Johannes Münkel begeistert 48.000 Menschen auf Instagram.
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Johannes Münkel begeistert 48.000 Menschen auf Instagram.

Mit Handwerk-Videos berühmt

Fliesenleger aus Hünfeld geht viral: Johannes Münkel (30) begeistert fast 50.000 Instagram-User

  • Alina Hoßfeld
    vonAlina Hoßfeld
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Instagram ist seine Leidenschaft: Der 30-jährige Johannes Münkel aus Hünfeld begeistert 48.000 Menschen auf der Social-Media-Plattform. Mit Fotos und Videos gibt er seinen Followern einen Einblick in seinen Beruf als Fliesenlegermeister.

Hünfeld - Bereits seit 2016 ist der 30-jährige Johannes Münkel aus Hünfeld im Landkreis Fulda auf Instagram aktiv: „Ich habe damals Bilder planlos hochgeladen und auch wenig von der Baustelle gezeigt. Doch im August des vergangenen Jahres hat meine Schwester angefangen, ein Haus umzubauen. Ich habe dann regelmäßig Storys und Beiträge hochgeladen“, erzählt der 30-Jährige. Damals hatte er 600 Abonnenten und im Januar dieses Jahres waren es bereits 3500 Menschen, die ihm beim Fliesenlegen zusahen.

Hessen: Fliesenleger Johannes Münkel (30) begeistert fast 50.000 Menschen auf Instagram

„Ein Freund kam dann auf mich zu und meinte, dass ich mal ein Reel hochladen soll. Das sind kurze Videos, die zusammengeschnitten und mit Musik unterlegt werden“, erklärt Münkel. 2000 bis 3000 Menschen erreichte er mit seinen Reels und dann kam der Durchbruch. „Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte plötzlich 12.000 Abonnenten. Ich dachte, mir hätte jemand Follower gekauft. Aber ein Reel ist in den Instagram-Algorithmus gekommen und wurde vielen Usern weltweit angezeigt“, sagt Münkel. Der Clip, auf dem er ein Verlegesystem präsentiert, sammelte massig Klicks und wurde so immer mehr Usern vorgeschlagen. Mittlerweile wurde der Beitrag 17,9 Millionen Mal aufgerufen, hat 560.000 Likes und 1400 Kommentare.

Der Grundgedanke, der hinter seinem Instagram-Account steckt: „Ich möchte zeigen, wie cool das Handwerk ist und junge Leute überzeugen, eine Lehre zu beginnen. Es ist schwierig, Nachwuchs zu bekommen und die Zahl der Fachleute schrumpft“, erklärt der 30-Jährige. Das spiegelt sich auch in seiner Zielgruppe wieder. So folgen dem 30-Jährigen nach eigenen Angaben Menschen, die sich eine Ausbildung im Handwerk vorstellen können. Aber auch Menschen, die Hilfe und Tipps beim Fliesenlegen brauchen. Doch nicht alles können Heimhandwerker alleine machen. Bei Do-it-yourself-Versuchen hat er schon viele scheitern gesehen, berichtet Münkel.

Johannes Münkel

Johannes Münkel absolvierte von 2005 bis 2008 die dreijährige Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger im elterlichen Betrieb. Danach war er fünf Jahre lang mit seinen Kollegen täglich auf Baustellen unterwegs. Von 2013 bis 2014 widmete er sich nach einigen Gesellenjahren der Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister. 2016 ist er ​als Geschäftsführer in den elterlichen Betrieb in Hessen eingestiegen. Er ist bereits die vierte Generation im Familienunternehmen, welches 1949 gegründet wurde.

Im März 2021 hat Johannes Münkel den Award „Schlüter goes digital“ für sein Engagement im Bereich Social Media erhalten. „Johannes hat früh das Potential von sozialen Netzwerken als Marketinginstrument und Kommunikationsplattform für seine Kunden und Kollegen erkannt und gehört mit seiner professionellen Nutzung zu den Vorreitern und Vorbildern in seinem Handwerk. Er ist Botschafter für das Meister-Handwerk, dokumentiert eindrucksvoll und authentisch den facettenreichen Beruf des Fliesenlegers und ist dabei Vorbild und Motivator für junge Menschen“, heißt von Schlüter Systems.

„Manchmal kann ich gar nicht realisieren, wie viele Menschen mir bei meiner Arbeit zusehen. Das ist wie ein Traum, und es ist krass, wie viele sich für das Handwerk interessieren“, freut sich der Fliesenleger und fügt an: „Ich habe wohl einen Nerv zur Corona-Zeit getroffen. Viele schauen sich die Videos an und wollen es zu Hause nachmachen.“ Die Follower-Zahlen stiegen immer weiter an. Dafür hat Münkel eine Erklärung: „Mein Profil ist wie eine Website aufgebaut. Es muss fesseln und dann folgen viele Menschen.“ (Lesen Sie hier: TikTok: Influencerin Maja Hochhalter (16) aus Fulda - Das musste sie ihrer Mutter versprechen)

Johannes Münkel: Manche wollen sogar ein Autogramm oder einen Zollstock von unserer Firma

Laut Münkel kommen 50 Prozent seiner Follower aus Deutschland. Der Rest kommt aus der ganzen Welt - unter anderem Amerika, Brasilien und Indien. „In Indien gibt es sehr gute Fliesenleger, die machen echt geile Sachen. Einige von ihnen fragen mich auch, ob ich ihnen Werkzeug senden kann, denn dort gibt es nicht so eine große Auswahl wie bei uns“, erzählt er. Rund 9000 Menschen schauen täglich seine Storys an - am Wochenende steigt die Zahl. Für seine Videos und Beiträge sitzt er abends oft am Computer: „Tagsüber habe ich keine Zeit, die Videos zu bearbeiten. Deswegen sammle ich das Material meist über mehrere Tage, schneide es und füge Musik hinzu. Das ist schon sehr aufwendig“, erklärt er.

Johannes Münkel ist auf Instagram aktiv.

Durch die steigende Bekanntheit, wuchsen auch die Aufträge für das Unternehmen. „Wir haben viele Anfragen aus ganz Deutschland bekommen. Aber logistisch ist das leider nicht machbar“, so Münkel. Nach einem Beitrag auf RTL kamen es erneut Follower dazu. „Ich habe viele Nachrichten bekommen und wurde nach dem TV-Beitrag auch auf der Straße angesprochen: ‚Du warst ja im TV. Endlich sehe ich dich mal live‘. Das ist schon ein komisches Gefühl, denn eigentlich bin ich ein ganz normaler Typ“, sagt Münkel lachend. Doch einige Follower sehen das wohl anders: „Manche wollen sogar ein Autogramm oder einen Zollstock von unserer Firma“, berichtet er.

Video: Optionen zum Baumarkt - So kommt man im Lockdown an Heimwerkerbedarf

Dabei authentisch bleiben - das ist sein Ziel. „Alle Videos sind aus dem echten Baustellen-Alltag. Ich möchte echt sein und auch nie etwas präsentieren, was mir nicht zusagt. Das wirkt sonst unglaubwürdig“, erklärt er. So gab es viele Werbe-Anfragen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Arbeitsschutz, Bauchemie und Kleidung. Doch die habe er ablehnt. Seine einzige Kooperation ist mit Bosch Professional, denn die Werkzeuge nutze er schon seit Jahren. Ausschließlich über Kooperationen Geld zu verdienen, kann er sich allerdings nicht vorstellen: „Ich muss auf der Baustelle arbeiten, um Content für mein Profil zu haben. Außerdem kann man auf Instagram zwar Geld verdienen, reich werde ich dadurch aber nicht“, sagt Münkel.

In der Zukunft wird Johannes Münkel mit seinem Instagram-Profil weitermachen und die Menschen an seinem Tag teilhaben lassen. „Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, könnte ich mir auch vorstellen, einige Follower einzuladen und ihnen unseren Betrieb zu zeigen“, sagt Münkel. Für ihn sei Instagram kein Job, sondern eine Leidenschaft.

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