Signierstunde nach der Buchvorstellung. Gerhard Schätzlein war nach seinem Vortrag als Gesprächspartner und Unterzeichner gefragt. Foto: Jana Tegel

Gerhard Schätzlein stellte Buch über Reichsarbeitsdienst vor

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Geisa - Ein bisher nur wenig beachtetes Kapitel der Geschichte der Rhön ist im Geisaer Schloss am Freitag aufgeschlagen worden. Gerhard Schätzlein stellte sein Buch "Der Reichsarbeitsdienst in der Rhön von 1932 bis 1945" vor. Das Buch ist das Ergebnis fast dreijähriger Recherchen und der Arbeit mit Zeitzeugen.

Über 1000 Dokumente und Fotos aus dieser Zeit stellen das Leben in den Arbeitsdienstlagern in der fränkischen, hessischen und thüringischen Rhön dar. Es wurden mehr als 50 Arbeitslager für Männer und über 30 Unterkünfte für den weiblichen Arbeitsdienst in der Rhön errichtet. "Es ist höchste Zeit, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen", sagte Schätzlein. "Nur noch wenige Zeitzeugen sind uns geblieben."

Der Autor lies die Dokumente für sich sprechen: Auf einer Leinwand zeigte er fast 200 historische Fotos sowie Kartenausschnitte und Planskizzen. Schätzlein skizzierte die Ausgangssituation, die zur Gründung des Reichsarbeitsdienstes (RAD) führte: In den 1920er Jahren gab es eine Hyperinflation, dann gewaltige Arbeitslosigkeit. Für arbeitslose Männer wurde seit 1931 ein Versuch unternommen, einen freiwilligen Arbeitsdienst einzurichten, damit sie in ihrer Region sinnvoll beschäftigt wurden. Vereine, Verbindungen und Gemeinden organisierten die Einsätze.

Die Nationalsozialisten nutzten die Idee des Arbeitsdienstes für ihre Zwecke. Ab April 1933 wurden NS- und Stahlhelmlager zu Stammlagern ausgebaut, der Dienst wurde militarisiert und zur Pflicht gemacht. Zu den Arbeitsbereichen des RAD gehörten das Entsteinen von Feldern, der Straßenbau, das Entwässern von Mooren, das Anpflanzen und landwirtschaftliche Arbeiten. Dank historischer Fotos konnte das Publikum sich das Leben in einem solchen Lager gut vorstellen.

Die jungen Leute lebten in Baracken, die allerdings der Rhönkälte nicht stand hielten. Von der Bevölkerung seien die Arbeiter sehr positiv angenommen worden, hat Schätzlein recherchiert. Eine wichtige Aufgabe war die Erntehilfe. Besonders im Krieg hätten die Arbeiter geholfen, damit es in der Landwirtschaft weiterging.

Schätzlein forschte für sein Buch in Archiven. Oft habe es gar keine Dokumente mehr über diese Zeit gegeben, berichtete er. Er traf sich deswegen mit Zeitzeugen, suchte Archiv-Ausgaben von Zeitungen. Wochenlang recherchierte er bei der "Fuldaer Zeitung", wo die alten Ausgaben noch auf Mikrofilm vorhanden waren. jt

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