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Für saubere Ozeane: Friseurin aus Osthessen spendet Haare ihrer Kunden

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Katja Fischer sammelt in ihrem Friseursalon Haarstall in Gittersdorf abgeschnittene Haare und schickt sie nach Frankreich. Sie helfen dabei, Öl und andere Schadstoffe aus dem Meer zu filtern.
Katja Fischer sammelt in ihrem Friseursalon Haarstall in Gittersdorf abgeschnittene Haare und schickt sie nach Frankreich. Sie helfen dabei, Öl und andere Schadstoffe aus dem Meer zu filtern. © Christine Zacharias

Haare können sehr viel Fett aufnehmen. Diese Eigenschaft machte sich der südfranzösische Friseur Thierry Gras zunutze und entwickelte Ölsperren aus abgeschnittenen Haaren, die das Meer sauber halten sollen. Katja Fischer hat sich jetzt mit ihrem Salon Haarstall in Gittersdorf (Hessen) der Aktion angeschlossen.

Gittersdorf - „Coiffeurs justes – die fairen Friseure“ – so nennt sich die Organisation, die Thierry Gras im Jahr 2015 gründete und die inzwischen weltweit Mitglieder hat. „Etwa 4900 Friseursalons auf der ganzen Welt sind dabei, 35 davon aus Deutschland“, berichtet Katja Fischer. Dass sie eine davon ist, erfüllt sie mit Stolz.

Eine Freundin habe sie auf einen Fernsehbericht aufmerksam gemacht, in dem über das Projekt aus Frankreich berichtet wurde, erzählt Fischer. Sie war sofort Feuer und Flamme, recherchierte im Internet und nahm Kontakt mit Thierry Gras auf. (Lesen Sie auch: Fulda: Siebenjährige zeigt großes Herz - Zopf-Spende an Krebshilfe)

Hessen: Für saubere Ozeane - Friseurin spendet Haare ihrer Kunden

„Haare sind ein wertvoller Rohstoff und eigentlich viel zu schade, um einfach weggeworfen zu werden“, erklärt Katja Fischer. Viele Tonnen von Haaren landen jedes Jahr ungenutzt im Müll. Selten einmal kommen Kundinnen, die sich von sehr langen Haaren trennen, so dass daraus Perücken für Krebskranke hergestellt werden können. Auch an dieser Aktion beteiligt sich Katja Fischer.

Inzwischen sammelt sie die abgeschnittenen Haare in Papiersäcken, die sie dann nach Frankreich schickt. Dort hat Thierry Gras, der in dem kleinen Ort St. Zacharie in Südfrankreich lebt, ein System entwickelt, wie aus den Haaren Ölsperren werden können.

Dazu werden sie in ausgediente orthopädische Strümpfe gestopft und zu einer Art Wurst geformt. Aus den Würsten werden lange Ketten gebildet, die auf dem Wasser schwimmen und das auf der Oberfläche schwimmende Öl aufnehmen. Diese Arbeiten werden von Behindertenwerkstätten und Menschen, die schon lange arbeitslos sind und wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, erledigt.

Video: Friseure helfen beim Recycling

Bis zu acht Liter Öl kann ein Kilogramm Haare aufnehmen. Dabei geht es Thierry Gras nicht nur um die Folgen von Umweltkatastrophen, sondern auch um die alltägliche Verschmutzung durch Benzin und Öl, das Motorboote verlieren, und um Sonnenschutzmittel, die jeden Sommer von Tausenden Touristen ins Wasser gespült werden.

Die Wirksamkeit seines Systems wurde unter anderem im Hafenort Cavalaire-sur-Mer an der Côte d’Azur getestet. Es kam auch im Sommer 2020 bei einer Schiffshavarie vor Mauritius zum Einsatz.

Haarfilter können bis zu achtmal eingesetzt werden

Die Haarfilter können übrigens nicht nur einmal eingesetzt, sondern mehrfach gereinigt und bis zu achtmal genutzt werden. Danach dienen sie als Dämmstoff für den Hausbau. Der Rohstoff Haar ist also viel zu schade, um einfach weggeworfen zu werden.

Katja Fischer hofft, dass sich möglichst viele Friseursalons der Aktion anschließen. Und sie hofft, dass davon auch ein Impuls ausgeht, damit die Menschen wieder zum Friseur gehen. Denn in den Salons merke man die Pandemie-bedingte Zurückhaltung deutlich, stellt Fischer fest. (von Christine Zacharias)

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