Kreisbahn
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Der Förderverein Werra-Fulda-Bahn will das Resstück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn, im Bild das Bahnhofsgelände in Schenklengsfeld, nun Anrainerkommunen zum Kauf anbieten.

Kommunen am Zug

Rostige Gleise: Förderverein will alte Bahnstrecke jetzt den Anrainern verkaufen

Der Förderverein Werra-Fulda-Bahn will das Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn von Schenklengsfeld über Ransbach nach Heimboldshausen nun den beiden Anrainerkommunen Schenklengsfeld und Hohenroda zum Kauf anbieten.

Hohenroda/Schenklengsfeld - Das haben die Mitglieder nach Informationen der „Hersfelder Zeitung“ während der Jahreshauptversammlung Anfang Juli beschlossen. Der Vereinsvorsitzende Jürgen Baumgardt wollte dazu auf Nachfrage nichts sagen - der Vorstand habe beschlossen, die Sitzungsergebnisse nicht öffentlich zu kommunizieren.

Teilnehmer berichten, dass die Mitglieder in der Zusammenkunft den 2018 gefassten Beschluss, die Strecke für einen Euro an den Niederländer Klaas J. Smit abzugeben, mit der Begründung aufgehoben haben, dass es zwischen Investor und Vorstand über wesentliche Vertragsinhalte zu keiner Einigung gekommen sei. (Lesen Sie hier: Mühlgraben bleibt Debattenthema in Hünfeld - CWE revidiert Zustimmung)

Als Käufer werden nun Schenklengsfeld und Hohenroda in Hessen favorisiert, die - anders als die dritte Anliegerkommune Philippsthal - Mitglied des Fördervereins sind. Falls die Gemeinden kein Interesse zeigen, sollen Verhandlungen mit weiteren Bewerbern aufgenommen werden.

Hessen: Förderverein will Kreisbahnstrecke jetzt Anrainern verkaufen

Im Vorfeld der Versammlung hatten Mitglieder des Vereins und der Gruppierung IG Kreisbahn Hersfeld-Heimboldshausen - nach eigenem Bekunden ein Kreis von zehn Personen, die sich für eine touristische Nutzung der Gleise einsetzen - eine Online-Petition gegen den Verkauf gestartet. Die Initiatoren befürchten, dass Strecke und Bahnbetriebswerk in diesem Fall abgerissen und teilweise für einen Fahrradweg entwidmet werden. (Lesen Sie auch: Konflikt um Trasse Fulda-Gerstungen hält an - Forum kippt auch Fernverkehrshalt „Bebra Süd“)

Der 1994 gegründete Förderverein Werra-Fulda-Bahn hatte das rund zwölf Kilometer lange Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn im Jahr 2009 von der Hersfelder Eisenbahn GmbH (HEG) übernommen. Im Frühjahr 2017 bot der Verein die Strecke samt Lokschuppen und Fahrzeugen auf der Internet-Plattform Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf an und sorgte damit für ein bundesweites Medienecho. Begründet wurde dieser Schritt damals mit fehlendem Vereinsnachwuchs und dem inklusive Zuschüssen weitgehend aufgebrauchten Vereinskapital.

Strecke

Die Strecke führt von Bad Hersfeld über Sorga, Malkomes, Schenksolz, Schenklengsfeld (mit Bahnhof und Betriebshof), Wehrshausen, Ransbach nach Philippsthal-Heimboldshausen an die Werra. Der Schienenbetrieb war 1912 eröffnet worden.

Der Güterverkehr auf der Trasse wurde 1993 eingestellt. Zwischen Bad Hersfeld und Schenklengsfeld wurde darauf der Solztalradweg eingerichtet.

Das restliche Stück wurde an den Förderverein Werra-Fulda-Bahn verkauft. Dieses Teilstück ist rund elf Kilometer lang. (zi)

Im Februar 2018 beschlossen die Mitglieder mehrheitlich den Verkauf an den niederländischen Investor, dessen Konzept unter anderem ein Pfannkuchen-Restaurant in einem alten Personenzug vorsah. Kommunalpolitiker aus den Anliegergemeinden kritisierten diese in ihren Augen überstürzte Entscheidung und äußerten Zweifel an der Seriosität des Käufers. Einen von den Kommunen geforderten Businessplan hat der Geschäftsmann nie vorgelegt. Um sich bei Bedarf den Zugriff auf die Bahngrundstücke in ihren Gemarkungen zu sichern, erließen die Gemeindeparlamente beider Kommunen entsprechende Vorkaufsrechtssatzungen.

2020 unterbreitete der Vereinsvorstand der Gemeinde Schenklengsfeld das noch nicht durch einen Beschluss der Mitgliederversammlung legitimierte Angebot, die Strecke für 20.000 Euro zu übernehmen. Den Anstieg des Kaufpreises begründete der Vorsitzende damals mit aufgelaufenen Kosten, etwa für die Haftpflichtversicherung. Dem Vernehmen nach soll die Preisvorstellung des Vereins aktuell bei 35.000 Euro liegen. (Jan-Christoph Eisenberg)

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