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Großbaustelle mit Überraschungen – Rathaus wird wohl erst im Dezember fertiggestellt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Als eine Baustelle, auf der an jedem Werktag rund 50 Handwerker aus sechs Gewerken unterwegs sind – so präsentiert sich das Hünfelder Rathaus aktuell. Großbaustelle wird es noch monatelang bleiben: Im Dezember 2020, so hofft Koordinator Thomas Henkel, ist das Rathaus wieder Verwaltungssitz.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

„Die Umbaumaßnahmen sollen zügig vorangehen und werden wahrscheinlich bis Oktober 2019 abgeschlossen.“ Dieser Satz stand im November 2017 in unserer Zeitung. Quelle: eine Pressemitteilung aus dem damals noch von Verwaltungsleuten bevölkerten Rathaus.

Der Oktober 2019 ist lange vergangen – die Bauarbeiten dauern an. Und zwar nicht, weil langsam gearbeitet worden wäre: Der Umbau des historischen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert hat jede Menge Überraschungen bereit gehalten.

Projekt aufwändiger und komplizierter als erwartet

„Auch wenn wir mit einigen Überraschungen gerechnet und sie auch ein Stück weit eingeplant hatten – die Bausubstanz war um einiges schlechter, als wir vermutet hatten“, erläutert Henkel bei einem Baustellenbesuch. „Wir sind beim Bauen sozusagen eines Schlechteren belehrt worden“, formuliert Pressesprecher Helmut Käsmann. Vor allem die Einwände der Statiker und der Brandschutz-Verantwortlichen haben das Bauprojekt erheblich aufwändiger und komplizierter gemacht.

Ein Beispiel: Die Decken des ersten und zweiten Obergeschosses. Deren Holzkonstruktionen sollten eigentlich erhalten werden. Doch als die Böden entfernt waren, stellten sich heraus, dass die Belastbarkeit nicht ausreichte. Also: Alte Decken raus, Betondecken hinein.

Neue Betonverstärkungen vonnöten

Das ist bei weitem nicht die einzige ungeplante Zusatz-Aufgabe: „Bei vielen Türstürzen waren die Verstärkungen für heutige Maßstäbe völlig ungenügend; Als der Putz weg war, sah man, dass nur eine bessere Bohle oder ein gering bemessenes Kantholz die Last trug. Da wurden dann neue Betonelemente eingebaut“, berichtet Henkel.

In allen Geschossen fallen die neuen Beton-Verstärkungen auf – genauso wie die vielen frisch gemauerten Wandflächen. Oft, so der Bau-Koordinator, seien die Wände zu dünn gewesen oder später Zwischenwände aus Gasbeton eingebaut worden – beides unter dem Aspekt des Brandschutzes heute nicht zu genehmigen.

Podest- statt Wendeltreppe

„Man könnte fast sagen, dass kaum mehr als die Außenwände stehengeblieben sind“, beschreibt Käsmann die Lage überspitzt. Er hat auch eine Erklärung für die bescheidene Bausubstanz: „Das Rathaus entstand gleich nach dem großen Stadtbrand von 1888 – da fehlte es an Geld und Baumaterial.

Die größte Baustelle in der Baustelle ist der Treppenaufgang: Die bisherige gewendelte Treppe musste aus Brandschutzgründen durch eine Podesttreppe ersetzt werden. In deren „Auge“ wird künftig ein gläserner Aufzug eine barrierefreie Verbindung vom Unter- bis zum Dachgeschoss ermöglichen. „Das wird ein Element sein, das den neuen Bau prägt“, ist sich Henkel sicher.

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