Drei Banner hingen am 1. Mai rund um das Mackenzeller Schloss. Eines ist hier zu sehen.
+
Drei Banner hingen am 1. Mai rund um das Mackenzeller Schloss. Eines ist hier zu sehen.

Kritik auf Bannern

Anzeige nach Streich in der Hexennacht: Mackenzeller wollen ihr Schloss retten

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
    schließen

In der Hexennacht haben Unbekannte ihren Ärger über den zusehenden Verfall des Mackenzeller Schlosses auf Bannern geäußert. Der Eigentümer des Schlosses erstattet nun Anzeige. Auch unser Redakteur hat Post von den Hexen bekommen.

Mackenzell - Am frühen Morgen des 1. Mai wollte ich einen Toilettengang erledigen und sah auf dem Weg dorthin durch die gläserne Scheibe der Haustüre einen von außen befestigten Zettel hindurchschimmern. Was aussah wie eine Lösegeldforderung, erwies sich recht schnell als etwas ganz anderes. Denn Mackenzeller „Hexen“ wollten mich mit einem großen Wink darauf hinweisen, dass sie in den Stunden zuvor gehext hatten. Gleich gegenüber meiner Wohnung waren sie aktiv geworden. Drei Banner hatten sie rund um das Mackenzeller Schloss befestigt. Den Mackenzeller Bürgern liegt ihr Wahrzeichen am Herzen, und sie beobachten mit viel Unmut die Entwicklung des historischen Gebäudes. Es verkommt zusehends. Ein Graus. (Lesen Sie hier: Corona-Ausgangssperre - Polizei spricht von „anderer Hexennacht als sonst“)

Hessen: Dieser ​Hexennacht-Streich macht Dorf-Bewohnern richtig Ärger

Und nachdem kürzlich der neugewählte Ortsbeirat dieses Thema bereits auf die Tagesordnung gehoben hatte und dort beschloss, mit den Besitzern in den Dialog zu treten, machten die seit Jahren mit humorvollen Aktionen einmal jährlich aktiven und selbst in Dorf-Insiderkreisen namentlich nicht bekannten Hexen ernst.

An das Tor hingen sie ein Banner, auf dem sie zwei Alternativen für das Schloss ins Spiel bringen: Wie wäre es mit einer Jugendherberge oder einer Location für Hochzeiten? In den 60er-Jahren war das Schloss bereits als Hotel genutzt worden, selbst der ehemalige Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger legte dort mal einen Stopp ein.

Die Leute können es ja kaufen, dann sollen sie sich an mich wenden.

Geschäftsführer der Eigentümer-GmbH Viktor Karp

Auf einem anderen Banner prangten die Hexen mit ihrer TSG: Der Fußballverein nennt seit Jahr und Tag seinen Platz „Schlossparkstadion“. Würde dem Verfall nicht Einhalt geboten, man müsste es alsbald wohl „Ruinenparkstadion“ taufen. Und, natürlich, kam der aus Mackenzell stammende Bürgermeister Benjamin Tschesnok nicht umhin, auf einem Banner verewigt zu werden. Auf ihm wurde, nebst Konterfei des Rathauschefs, gefragt, wann denn der Prinz komme, um das Schloss endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Der aus Mackenzell stammende Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) wurde auf einem Banner verewigt.

Das Thema beschäftigt die Mackenzeller. Auch mich. Es stimmt traurig, den Verfall zu beobachten. Und ich bin froh, dass ziviler Ungehorsam dafür sorgt, dass wieder Bewegung in die Sache kommt. Ich hoffe, dass ich jetzt einen Stein bei den Hexen im Brett habe. Derweil werden sich die Kollegen in der Lokalredaktion im weiteren Verlauf um die Angelegenheit kümmern.

Unser Redakteur Johannes Götze hat in der Hexennacht Post bekommen.

Reaktion des Eigentümers: Die Frage, wie es mit dem Mackenzeller Schloss weitergeht, kann derzeit nur der Eigentümer, die Deutsche Baukultur Projektholding GmbH mit Sitz in Baden-Baden beantworten. Deren Geschäftsführer Viktor Karp erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass nach wie vor geplant sei, die Immobilie in Hessen als Wohnobjekt zu entwickeln. Leider gebe es momentan wegen Corona keine Fortschritte, aber in „zwei bis drei Monaten“ könne man mehr sagen. In Bezug auf die Hexennacht-Aktion betonte Karp, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, „nach dem, was da am Wochenende passiert ist“. Man habe unbefugt das Grundstück betreten. Der Grund dafür interessiere ihn nicht: „Die Leute können es ja kaufen, dann sollen sie sich an mich wenden.“ Die GmbH hatte die Immobilie Ende 2017 vom Guttempler Hilfswerk erworben. Seit das Schloss nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, steht es leer.

Video: Hexen- oder Walpurgisnacht - Was wird in der Nacht zum 1. Mai gefeiert?

Reaktion der Stadt: Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) betont, dass er die Sorge des Ortsbeirates und vieler Bürger aus Mackenzell um die Zukunft des Wasserschlosses teile: „Die Stadt hat bislang mehrfach vergeblich versucht, mit den Eigentümern in Kontakt zu kommen, um deren Vorstellungen für die Zukunft des Gebäudes zu erfahren.“ Das Schloss werde online zur Vermarktung angeboten. Weil zu befürchten steht, dass die Bausubstanz wegen unterlassener Gebäudeunterhaltung Schaden nehmen könnte, hat sich die Stadt auch an die Denkmalpflegebehörde gewandt. Tschesnok: „Das Wasserschloss ist ein Kleinod, das es verdient, erhalten zu bleiben.“ Die Hecken, die das Gelände umgeben, wurden durch die Stadt zurückgeschnitten, weil sie mittlerweile in die Fußwege hineinragten. Bislang waren sie von den vormaligen Besitzern unterhalten worden, obwohl sie zum Gelände des Sportplatzes gehören.

Das könnte Sie auch interessieren