Fotos: Hartmut Zimmermann

Die Geschichte der Thüringen-CDU in der DDR

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Point Alpha - Die Geschichte der CDU stand gleich zweifach im Mittelpunkt des Abends im Haus auf der Grenze: Zum einen wurde die Ausstellung „75 Jahre CDU“ erstmals gezeigt, zum anderen stellte der Historiker Dr. Bertram Triebel seine Studie zur Historie der Thüringer CDU als „Blockpartei“ vor.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

„Die Thüringer CDU in der SBZ/DDR – Blockpartei mit Eigeninteresse“ – der Buchtitel klingt nicht nach Publikumsrenner. Die Veranstalter, das Politische Bildungsforum Thüringen in der Konrad-Adenauer-Stiftung und die Point Alpha Stiftung, freuten sich dennoch über zahlreiche Besucher. Für den Hausherrn hieß Vorstand Berthold Jost die Gäste willkommen.

Um dem Vorwurf nachzugehen, die CDU-Mitglieder seien „Blockflöten“, ihre Partei in DDR-Zeiten ein bloßes Anhängsel der SED gewesen, hatte die Thüringer CDU eine Historikerkommission mit einer Studie beauftragt. Deren Ergebnis stellte Triebel im Gespräch mit Moderator Dr. Jan Schönfelder und dem Zeitzeugen Dr. Hans-Peter Häfner aus Vacha vor. Mit Häfner, der 1972 in die CDU im damaligen Bezirk Erfurt eingetreten war und der nach der Friedlichen Revolution unter anderem der ersten frei gewählten Volkskammer und dem Landtag angehörte, ergänzte die Informationen des Historikers mit Beispielen aus dem Partei-Alltag.

Teil des Systems

Die Ost- CDU wurde, genauso wie die Liberaldemokraten, die Bauernpartei und die Nationaldemokraten, von der SED benutzt, um ein Vielparteiensystem vorzuspiegeln. Einfluss besaßen sie letztlich nicht. „Die CDU war Teil des staatssozialistischen Systems und stand nie am Rande“ – so fasste Triebel eine Hauptaussage seines Buchs zusammen. Neben den „schweigenden Mitgliedern“ in den Ortsverbänden habe es „willfährige Funktionäre“ gegeben, die ganz auf SED-Kurs gewesen seien.

Häfner erläuterte, er sei 1972 in die CDU eingetreten, um nicht in die SED gehen zu müssen: Nach seinem Studium, so der promovierte Bergbauingenieur, sei der Druck sehr groß gewesen, durch einen Beitritt zur SED ein „Bekenntnis zum Arbeiter- und Bauernstaat“ abzulegen. Da sei die CDU eine Ausweichmöglichkeit gewesen. Schon das habe an seinem Arbeitsplatz im Kalikombinat Werra großen Ärger ausgelöst. Das sei aber kein Schritt in die Opposition gewesen: „Wir waren angepasst und haben uns nicht aufgelehnt“, betont der 81-Jährige. Erst sehr spät in der Schlussphase gab es auch mal kritischere Töne aus den Reihen der Ost-CDU.

Verbleib von Parteivermögen noch heute unklar

Helmut Kohls West-CDU sei wegen deren Nähe zur SED lange auf Distanz zu ihrer Ost-Schwester geblieben, betonte Triebel. Erst im Wahlkampf zur ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 habe man den Zusammenschluss eingefädelt – nicht zuletzt, um die Mitgliederschaft und die Organisationsstruktur für sich nutzen zu können. Die Frage, was mit dem Parteivermögen der CDU Ost geschehen ist, wird in Triebels Buch nicht erörtert.

Unbeantwortet blieb die Frage einer Besucherin, die „nach so viel Geschichte“ wissen wollte, wie es um die Zukunft der Thüringer CDU bestellt sei. Häfner wagte einen Blick nach vorn: „Die CDU wird sich erholen – aber das braucht Zeit. Da ist viel Vertrauen verloren gegangen.“

Das könnte Sie auch interessieren