Der Hänger des Fahrrads blockiert den Gehweg: Die Grünen wollen mit diesem Beispiel zeigen, dass die Abstellmöglichkeiten für Bikes im Zentrum der Kerngemeinde Eiterfeld ihrer Auffassung nach unzureichend sind.
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Der Hänger des Fahrrads blockiert den Gehweg: Die Grünen wollen mit diesem Beispiel zeigen, dass die Abstellmöglichkeiten für Bikes im Zentrum der Kerngemeinde Eiterfeld ihrer Auffassung nach unzureichend sind.

Stellplätze und Sicherheit

Fehlt den Radfahrern die Lobby? Heftige Diskussion in Eiterfelder Gemeindevertretung

  • Harry Wagner
    VonHarry Wagner
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Haben Radfahrer in der Marktgemeinde Eiterfeld keine Lobby? Die Fraktion der Grünen in der Gemeindevertretung ist dieser Meinung und macht dies an einzelnen Beispielen fest. Bürgermeister Hermann-Josef Scheich kontert die Kritik, und in den übrigen Fraktionen sieht man die Thematik mit anderen Augen.

Eiterfeld - „Wir geben nicht auf, die Klimakommune Eiterfeld (Hessen) in eine ökologischere Richtung umzugestalten“, sagt Joachim Nophut von der Grünen-Fraktion. Er kritisiert die ablehnende Haltung der anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung zu „grünen“ Anträgen und greift das Thema Radabstellplätze heraus. Die Möglichkeiten, sein Bike in der Marktgemeinde abstellen zu können, betrachtet Nophut in einer Pressemitteilung als ungenügend.

So seien die Fahrradstellplätze vor den Geschäften nicht ausreichend, um dort auch ein Zweirad mit Hänger unterbringen zu können. Und sie seien auch nicht ausgelegt für die Breite eines normalen Mountainbikereifens. „Innerorts haben Fahrradfahrer genauso wenig eine Lobby wie Menschen mit Behinderung“, glaubt Nophut.

Hessen: Fehlt Radfahrern die Lobby? Diskussion in Gemeindevertretung

Und so habe er – zumal er ansonsten sein Zweirad auf dem Gehweg hätte abstellen müssen – auf einem Pkw-Stellplatz geparkt. Mit dem an den Hänger gehefteten Hinweis „Ich darf hier nicht parken“. Eiterfeld sei, so der Grünen-Kommunalpolitiker, eine „sehr konservative Gemeinde in der es sehr schwer ist neue Technologien und Ideen durchzusetzen.

Wie sehen die anderen Fraktionen die Kritik der Grünen, wie reagiert Bürgermeister Scheich? Das Gemeindeoberhaupt hat noch keine Beschwerden von Radfahrern aus der Bürgerschaft entgegen nehmen müssen, wie er versichert. „Ich sehe auch nicht den extrem hohen Bedarf an solchen Stellplätzen“, sagt Scheich. Vielleicht könne man ein Fahrrad mit Hänger nicht direkt vor dem Geschäft parken, aber um die Ecke bestehe dann sicher eine Möglichkeit.

Mehrheit gegen Fahrradstellplätze

Der Anregung der Grünen, Pkw-Stellplätze beim Einkaufszentrum „Marktpassage“ zugunsten von Fahrradstellplätzen umzuwidmen, erteilt er eine Absage. Aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen mit dem Grundstückseigentümer sei dies nicht möglich und rechtlich fragwürdig. Dieser Einschätzung der Verwaltung sei ja auch die überwiegende Mehrheit der Gemeindevertreter gefolgt. Der Bürgermeister rät dazu, die generellen Anstrengungen der Gemeinde für die Radfahrer – diese könne man an den Investitionen in Radwege ablesen – zu würdigen, anstatt den Fokus auf kleine Details zu legen. (Lesen Sie hier: Gemeindevertretung Eiterfeld lehnt Toilettenanlage ab)

Auch FWG-Fraktionsvorsitzender Pascal Möller kann die Kritik der Grünen nicht teilen. „Ich glaube, dass wir sogar relativ viele Abstellplätze für Fahrräder in der Kerngemeinde haben.“ Er sehe dort aber gar nicht ein so hohes Aufkommen an Radfahrenden. Denn um Besorgungen und Einkäufe reihum erledigen zu können, seien gerade die Bürger aus den Ortsteilen, wo es keine Läden und Dienstleistungen mehr gibt, aufs Auto angewiesen.

Wenig Verkehrssicherheit für Radfahrer in Eiterfeld?

Erst einmal müsse die Bereitschaft, auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen, großflächig vorhanden sein. „Das ist vergleichbar mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Die Rufbusse funktionieren, das haben mir Busfahrer versichert. Sie müssten nur genutzt werden.“

Stephanie Klee sieht weniger die Stellplatzsituation für Fahrräder als vordringliches Problem. Ihr bereitet die allgemeine Verkehrssicherheit der Pedaleure im Zentrum der Kerngemeinde Sorgen. Die Landessstraße sei im Verlauf der Bahnhofstraße und der Marktstraße für Radfahrer derzeit nicht ungefährlich. „Es herrscht viel Autoverkehr, die Verkehrslage ist unübersichtlich. Die Gemeinde muss sich schon Gedanken machen. Ich hoffe, dass mit dem Ausbau der Straße in 2023 die Situation auch für Radfahrer entschärft wird“, betont die Vorsitzende der CDU-Fraktion.

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