Bauarbeiten: Die Talbrücke in Langenschwarz.
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Der neue Überbau ist zu einem Drittel fertiggestellt. Der Verkehr fließt zurzeit über den alten Überbau.

41-Millionen-Euro-Projekt

Halbzeitbilanz: Neuer Überbau der Talbrücke wird zurzeit hergestellt

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Wenn auch weiterhin alles gut läuft, dann ist jetzt Halbzeit: Seit eineinhalb Jahren wird zwischen Langenschwarz und Wehrda schon gebaut; Ende 2021 soll die neue Autobahnbrücke fertiggestellt sein. 41 Millionen Euro werden Abriss und Neubau dann verschlungen haben.

Langenschwarz - Die Spannbetonbrücke auf Burghauner Gebiet direkt an der Grenze zum hersfeldischen Wehrda war vor mehr als 50 Jahren errichtet worden. Den heutigen Anforderungen mit einer gestiegenen Verkehrsbelastung ist sie, wie viele andere Autobahnbrücken auch, nicht mehr gewachsen. Von einer Sanierung wurde abgesehen, „denn ein Abriss und Neubau sind klar wirtschaftlicher“, erklärt Peter Wöbbeking, regionaler Bevollmächtigter für Osthessen bei Hessen-Mobil. Die neue Brücke soll eine längere Zeit überdauern als die alte: „Wir rechnen mit 100 Jahren.“

Westlicher Überbau komplett abgerissen

Vor rund eineinhalb Jahren haben die Arbeiten begonnen; der westliche Überbau, also die Fahrbahnen, der alten Brücke ist bereits komplett abgerissen. Der neue Überbau ist momentan zu etwa einem Drittel neu hergestellt. Gearbeitet wird im Taktschiebeverfahren, erläutert Fachbereichsleiter Andreas Jaszbereny. Das heißt: Es geht Takt für Takt vorwärts – in insgesamt 17 circa 20 Meter langen Abschnitten, beginnend am Widerlager, welches das Ende des Brückenüberbaus trägt. Ist ein Abschnitt fertiggestellt, wird der sogenannte Vorbauschnabel über die Pfeiler nach vorne verschoben, um den nächsten Takt herstellen zu können. Das Verfahren eignet sich besonders für lange Brücken wie die Talbrücke Langenschwarz, die aus zwei Brückenüberbauten von je 326 Metern Länge bestehen wird.

Zur Talbrücke

Die 326 Meter lange und bis zu 27 Meter hohe Talbrücke Langenschwarz wurde im Jahr 1967 errichtet und ist mittlerweile, wie viele Autobahnbrücken in Hessen, aufgrund der gestiegenen Verkehrsbelastung den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen.

Täglich rollen im Schnitt mehr als 47.000 Kraftfahrzeuge, davon 9000 Lkw, über das alte Bauwerk. Die Prognose 2030 geht von einer Zunahme der Verkehrsbelastung auf rund 55.000 Kraftfahrzeuge pro Tag aus, davon 24 Prozent Lkw am Tag und 71 Prozent in der Nacht. / sam

Der westliche Überbau in Fahrtrichtung Würzburg wird mit einer Breite von 14,5 Metern dreistreifig, der östliche Überbau in Richtung Kassel wird 12,80 Meter breit und erhält zwei Fahrstreifen. Auf beiden Seiten gibt es zudem einen Standstreifen. Der Querschnitt verbreitert sich von derzeit 31,85 Metern auf 34,90 Meter.

Dass die Brücke aus zwei Überbauten besteht, hat einen großen Vorteil: Denn so kann der gesamte Verkehr während der Bauarbeiten auf den einen Überbau verlegt werden. Wöbbeking und Jaszbereny sprechen von einer „4+0-Verkehrsführung“: hier vier Spuren und dort, wo gearbeitet wird, keine mehr. Die Spuren sind zwar erheblich eingeengt; es bleibt aber immer noch genug Platz, um zwei Fahrspuren je Fahrtrichtung erhalten zu können. Sobald der westliche Überbau fertig ist, wird der Verkehr vollständig dorthin verlegt. Im zweiten Bauabschnitt wird dann der östliche Überbau zurückgebaut und im gleichen Verfahren hergestellt.

Kosten auf 41 Millionen Euro geschätzt

Während am Anfang der Planungen 26 Millionen Euro veranschlagt waren, werden die Kosten heute, vor allem wegen der gestiegenenen Baupreise, auf 41 Millionen Euro geschätzt. Sie werden vom Bund getragen.

Über den Brückenbau berichten Andreas Jaszbereny (links) und Peter Wöbbeking von Hessen Mobil.

Zwischen 40 und 50 Arbeiter sind auf der Baustelle ständig zugange, berichtet Andreas Jaszbereny. Trotz der Corona-Pandemie laufe alles in geordneten Bahnen, niemand sei von einer Virusinfektion betroffen gewesen. Mittlerweile gibt es sogar extra einen Gesundheitskoordinator. Schutzmaßnahmen werden, soweit es möglich ist, ergriffen. Der Abstand könne aber während der Arbeiten nicht immer eingehalten werden, erklärt Hessen Mobil.

Arbeiten liegen im Zeitplan

„Corona“ ist nicht die einzige Herausforderung im Baustellen-Alltag: „Jede Baustelle, jeder Brückenbau ist anders. Man lernt immer noch etwas dazu“, sagen Wöbbeking und Jaszbereny. Besonderheiten an der Talbrücke gab es einige: So mussten zum Beispiel Fledermäuse, die im alten Überbau lebten, umgesiedelt werden. Zudem muss Hessen Mobil Schutzzäune wegen der Wildtiere aufstellen. Und die Kreisstraße142 zwischen Langenschwarz und Wehrda wurde im Bereich unter der Brücke eigens einige Meter verlegt, um einen der Brückenpfeiler abreißen und neu bauen zu können.

Die Arbeiten liegen im Zeitplan, freuen sich die Hessen-Mobil-Leute. Bis Ende des kommenden Jahres soll das Bauwerk vollendet werden.

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