet.
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Der Trubel in Hünfelds Innenstadt blieb aus.

Geöffnete Geschäfte

Andrang auf Hünfelder Innenstadt bleibt erstmal aus

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Dichtes Gedränge? Schlangestehen bis auf die Straße? Im Gegenteil: Viel mehr Trubel als in den Wochen zuvor war auch am Montag in Hünfelds Innenstadt nicht wahrnehmbar. Mit dem großen Unterschied, dass fast alle Geschäfte wieder geöffnet haben.

  • Geschäfte wieder geöffnet: Trotzdem kein Trubel am Montag in Hünfelds Innenstadt.
  • Übergangsartikel sind nur noch bedingt gefragt.

„Es waren schon ein paar Kunden da, aber vergleichbar mit einem Montagvormittag aus Vor-Corona-Zeiten ist das bei Weitem nicht“, gab Stefan Pappert, Inhaber von „Schreib & Spiel Herrmann“, seinen ersten Eindruck wieder und zeigt für die offensichtlichen Anlaufschwierigkeiten Verständnis, „weil ich glaube, dass sich viele Menschen an die neue Situation gewöhnen müssen und weiter vorsichtig bleiben“.

Entgegentreten will Pappert den befürchteten Umsatzeinbußen mit einem während des Lockdowns eingeführten Lieferservice, den er dauerhaft beibehalten möchte.

Verluste über Ostern wirken schwer

„Die Leute sind erstaunt, dass wir noch am Tag der Bestellung ausliefern. Schneller als bei Amazon, und Amazon bezahlt bei uns in Deutschland ja kaum Steuern. Das müssen die Kunden spüren. Das Vertrauen in die Geschäfte vor Ort muss gerade jetzt noch mehr gestärkt werden“, sagte Pappert. Aufholbar seien die Umsatzverluste derweil nicht mehr, schließlich wäre das gesamte Ostergeschäft weggebrochen und dies sei mittlerweile beinahe vergleichbar mit Weihnachten.

Sichtbar machte Tobias Fladung die vorösterlichen Verluste. In einen großen Sack stopfte der Inhaber von „Typisch Tobi“ jede Menge Osterdeko, um Platz für Neues zu schaffen. „Jetzt sind die ganzen schönen Osterhasen weg“, sinnierte er wehmütig vor sich her und stellt sich fortan auf ein anderes Geschäft ein: „Weil nicht im großen Stile gefeiert werden darf, schätze ich, dass von meinem Kerngeschäft, dem Verkauf von Geschenkartikeln, maximal 50 Prozent Umsatz übrigbleiben werden.“ Eilig hat Fladung nun dekorative Artikel zum Thema Garten bestellt, auf deren Anlieferung er sehnlichst wartet.

Reicht uns der Schlabberlook?

Nichts wie vorher ist derzeit auch in der Textilbranche. „Keine Kommunion, keine Konfirmation, keine Hochzeiten, keine runden Geburtstage. Das sind Auswirkungen, die uns auch in der Zeit nach der Wiedereröffnung hart treffen werden“, sagt Petra Richter, die seit 26 Jahren das Männermodegeschäft „Lifestyle“ führt.

Zudem seien die Übergangsartikel, die in Vor-Corona-Zeiten den Laden ausgefüllt hätten, jetzt nur noch bedingt gefragt. „Und ganz ehrlich: Viele Menschen sind zurzeit im Homeoffice, denen reicht ja schon ein Schlabberlook.“ Richter ist dennoch froh, dass ihr Laden seit gestern wieder geöffnet hat. „Im Verkauf zählt jeder Tag und wir sind glücklich, dass wir nun zumindest wieder die Chance haben, Klamotten zu verkaufen.“

Hoffnung auf Unterstützung durch Kunden

Richter habe sich in der Zeit der Schließung genau in Hünfeld umgeschaut. „Und da ist sicherlich nicht nur mir bewusst geworden, wie es ist, wenn die Läden zu sind. Wie es ist, wenn eine Innenstadt ausgestorben ist. Das ist die Situation, in die wir kommen würden, wenn Menschen nur noch im Internet einkaufen würden.“

Richter hoffe inständig, dass die Menschen dies nun im Hinterkopf hätten und die Geschäfte vor Ort unterstützen würden. Dass dies in Zeiten der ungewohnten Einkaufssituation ein gewisses Maß an Anlaufzeit erfordert, sei normal. Richter trägt währenddessen einen Mundschutz. Normalität ist noch längst nicht eingekehrt.

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