Fotos: Hartmut Zimmermann

„E Geschäank“ der besonderen Art: Kolpingsfamilie lud zum Mundartabend

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - „E Geschäank???“ Das „Äa“ wollte gar nicht enden, so verwundert war der „Knäecht“ (Dietmar Weidenbörner) als er erfuhr, dass die Hünfelder Kolpingsfamilie der Jakobuskirche zu deren 500. „Geburtstag“ eine Freude machen wollte. Mit dem Ansage-Vorspiel auf der Kolpinghaus-Bühne waren die Zuschauer im ausverkauften Saal gleich mitten im Geschehen.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Die Hünfelder Kolpingsfamilie, schon seit Jahren der Mundartpflege verbunden, hatte zur Freude aller Platt-Schwätzer unter dem Motto „Es schläert zesomme“ zu zwei Mundartabenden eingeladen. Dass beide Termine am Freitag und Samstag ausverkauft waren, zeigt, dass die Freude am Dialekt ungebrochen ist.

Und Platt sprechen ist ansteckend: Sogar Kolpinghaus-Wirt Haris Bracaj machte seine Speisen-Ansage in Mundart und schloss mit „Loaßt es euch god schmack!“ Das musste auch sein, denn im Gespräch mit seinem „Buer“ (Berthold Schwalbach) hatte der hungrige „Knäecht“ schon laut befürchtet, es gebe wohl nur „Otzen“. Soviel sei gesagt: Das schmackhaft-deftige Essen sättigte alle, so dass der Abend auch in dieser Hinsicht eine gute Grundlage hatte.

Der Abend führte in vielen Bildern zu markanten Episoden der Hünfelder Stadtgeschichte. Klar, dass da der mutmaßlich kleinste Kaiser und hochrangigste Gast nicht fehlen durfte: Napoleon sprach zwar kein Platt, aber die Schauspieler bewiesen mit den von Schwalbach und Weidenbörner zusammengestellten Texten, wie viele französische Worte Eingang auch ins Platt gefunden haben.

„Em Stall bei Veeh, do es dei Separee!“ verkündete der Knecht, der nun statt des Straßenpflasters „des Trottoar“ fegen muss. Wenn Napoleon schon da ist, dann ist in Hünfeld Goethe nicht weit: Den Geheimrat verschlägt es in eine kunterbunte Jahrmarktszene mit lebendigen Hühnern und einem Zähne ziehenden Bader. Hätte der Dichterfürst Hünfeld so erlebt – sein Gedicht über den Jahrmarkt wäre sicherlich drei Klassen besser ausgefallen.

Für besondere Heiterkeit sorgten immer wieder die Seitenhiebe auf die „Lieben Nachbarn“. Seien es die „aus Foll“, denen man Napoleons Einquartierung viel lieber an den Hals gewünscht hätte, seien es die Dörfer wie Molzbach und Mackenzell: Vor allem die Mackenzeller mussten allerhand Spott ertragen, beispielsweise wegen des unterstellten schrägen Wallfahrtsgesangs.

Der Männergangverein unter Vladimir Langenstein, der eingangs die Gäste musikalisch eingestimmt hatte, überzeugte als unmusikalischer Wallfahrer-Chor. Gemeinsam mit den Rückerser Dorfmusikanten, zuständig für viele Zwischenmusiken, hatten die Sänger starke Auftritte, als Fürstbischof Heinrich von Bibra in der armen Haunestadt seinen Korb mit „Gaalbern“ in Empfang nahm.

Nebenbei: Die Suche nach den „Ehrenjungfrauen“ zum Empfang des hohen Gasts war einer der Höhepunkte des Abends.

Die Besetzung:

Messdiener: Maximilian Becker, Finn Bohl und Kevin Brehl

„Keusche“ Jungfrauen und Marktfrauen (mit Kindern): Maximilian Becker, Finn Bohl und Kevin Brehl, Anette Witzel, Irene Gutberlet, Anita Körbel, Elvira Weidenbörner, Maria Weber, Silvia Melzer und Sonja, Paula und Jonas Raschka

Molzbacher: Josef Vogt

Verwundeter Soldat, Zahnpatient: Stefan Krieger

Bader: Christoph Raschka

Gendarm, Bischofssekretär und Colonel:Gerd Fittje

Wirtstochter: Laura Weidenbörner

Napoleon: Ewald Marschall

Goethe und Fürstbischof Heinrich: Matthias Flory

Bürgermeister: Berthold Körbel

Stadtpfarrer: Klaus Herget

Bauern: Berthold Schwalbach und Dieter Hohmann

Magd: Birgit Hohmann

Knecht: Dietmar Weidenbörner

Platt-Retterinnen: Pauline Käsmann (Arzell) und Katharina Witzel (Daft)

Moderator: Burkhard Melzer

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